Rückbesinnung auf Gutes aus der Region: Corona beschert Direktvermarktern Aufwind

Die Projektmanagerinnen Stefanie Adeili (links) und Irmengard Prankl (rechts) präsentieren mit Agnes Pfeiffenthaler vom Hofladen Alchemilla, regionale Bioprodukte, die auch in die Genusskiste der Ökomodellregion kommen.
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Die Projektmanagerinnen Stefanie Adeili (links) und Irmengard Prankl (rechts) präsentieren mit Agnes Pfeiffenthaler vom Hofladen Alchemilla, regionale Bioprodukte, die auch in die Genusskiste der Ökomodellregion kommen.
  • Silvia Mischi
    vonSilvia Mischi
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Das Gute und Schöne vor der Haustür hat in der Region gerade seit den Corona-Beschränkungen mehr und mehr an Wert gewonnen. Regionale Produkte und Herstellung sind im Trend. Jetzt hat es der Verbaucher in der Hand.

Bad Feilnbach – Zugleich bietet die Bevorzugung regionaler Lebensmittel die Chance, Kindern und Jugendlichen Zusammenhänge zum Nahrungskreislauf, zur Herkunft der Lebensmittel, zum Klimaschutz und zur Fruchtvielfalt im Verlauf der Jahreszeiten zu vermitteln. Studien zeigen, dass Verbraucher unter einer Region meistens entweder den Großraum um ihre Stadt herum verstehen oder die Region auf ihr Bundesland beziehen.

Vernetzung als erster Schritt zur besseren Vermarktung

Und genau hier setzt die Arbeit von den beiden Projektmanagerinnen Stefanie Adeili und Irmengard Prankl in der Ökomodellregion Hochries-Kampenwand-Wendelstein an. Sie haben sechs große Ziele, die alle eines gemeinsam haben: regionale Produkte und die heimische Landwirtschaft in den Fokus rücken, den Verbraucher für nachhaltigen Einkauf sensibilisieren sowie den Absatz der Produkte fördern.

Verkauf nicht nur ab Hof

„Gerade die Corona-Pandemie zeigt uns, dass die Menschen vermehrt auf Regionalität setzen. Direktvermarkter stehen so hoch im Kurs, wie schon lange nicht mehr“, betonen Adeili und Prankl. Die beiden wollen in mehr und mehr Verkaufsstellen die Produkte der Region anbieten. „Neben festen Regionaleinkaufsmärkten wie in Prien und Sachrang, den einmal pro Wochen stattfindenden grünen Marktständen sollen die Lebensmittelauch Einzug in die Supermärkte halten. Die Frasdorferin und Rimstingerin wollen aber noch mehr. Sie wollen erreichen, dass durch gezielte Vernetzung und Unterstützung der Vermarkter und Anbauer das Potenzial der Region noch besser genutzt wird.

Gemeinden von Bad Feilnbach bis Samerberg damei

„Maßgeblich ist die Stärkung für die Zukunftsfähigkeit der Betriebe durch Umstellung auf Bio und/oder Diversifizierung zum Erhalt der kleinräumigen landwirtschaftlichen Strukturen ebenso ein Baustein unserer Arbeit und der Vision der Ökomodellregion“, so Adeili. Ein positiver Nebeneffekt dabei sei quasi der Erhalt der Kulturlandschaft, Gewässerqualität und Biodiversität durch Steigerung der ökologisch bewirtschafteten Fläche. Hier kommt es nach Angaben der beiden Projektmanagerinnen auf zwei Faktoren an: Bewusstseinsbildung für die Verbraucher zur Verbesserung des Images der Landwirtschaft und der Wertschätzung der Lebensmittel – samt ihrer Preise.

Eine von 27 Regionen in Bayern

„Wir wollen hier Wertschöpfungsketten durch Integration von heimischen Bio-Produkten schaffen“, so Plankl und setzt zugleich auf die Erhöhung des Stellenwerts der Bio-Landwirtschaft innerhalb der Kommunen. Aschau, Bad Aibling, Bad Feilnbach, Frasdorf, Raubling, Rohrdorf, Samerberg umfasst die Öko-Modellregion Hochries-Kampenwand-Wendelstein. Sie ist eine von bayernweit 27.

Stellenwert der Bio-Landwirte erhöhen

Das Gebiet erstreckt sich entlang der drei Berge Hochries, Kampenwand und Wendelstein und verläuft teils entlang der Grenze zu Österreich. „Diese Vielfalt ist etwas Besonderes in unserem Zuständigkeitsgebiet“, so Plankl. So gebe es Berge, Flüsse, Moore und Seen sowie die Bewirtschaftung von Almen, Grünlandflächen, Streuobstwiesen und Wäldern. „Dies ergibt eine einzigartige Natur- und Kulturlandschaft. Die malerische Landschaft, die gelebten alpenländischen Traditionen und die zahlreichen Freizeit- und Gesundheitsangebote sorgen für eine überregionale Strahlkraft und ziehen Touristen, Erholungssuchende und ArbeitnehmerInnen an“, ergänzt Adeili. In der Öko-Modellregion sind bereits 20 Prozent der Betriebe Bio-zertifiziert.

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Viele Betriebe halten Milchvieh und bewirtschaften Streuobstwiesen und Waldflächen. Außerdem: Viele Betriebe diversifizieren sich und bieten zum Beispiel „Urlaub auf dem Bauernhof“ an, oder vermarkten ihre Produkte selbst. Bad Feilnbach, Samerberg und Prien seien hier vorne dran. Dort gibt es entsprechende Regionalmärkte und Zugpferde, die die Modellregion und die Zusammenarbeit „anschubsen“. Die beiden Projektmanagerinnen wollen den Ausbau der ökologischen Landwirtschaft im Modellgebiet um mittelfristig um fünf Prozent und langfristig um zehn Prozent steigern.„Dazu sind wir bei den Landwirten und Erzeugern vor Ort und informieren über Möglichkeiten, Förderstellen und und und“, so Adeili weiter. Man fungiere als Schnittstelle, Berater und Koordinator zugleich. Eine bereits erfolgreiche und sichtbare Erfolgsgeschichte ist die Genusskiste – ein Korb mit regionalen Produkten (mindestens 50 Prozent aus biologischem Anbau). Diese ist bestellbar und auch als Mitbringsel et cetera zusammenstellbar. Durch die gemeinsamen Sammellogos als Bierfuizl wirbt die Kiste zugleich für die Vision der Ökomodellregion.

Gastronomie und Verbraucher sind gefragt

Streuobstwiesen-Führungen, Themenwanderungen, um das Naturverständnis zu erhöhen, und Erlebnistage sollen überdies den Verbraucher mit ins Boot holen. „Denn dieser hat es letztendlich mit seinem Einkaufverhalten in der Hand, ob die heimischen Erzeugnisse auf den Tellern landen“, so Adeili und Prankl. Auch dass die Gastronomie in der Region vermehrt auf heimische Erzeugnisse setze, sei ein weiteres Ziel.

Entstehung, Förderung und Unterstützung

Die Öko-Modellregionen sind ein Baustein des Landesprogramms „BioRegio 2020“, das das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 2013 ins Leben gerufen hat. Es ist zentrales Element der gleichnamigen Initiative der Bayerischen Staatsregierung. Im Rahmen des Landesprogramms „BioRegio 2020“ wurden drei Wettbewerbe „Staatlich anerkannte Öko-Modellregionen in Bayern“ ausgerichtet, bei denen sich Gemeindeverbünde mit innovativen Projekten und Konzepten zur Stärkung des ökologischen Landbaus entlang der gesamten Wertschöpfungskette als Öko-Modellregionen bewerben konnten.

Das Ziel ist dabei die Einbindung der Kommunen, Verbraucher und anderer lokaler Akteure in den Ausbau des ökologischen Landbaus der Region, um mehr Bewusstsein für den ökologischen Landbau und seinen Beitrag für eine nachhaltige Regionalentwicklung zu bilden. Aus den drei Wettbewerbsrunden 2013, 2014 und 2018 gingen insgesamt 27 Gemeindeverbünde hervor, die im April 2014, Mai 2015 und im Mai 2019 als „Staatlich anerkannte Öko-Modellregionen“ ausgezeichnet wurden. Die ersten Öko-Modellregionen sind bereits seit 2014 operativ, die jüngsten seit 2019.

Mit der Ernennung zur „Staatlich anerkannten Öko-Modellregion“ werden die erfolgreichen Bewerberregionen von der Bayerischen Staatsregierung auf vielfältige Weise unterstützt: Finanziell wird das jeweilige Projektmanagement in den Öko-Modellregionen von den Ämtern für Ländliche Entwicklung zu 75 Prozent gefördert, 25 Prozent tragen die Gemeindeverbünde selbst. Die Projektmanager in den Öko-Modellregionen werden zudem fachlich und organisatorisch unterstützt. Für die Landwirtschaftsverwaltung wird dies bayernweit durch das Kompetenzzentrum Ökologischer Landbau an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) gewährleistet. Für die Ländliche Entwicklung liegt die Zuständigkeit beim Bereich Zentrale Aufgaben der Bayerischen Verwaltung für Ländliche Entwicklung (BZA). Eine enge, regionale Zusammenarbeit gibt es außerdem auch mit den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, den dort angesiedelten Fachzentren Ökologischer Landbau und Ernährung/Gemeinschaftsverpflegung sowie den Ämtern für Ländliche Entwicklung. Die Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ) und die in ihr organisierten Öko-Landbauverbände (Bioland, Naturland, Demeter, Biokreis) unterstützen die Öko-Modellregionen ebenso.

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