Ruhpolding: Das Leben der Tiroler Holzknechte in Bayern

Holzarbeiter auf Saison in Bayern: Eine Impression aus der neuen Sonderausstellung im Ruhpoldinger Holzknechtmuseum. Das Bild zeigt eines der Fotos von Josef Schöpf.
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Holzarbeiter auf Saison in Bayern: Eine Impression aus der neuen Sonderausstellung im Ruhpoldinger Holzknechtmuseum. Das Bild zeigt eines der Fotos von Josef Schöpf.

„Über Grenzen hinweg“: Eine Sonderausstellung im Ruhpoldinger Holzknechtmuseum zeigt Fotografien des Tiroler Bauernfotografen Josef Schöpf, der Anfang des 19. Jahrhunderts den Alltag von Tiroler Wanderarbeitern in Bayern festgehalten hat.

Ruhpolding – „Über Grenzen hinweg“ – so heißt eine neue Sonderausstellung im Holzknechtmuseum in der Laubau: Sie zeigt Leben und Arbeit der Holzknechte in Bayern, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus Tirol auch in die Region kamen. Die Basis dazu bildet das neue Buch des bei München lebenden Künstlers Willi Pechtl, „Wanderjahre. Ein Beitrag zur Geschichte der Fotografie im alpinen Raum“. Der zeitliche Rahmen reicht von 1840 bis 1915 und dokumentiert die Fotos von Wanderarbeitern, hauptsächlich aufgenommen vom Pitztaler Bauernfotografen Josef Schöpf (1886 bis 1915).

Das Thema Grenze rückt erneut in den Mittelpunkt

Im Holzknechtmuseum selbst zeigt man sich erleichtert darüber, dass die Foto-Schau nach der Zwangspause eröffnen konnte: „Fast hätten wir ja schon nicht mehr daran geglaubt. Nun sind die Grenzen auf und wir konnten unsere beiden Sonderausstellungen ins Land holen“, freuen sich die Organisatoren. „Der Kontakt kam zustande, weil ich Willi Pechtl von einigen Ausstellungs- und Museumsobjekten kenne“, erzählt Dr. Ingeborg Schmid, Leiterin des Holzknechtmuseums, zugleich selbst Tirolerin.

Sie beschreibt es als schicksalhaft, gerade in diesen Zeiten eine Ausstellung über Tiroler Wanderarbeiter in Bayern zu zeigen, zumal sie selbst wochenlang nicht über die bayerisch-tirolerische Grenze zurück nach Hause fahren konnte. So habe sich das am Jahresanfang festgelegte Ausstellungs-Motto „Über Grenzen hinweg“ in die aktuelle Thematik gefügt, ohne dass man dies damals ahnen konnte.

Er arbeitete selbst in den Wäldern

„Wir haben nun eine kleine, feine Ausstellung beisammen“, freut sich Schmid: „Von besonderem Wert erscheinen uns die Aufnahmen der Holzer, weil der Fotograf selber auch im Holz gearbeitet hat. Vor und hinter der Kamera wusste man also bescheid, worum es geht.“ Aus seiner Sammlung zeigt Pechtl Aufnahmen des Tirolers Josef Schöpf, der selbst mit anderen Holzknechten in verschiedenen Wäldern arbeitete.

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Schöpf stammte aus einer bitterarmen Familie. Im 29. Lebensjahr fiel er am 3. Mai 1915 im Ersten Weltkrieg in Tschechien. In seinem kurzen Leben arbeitete er als Flickschuster, Mesner und Fotograf, da er das Glück hatte, von der Witwe eines Fotografen den funktionstüchtigen Fotoapparat ihres Mannes zu erwerben.

Kinder, Kellnerinnen und Knechte

Trotz äußerst bescheidener Mittel sind seine Fotografien von höchster künstlerischer und volkskundlicher Qualität, die in einzigartiger Weise das Leben im Pitztal zur damaligen Zeit porträtieren.

Schöpfs Dokumentation ist eine Chronik der Vielfalt im Alltag, zum Beispiel das Errichten von Rindenhütten, die Wilderei und die Waldarbeit, der er von Kindesbeinen an vertraut war. Handwerker aller Art begegneten ihm und er hielt sie im Bild fest.

Auch Kinder, Kellnerinnen und Wirtinnen dokumentierte er mit Witz und Humor. Knapp 30 von Pechtl ausgearbeitete Fotografien werden im Ausstellungsraum im zweiten Stockwerk hinter spiegelfreiem Glas gezeigt.

Unter lautem Gepolter geht´s ins Tal

Ein Seh- und Hörvergnügen besonderer Art bietet auch ein Video von der Holzlieferung an einem eisigen Wintertag: In Einzelteile zerhackte Baumstammteile werden unter lautem Gepolter über den vereisten Weg ins Tal gerollt.

Zunächst unbemerkt von den Holzarbeitern wurde das Video von Inge Pechtl vor einigen Jahren aufgezeichnet.

Die sehenswerte Präsentation „Über Grenzen hinweg“ ist bis Ende Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr zu sehen, außer Montag. Anmeldung und Auskünfte sind unter der Telefonnummer 08663/639 zu haben.

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