„In Ruapading werd’s nia langweilig“

Nach zwölf Jahren endet die Dienstzeit von Claus Pichler als Bürgermeister von Ruhpolding. Er war der 18. Bürgermeister in der langen Reihe der Gemeindeoberhäupter. Burghartswieser

Am 30. April endet nach zwölf Jahren die Dienstzeit von Claus Pichler als Ruhpoldinger Bürgermeister.

Ruhpolding - Es ist üblich, dass der Rathauschef einmal im Jahr seinen Rechenschaftsbericht im Rahmen einer Bürgerversammlung ablegt, und dieser Pflicht wollte sich Claus Pichler nicht entziehen.

Aufgrund der momentanen Situation war es aber nicht möglich eine Bürgerversammlung abzuhalten und so wurde in Absprache mit der Kommunalaufsicht sein Jahresresümee auf der Internetseite der Gemeinde veröffentlicht. Zudem stand er in einem persönlichen Telefongespräch Rede und Antwort.

„In Ruapading werd’s nia langweilig“, so Pichler zu Beginn des Gesprächs. Das lässt sich nicht nur auf das Jahr 2019 beziehen, sondern sicher auch auf seine Zeit als Gemeindeoberhaupt. Zunächst stellte er aber die Kommunalwahlen 2020 in den Fokus seines Rückblicks, bei der es auch im Gemeinderat zu einigen Änderungen kommt.

So scheidet der Mandatsträger Sepp Konhäuser (SPD) nach 30 Jahren aus dem Gremium aus. Hermann Feil (CSU, jetzt parteilos) habe sich 18 Jahre, davon sechs Jahre als Dritter Bürgermeister, und Dr. Ulrike Pfeifer (VRB) zwölf Jahre, davon sechs Jahre als Zweite Bürgermeisterin, kommunalpolitisch engagiert. Ebenfalls ausscheiden werden nach sechs Jahren Johannes Stief (SPD) und Birgit Schmid, die etwas über drei Jahre zunächst für die SPD als Nachrückerin in den Gemeinderat einzog und danach zur VRB wechselte. „Leider ist derzeit eine Verabschiedung in dem gebotenen Rahmen nicht möglich“, bedauerte Pichler.

Neben der vielen Veranstaltungen im Jahresverlauf stellte er die der Schule he raus. „In unserer Schule konnte erstmals auch eine offene Ganztagsschule für alle Grundschulklassen eingerichtet werden“, so der scheidende Rathauschef.

In seinen Betrachtungen würdigte er die Rettungsorganisationen, besonders die ehrenamtlichen Jugend-, Familien-, Senioren- und Behindertenbeauftragten der Gemeinde, für ihr ehrenamtliches Engagement. „Diese bilden die Grundlage, dass Menschen, die in Not geraten sind, schnell und wirkungsvoll geholfen werden kann“.

Blicke man auf die Entwicklung der Gemeindefinanzen, so zeige sich ein erfreuliches Bild, meinte Pichler. So hätten die Einnahmen durch Steuern und Zuweisungen im Verwaltungshaushalt nochmals deutlich zugenommen und bei der Zuführung zum Vermögenshaushalt wurde mit 2,3 Millionen Euro ein Rekordergebnis erzielt.

„Die Investitionen konnten mit sieben Millionen Euro auf sehr hohem Niveau gehalten werden, wobei der Löwenanteil für Tiefbaumaßnahmen im Bereich Straßenbau und Wasserversorgung ausgegeben wurde.“ In diesem Zusammenhang bezeichnete er die Wasserversorgung West als „Mehrjahresprojekt, das durch intensiven Leitungsbau und die Erstellung mehrerer Hochbehälter vorangetrieben werden konnte“.

„Der Tourismus als unser wichtigster Wirtschaftszweig konnte nach einer eher stagnierenden Phase einen deutlichen Wachstumsschub im Jahr 2019 verzeichnen“, sagte Pichler in dem Gespräch. Dies würden auch die Zahlen beweisen, denn im abgelaufenen Tourismusjahr könne bei 680 205 Übernachtungen ein Plus von 11,8 Prozent und bei den 144 091 Gästeankünften ein Zuwachs von 17,3 Prozent verzeichnet werden. „Diese Steigerung ist vor allem auf die Neueröffnung des aja-Hotels zurückzuführen, wobei die weiteren Eckdaten, wie etwa die Auslastung unserer touristischen Betriebe, ebenfalls sehr positiv zu bewerten sind“. Nach weiteren angesprochenen Themen ging der Bürgermeister noch auf die Corona-Krise ein, die „auch für die Wirtschaft in unserem Tal eine große He rausforderung darstellt“. Darum habe die Gemeinde versucht, die ihr möglichen Hilfen zu gewähren.

„Die kommenden Wochen und Monate werden aber erst zeigen, wie stark unsere Betriebe von der Krise betroffen sind“. Er appellierte dafür, dass unabhängig von den staatlichen Hilfen alle versuchen sollten, einen Beitrag zu leisten, um die Gastronomie, den Einzelhandel und das Gewerbe vor Ort zu unterstützen, sei es durch Nutzung der angebotenen Liefer- und Abholdienste oder durch Kauf von Gutscheinen von örtlichen Betrieben. „Je mehr wir uns für die Gewerbetreibenden in Ruhpolding engagieren, desto größer ist die Chance, dass wir gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen“.

Letztlich sagte er: „Ich habe die Aufgabe als Bürgermeister in meinem Heimatort immer als große Ehre empfunden“.

Er sei dankbar für alles, was in den vergangen zwölf Jahren erreicht und geschaffen werden konnte. Deshalb beziehe er in den Dank alle mit ein, die ihn in seinen Bemühungen unterstützt haben. Außerdem betonte er, dass ihm der Kontakt zu „unseren Bürgerinnen und Bürgern“ immer wichtig war. „Dies alles war nur möglich durch das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde“.

Dem neuen Gemeinderat und seinem Nachfolger Justus Pfeifer wünschte er einen guten Start und viel Erfolg bei dem Bemühen, dem Allgemeinwohl zu dienen. „Der Ruhpoldinger Dorfgemeinschaft wünsche ich viel Gesundheit und Gottes Segen“, sagte er am Ende des Gesprächs. hbw

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