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Höchststand von Toten und Unfällen in 2021

Neue Technik für die Bergwacht Chiemgau: So wollen die Retter vermisste Personen schneller finden

Das Übungs-Team: David Pichler, Max Fraunhofer und Dr. Christian Freund (kniend von links). Dr. Klaus Burger, Matthias Mitz, Tobias Pültz, Christian Partholl, Freek Wolter, Christian Zelzer, Michael Vierling, Christian Schmitz und Peter Kreuzer (stehend von links).
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Das Übungs-Team: David Pichler, Max Fraunhofer und Dr. Christian Freund (kniend von links). Dr. Klaus Burger, Matthias Mitz, Tobias Pültz, Christian Partholl, Freek Wolter, Christian Zelzer, Michael Vierling, Christian Schmitz und Peter Kreuzer (stehend von links).

Mit 34 Bergtoten und deutlich höheren Unfallzahlen verzeichnete die Bergwacht Chiemgau einen neuen Höchststand. Eine technische Neuerung lässt darauf hoffen, dass vermisste Personen rascher gefunden werden.

Chiemgau/Ruhpolding – Die ehrenamtlichen Retter der Bergwacht Chiemgau sind nicht zuletzt aufgrund der Rekordzahlen bei den Bergtoten im vergangenen Jahr stark gefordert. Um im Notfall professionell und rasch Hilfe leisten zu können, fand vor Kurzem in Ruhpolding eine groß angelegte Windenübung statt, bei der auch ein Training mit dem neuen Personensuchsystem absolviert wurde. Wegen schlechten Wetters konnte die Übung laut Bergewacht nicht komplett durchgeführt werden, habe aber wertvolle Erkenntnisse im Zusammenspiel der Beteiligten gebracht.

100 Einsätze mehr als üblich im Sommer

Bei ihrer Jahresversammlung jüngst berichtete die Bergwacht Chiemgau zuletzt über die Rekordzahl von 34 Bergtoten in der Region im Vorjahr und von deutlich steigenden Unfallzahlen in den Sommermonaten. 867 Mal mussten die ehrenamtlichen Bergretter 2021 ausrücken, davon 650-mal im Sommer. Das waren rund 100 Sommereinsätze mehr als im Vorjahr. „Diese Entwicklung verdeutlicht die Notwendigkeit einer schnellen und ganzjährigen Vermisstensuche in unwegsamem Gelände, wie sie der RECCO SAR-Helikopter-Detektor ermöglicht“, teilt die Bergwacht mit.

„Das RECCO Vermissten-Suchsystem ist seit 1. November 2021 scharf geschaltet“ , berichtete der Leiter der Bergwacht Chiemgau, Dr. Klaus „Nik“ Burger. „In Deutschland gibt es derzeit zwei Standorte, Sonthofen und Bad Reichenhall. Wir gehen davon aus, dass wir damit flächendeckend den bayerischen Alpenraum und ganz Bayern abdecken können. Bei entsprechender Anforderung stünden wir auch deutschlandweit zur Verfügung.“ Derzeit seien bayernweit zwanzig Operatoren der Bergwacht an dem neuen Gerät ausgebildet, die während der Suche im Helikopter mitfliegen und den Detektor bedienen. „Die Vorteile liegen klar auf der Hand“, so Burger. „Zum einen ermöglicht das Gerät eine ganzjährige Suche, zum anderen geht die Suche schnell – wir können innerhalb von sechs Minuten einen Quadratkilometer absuchen.“

Reflektor wirft Radarsignal zurück

Für eine erfolgreiche Suche muss der Vermisste einen so genannten RECCO-Rettungs-Reflektor bei sich führen, der das Radarsignal des Detektors zu dessen Empfänger zurückwirft. Diese Reflektoren sind leicht und klein, benötigen keine Stromversorgung und sind häufig in Outdoor-Kleidung oder anderen Ausrüstungsgegenständen wie Bergschuhen, Helmen, Klettergurten oder Rucksäcken vernäht. „Inzwischen sind die Reflektoren auch zum Nachrüsten erhältlich“, weiß Burger zu berichten. Sie sind bislang nur online über die Internetseite von RECCO erhältlich.

Polizei stimmt sich eng mit der Bergwacht ab

„Solche Übungen wie heute sind für uns sehr gewinnbringend und vor allem sehr wichtig, damit wir im Einsatzbetrieb zusammen mit der Bergwacht die Einsätze sicher und zügig durchführen können“, ergänzte Peter Kreuzer, Leiter Flugbetrieb der Polizeihubschrauberstaffel Bayern. „Davon hängen ja immer, wenn es hart auf hart geht, auch Menschenleben ab. Für den Einsatzerfolg ist ein gutes Zusammenspiel wichtig, weil selbst der beste Flieger und der beste Operator nur funktionieren, wenn sie aufeinander eingestimmt sind.“

Einsatzkräfte können in kurzer Zeit große Gebiete absuchen:

Seit Herbst 2021 sind an den Bergrettungswachen in Bad Reichenhall und Sonthofen zwei RECCO SAR-Helikopter-Detektoren stationiert. Das Ortungssystem zur Vermisstensuche wird von der Bergwacht Bayern in Zusammenarbeit mit der Polizeihubschrauberstaffel Bayern betrieben. Die 70 Kilogramm schweren Suchgeräte in der Form einer Boje senden und empfangen ein gerichtetes Radarsignal und werden an einem Stahlseil unter dem Helikopter angehängt. Damit können die Retter in kurzer Zeit große Gebiete nach vermissten, verirrten und Personen absuchen, die einen Unfall hatten. Das „Search And Rescue“ (SAR)-System ist laut Bergwacht eine Weiterentwicklung des seit 1983 existierenden RECCO-Lawinenrettungssystems und ermöglicht sommers wie winters die Personenortung in unwegsamem Gelände.

„Der Detektor wird mit einem Stahlseil am Haken des Hubschraubers befestigt“, erklärte Andreas Zenz, RECCO SAR Projektleiter der Bergwacht Chiemgau. Im Flug suche man dann hundert Meter breite Korridore ab. Wenn der Detektor ein Signal empfange, gebe er einen gut vernehmlichen Ton ab, den alle im Helikopter hören können. „Dann drehen wir eine Runde und grenzen die Suche in kleinere Bereiche ein.“ Sobald die Retter die Person geortet haben, sucht sich die Besetzung einen Landeplatz in der Nähe, um sie herauszulassen, oder sie setzt den Detektor ab, um sie in unwegsamem Gelände mit der Winde herablassen zu können. „Am Boden beginnt dann die Feinsuche mit einem Handgerät“, so Zenz.

RE

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