RÜCKKEHRPROJEKTE FÜR FLÜCHTLINGE

Demba Tounkara will heim nach Afrika: Engagierte Priener helfen ihm, eine Existenz aufzubauen

Demba Tounkara hat bei Elektro Langl in Prien gelernt.
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Demba Tounkara hat bei Elektro Langl in Prien gelernt.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Demba Tounkara hat einen Traum. Er will in seiner Heimat im Senegal ein eigenes Elektro-Unternehmen gründen und europäische Sicherheitsstandards etablieren. Dafür verlässt er Deutschland wieder. Tounkara ist schon der fünfte Flüchtling aus Afrika, der in Prien gestrandet war und mit Unterstützung von Einheimischen in seine Heimat zurückkehrt, um sich dort etwas aufzubauen.

Prien/Senegal/Nigeria – Diese Rückführungsaktionen machen sich inzwischen als „Priener Modell“ einen Namen. Über Spendensammlungen werden Anschubfinanzierungen ermöglicht für Projekte, die im Dialog zwischen dem Flüchtling und seinen Helfern entwickelt werden – auf Augenhöhe.

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Das ist allen Beteiligten wichtig und findet sich auch im Vereinsnamen „Vision Yamale“ wieder. Yamale ist ein Begriff aus der afrikanischen Sprache Wolof und bedeutet „auf gleicher Augenhöhe miteinander in Beziehung sein“.

Vorzeigeprojekt „Prime am Kinze“

Nach dem großen Erfolg des ersten Rückkehrprojekts hatten die Unterstützer vom Chiemsee sich als Verein organisiert. 2017 war Babakar Segnane in sein Heimatdorf im Senegal zurückgekehrt. Inzwischen betreibt er ein Lokal, das er aus Dankbarkeit „Prime am Kinze“ nennt, bewirtschaftet mit zehn Mitarbeitern acht Hektar Land, züchtet Hühner und beliefert als Caterer das Krankenhaus in der Nähe.

Babakar Segnane war der erste Flüchtling, der mit Unterstützung aus Prien in seine Heimat zurückkehrte. Das Foto zeigt ihn vor seinem Lokal, „Prime am Kinze“.

Motiviert von dieser Erfolgsgeschichte folgten bald die nächsten Projekte. Zuletzt war im Oktober 2020 Doua Thiam in die senegalesische Hauptstadt Dakar zurückgekehrt. Mit seinen Erfahrungen aus der Branche hierzulande möchte er in seiner Heimat ein Reinigungsunternehmen auf die Beine stellen.

Doua Thiam will mit seinen Erfahrungen aus Bayern im Senegal eine Reinigungsfirma gründen. Er will Mitarbeiter ausbilden und Arbeitsplätze schaffen.

Schon viel weiter ist Felix Fred. Er hatte nach seiner Flucht 2015 in Prien schnell als Schweißer Fuß gefasst, dann aber eine Arbeitserlaubnis verloren. Schließlich wurde sein Asylantrag abgelehnt. Engagierte Vereinsmitglieder von Vision Yamale entwickelten mit Fred einen Projektplan zur Existenzgründung in Benin City.

Dort hat sich der Nigerianer inzwischen als Kunstschmied einen Namen gemacht. Der Laden läuft. Fred habe gerade zugesagt, einen Landsmann als Schweißer unter seine Fittiche zu nehmen, der aus dem Landkreis Rosenheim gerade erst in seine Heimat abgeschoben worden ist, berichtete Fussell im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Felix Fred hat dank der Anschubhilfe aus Prien in seiner Heimat als Kunstschmied Fuß gefasst. Das Bild zeigt ihn (links oben) mit zwei Helfern bei der Arbeit.

Autowerkstatt in Nigeria

Efe Osas schließlich schaffte es mit Priener Vermittlung, dank Fördergeldern, in Nigeria ein kleines Grundstück zu kaufen, auf dem er seit einigen Monaten seine eigene Autowerkstatt betreibt. Den Beruf hatte er schon vor seiner Flucht nach Europa gelernt. Ohne den „Umweg“ hätte er den Weg in die Selbstständigkeit wohl nie geschafft.

Efe Osas konnte sich ein Grundstück für seine Autowerkstatt kaufen.

Nun also ist Demba Touankara auf dem Sprung. Nach den Abschlussprüfungen am Ende seiner Elektrikerlehre bei der Firma Langl will er baldmöglichst hoam nach Afrika. Seine Familie hat er seit fünf Jahren nicht gesehen. Im Herbst, kurz vor dem zweiten Lockdown, hatte Vereinsvorsitzende Helke Fussell und ihre Mitstreiter noch bei einem Vortrag im evangelischen Gemeindezentrum um Unterstützung geworben.

Denn ohne Spenden wären die Rückkehrerprojekte kaum möglich. Als Touankara schilderte, wie gefährlich Elektro-Installationen in seiner Heimat oft seien und das er das ändern will, hatten einige Zuhörer spontan die Patenschaft für mehrere Werkzeuge übernommen, die der Senegalese in seiner Heimat sehr gut brauchen kann. „Das ist eine Mission für mich“, hatte Tounkara für seinen Traum geworben. Wenn er wieder zuhause ist, möchte er quasi im Austausch seinen Sohn zur Ausbildung nach Prien schicken.

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„Es fehlt noch Startkapital“, beschreibt Fussell den Status quo des aktuellen Projekts. „Dann kann er selber sein Business aufbauen.“ Der Verein hat dank seiner Aktivitäten inzwischen gerade im Senegal und in Nigeria schon Netzwerke zu Institutionen geknüpft, die vor Ort helfen können.

Daheim in Prien haben sich aus dem Kreis der Mitglieder Projektgruppen gebildet, die trotz aller Corona-Hürden die Kontakte zu den Ex-Flüchtlingen halten und mit Rat und Tat helfen, wenn sie gebraucht werden. Zoom-Konferenzen zwischen Prien und Dakar oder Benin-City sind in diesen Zeiten keine Seltenheit.

„Es braucht menschliche Nähe“

„Es braucht menschliche Nähe und Pragmatismus“, hat Fussell aus den bisherigen Erfahrungen gelernt, woran der Erfolg der Arbeit von Vision Yamale im Wesentlichen hängt. Von Prien aus soll diese Art von Flüchtlingsarbeit Schule machen. Die Idee für eine Roadshow zur Präsentation liegt schon in der Staatskanzlei in München, verrät Fussell.

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