Ruhpolding: Er tauscht Cockpit gegen Rathaus

Justus Pfeifer ist Ruhpoldings neuer Bürgermeister. Mit 30 Jahren ist er der jüngste Rathauschef im Landkreis Traunstein.
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Justus Pfeifer ist Ruhpoldings neuer Bürgermeister. Mit 30 Jahren ist er der jüngste Rathauschef im Landkreis Traunstein.

Ruhpoldings neuer Bürgermeister Justus Pfeifer ist mit seinen 30 Jahren der jüngste in seinem Amt im Landkreis Traunstein. Der ausgebildete Kampfjet-Pilot und CSUler kam übers Ministrieren und die Junge Union zur Politik, in der er etwas für seine Heimat bewegen will.

Von Ludwig Schick

Ruhpolding – Frischer Wind soll nach dem Willen des neuen Bürgermeisters Justus Pfeifer (CSU) ins Ruhpoldinger Rathaus einziehen. Der 30-jährige Offizier im fliegerischen Dienst der Bundeswehr-Luftwaffe und bisherige Gemeinderat löste am 1. Mai seinen Vorgänger Claus Pichler ab, der überraschend unterlegen war.

Der haushohe Sieg Pfeifers brachte klar zum Ausdruck, dass in der Tourismusgemeinde am Rauschberg „die Zeit reif ist“ für eine Wachablösung um den Chefsessel. Diesen Slogan hatte der neue Amtsinhaber für seinen Wahlkampf gewählt, in den er parteiübergreifend sowohl für die CSU als auch für die Vereinigung Ruhpoldinger Bürger gezogen ist.

Ein Pilot übernimmt das Gemeinde-Steuer

Justus Pfeifer stammt aus einer geerdeten Arztfamilie, in der Politik schon immer eine Rolle spielte. Der Drang, sich im Ort zu engagieren, entwickelte sich schon früh; zuerst als Kapitän in den Fußballmannschaften des heimischen Sportvereins und Ministrant, ehe ihn die Ideen der Jungen Union auf den Plan riefen. Mittlerweile ist er CSU-Ortvorsitzender und sitzt seit 2016 im Kreistag, wo er ab 2020 den stellvertretenden Fraktionsvorsitz der CSU innehat.

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Der studierte Staats- und Sozialwissenschaftler mit Masterabschluss absolvierte seine Kampfjet-Ausbildung in Fürstenfeldruck und in den USA, die er mit der Auszeichnung „Flight Officer Wings“ in Gold abschloss.

Seit 2018 ist er mit seiner langjährigen Freundin Christina verheiratet.

Zu seiner Motivation für das Bürgermeisteramt sagt der ehemalige Kampfjet-Pilot, der sich als patriotisch bezeichnet, er habe das Gefühl, in der Kommunalpolitik mehr für seine Heimat bewegen zu können, als im Cockpit. Es habe „schon einige Tage gedauert“, bis er die neue Situation realisiert habe, „schließlich habe ich selbst nicht mit einem so eindeutigen Ergebnis im ersten Wahlgang gerechnet.“

Jugendjahre bei der Jungen Union

Die Freude darüber dürfte auch in seinem Elternhaus groß sein: Politische Debatten gab und gibt bei uns zuhause meistens am Küchentisch“, erzählt der 30-Jährige. Seine Mutter war bis zuletzt selbst aktiv als Gemeinderätin für die VRB und die vergangenen sechs Jahre Zweite Bürgermeisterin.

„Da prallen auch schon mal unterschiedliche Meinungen aufeinander“, gibt Pfeifer schmunzelnd zu. Ob er auch mit seinem guten Freund, dem Landrat Siegfried Walch, debattiert, lässt Pfeifer offen. Nur soviel: „Wir schwimmen auf einer Wellenlänge“. Die beiden sind sich erstmals während ihrer Jugendjahre bei der Jungen Union begegnet, der Pfeifer nach seiner Zeit als Oberministrant in seiner Ruhpoldinger Pfarrei beitrat. „Als Jugendlicher lernt man dort ohne Sachzwänge mit Politik, mit Zukunftsthemen und Problemen vor Ort umzugehen, die jungen Menschen wichtig sind. Ein Ergebnis daraus ist zum Beispiel der Skaterplatz im Speedway-Stadion“, so Pfeifer rückblickend.

Wahl als Auftrag

Im aktuellen Wahlergebnis sehe er, „dass man sich in Ruhpolding einen neuen Schwung wünscht.“ Diesem Wunsch wolle er Rechnung tragen: „Wer mich kennt, der weiß, dass ich keine halben Sachen mache. Und dass es keine Floskel ist, wenn ich sage, dass ich parteiübergreifend für das Wohl der ganzen Gemeinde arbeiten werde. Das wird sich auch bei der Besetzung des zweiten und dritten Bürgermeisters zeigen.“

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Ruhpolding lebt in erster Linie vom Tourismus. Die Frage nach den Möglichkeiten, die er in diesem Bereich nach Corona sieht, beantwortet Pfeifer so: „Wir müssen jetzt schnell und flexibel reagieren. Sobald Reisen innerhalb Deutschlands wieder möglich ist, müssen wir das bieten, was sich der Kunde wünscht. Zurzeit sind das Sicherheit und Weitläufigkeit, ohne Angst haben zu müssen, sich infizieren zu können. Und genau diese Sicherheit können wir durch unser weitläufiges Wegenetz und unsere Natur bieten.“

Als Erstes aber hat sich der neue Bürgermeister die Rauschbergbahn und die Bürger-Card vorgenommen, die auch im Wahlkampf Themen waren: „Grundsätzlich müssen wir generell bei den Ausgaben ansetzen und zugleich die Einnahmensituation verbessern. Mit Synergie-Effekten lässt sich da viel machen. Ich denke dabei an Projekte wie Kurhaus, Wellenbad, Unternberg oder die Chiemgau-Arena, um nur einige zu nennen.“

Lob für Alt-Bürgermeister Pichler

Für seinen Vorgänger Claus Pichler von der SPD hat Pfeifer viel Lob über: „Für ihn war das Ergebnis sicherlich ein Schock. Das muss man erst mal verkraften können. Seine Mitarbeit während der Übergangsphase war sehr kooperativ und durch ein freundschaftliches Miteinander geprägt. Das rechne ich ihm hoch an.“ Dass Pichler sich dem Gemeinderat nicht mehr zur Verfügung stelle, bedauere er.

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Fliegerei wird immer zum Leben gehören

Eines ist sicher, Pfeifer als leidenschaftlicher Sportler wird stets einen Ausgleich zum vielen Sitzen im Rathauschefsessel haben. „Sportliche Betätigung gehört seit jeher zu meinem Lebensrhythmus“, sagt Pfeifer, und zählt Bergradln, Joggen, Wandern und ausgedehnte Spaziergänge mit seiner Frau und der Labrador-Dame „Kessa“ auf. „Sicherlich wird die Fliegerei auch in irgendeiner Form weiterhin eine Rolle in meinem Leben spielen.“ Sein bisher größtes Hobby, die Politik, habe er sich nun zum Beruf gemacht.

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