Neue Maßnahmen treten in Kraft

Rote Ampel nun auch im Landkreis Traunstein: Corona-Inzidenzwert bei 59,8

  • Heidi Geyer
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Nun hat es auch den Landkreis Traunstein erwischt: Das RKI meldet am Donnerstag, 22. Oktober, einen Inzidenzwert von 59,8. Was jetzt auf die Bürger zukommt und warum Landrat Walch die Diskussionen nicht versteht.

Traunstein – In den Landkreisen Berchtesgaden und Rosenheim wurde der Inzidenzwert bereits gerissen: Nun hat auch Traunstein den Schwellenwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner überschritten. „Es war nur eine Frage der Zeit, bis es auch den Landkreis Traunstein trifft angesichts des Infektionsgeschehens in Oberbayern“, sagte Michael Reithmeier, Sprecher des Landratsamts Traunstein.

Weder Superspreader noch Hotspots

Die aktuellen Fallzahlen des Landratsamts Traunstein vom Donnerstag.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Donnerstagmorgen, dass Traunstein den Grenzwert von 50 mit einer Inzidenz von 59,8 überschritten hat.

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„Entsprechend des Stufenplanes der bayerischen Staatsregierung setzen wir nun die Maßnahmen der Stufe rot um“, so Reithmeier. Diese gelten, bis der Signalwert mindestens sieben Tage lang unterschritten wurde. Der Inzidenzwert für das Bundesland Bayern lag am Donnerstag, 22. Oktober laut RKI bei 61,34. Somit unterschreitet der Landkreis noch den Wert des Freistaats.

Neun Patienten auf Normalstation

Das Infektionsgeschehen sei diffus, könne nicht bestimmten Regionen zugeordnet werden und sei auch nicht durch einen „Superspreader-Event“ begründet, sagte der Sprecher. „Die ermittelten Fälle kommen aus den Kontaktpersonennachverfolgungen bekannter positiver Fälle sowie aus dem privaten, familiären und beruflichen Umfeld“, so das Landratsamt in einer Pressemitteilung. Derzeit werden nach Behördenangaben neun Patienten auf der Normalstation des Klinikums Traunstein versorgt, vier mehr als am Vortag. „Wir rechnen damit, dass auch die Kliniken bald mehr Corona-Fälle versorgen müssen“, so der Sprecher.

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Neu ist im Vergleich zur gelben Warnstufe, dass ab „Rot“ auch schon Grundschüler den Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Sabine Röhr, Rektorin der Grund- und Mittelschule Chieming, hat inzwischen schon eine gewisse Corona-Routine entwickelt: „Ich beschäftige mich seit Wochen damit, wie wir den Mindestabstand einhalten können und habe entsprechend eingeteilt. Für uns kommt das nicht überraschend.“

Grundschüler müssen Maske tragen

Die Maskenpflicht auch für die Kleinen mache ihre keine Sorge, denn die Schüler seien bei diesem Thema sehr entspannt, sogar entspannter als die Erwachsenen, meint die Rektorin. „Die Kinder weisen sogar uns Lehrer oft darauf hin, wenn die Maske mal verrutscht ist“, sagt Röhr.

Landrat warnt vor Anstieg

Landrat Siegfried Walch hatte in seiner Videobotschaft am Dienstag, 20. Oktober, bereits eindringlich an die Bürger appelliert, sich an die Corona-Maßnahmen zu halten. Walch zeigte sich entnervt über die Gegner der Corona-Maßnahmen: „Ich verstehe die Diskussion ehrlich gesagt nicht. Wenn wenig Fälle sind, sagt jeder, es brauche keine Einschränkungen. Wenn viele Fälle sind, sagt jeder ‚ja hätten wir bloß früher.‘“ Es gelte exponentielles Wachstum so früh wie möglich zu verhindern.

Die Schutzmaßnahmen im Landkreis im Detail

Ein Teil der Schutzmaßnahmen bestand schon in den vergangenen Tagen. Fett Markiert sind daher die Änderungen von Stufe „gelb“ zu „rot“.

Es besteht zwingende Maskenpflicht

  • auf Begegnungs- und Verkehrsflächen (Fahrstühle, Flure, Kantinen und Eingänge) von öffentlich zugänglichen Gebäuden,
  • auf Begegnungs- und Verkehrsflächen der Arbeitsstätte sowie für den Arbeitsplatz, soweit der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht zuverlässig eingehalten werden kann,
  • an allen Schulen für alle Jahrgangsstufen, auch am Platz.
  • sowie für Zuschauer bei sportlichen Veranstaltungen sowie auf Tagungen, Kongressen, Messen und in Freizeit- und Kulturstätten (Theatern, Kinos und sonstigen Bühnen) auch am Platz.
  • Gastronomie: Sperrstunde von 22 Uhr bis 6 Uhr. Ab 22 Uhr kein Alkoholverkauf mehr an Tankstellen und sonstigen Verkaufsstellen. Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen ab 22 Uhr.
  • Private Feiern (insbesondere Hochzeit, Geburtstage oder ähnliche Feierlichkeiten) und Kontakte im öffentlichen und privaten Raum (auch in der Gastronomie) werden auf zwei Hausstände oder maximal fünf Personen begrenzt
  • Besuchsbeschränkung für Krankenhäuser, Reha-Einrichtungen, Alten- und Pflegeheime sowie Seniorenresidenzen: Für jeden Patienten/Bewohner ein Besucher pro Tag, bei Minderjährigen dürfen beide Erziehungsberechtigte zu Besuch kommen.
  • Feste Gruppen und Maskenpflicht für Personal in Kindergärten und Einrichtungen für Kindertagesbetreuung

Das gilt in der Stadt Traunstein

Die Besucher des Bauern- und des Wochenmarkts sind angehalten, ihre Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. Nachdem auf dem Bahnhofs- und Maxplatz bereits ein Alkoholverbot ab 22 Uhr gilt, wird dies nun für den Stadtplatz erweitert. Besuche im Rathaus sind weiterhin nur mit Terminvereinbarung möglich. Die Energieberatung entfällt bis auf Weiteres. Das Bürgertelefon der Stadt Traunstein ist ab sofort wieder unter der Telefonnummer 0861/65700 erreichbar. Die städtischen Schulen verleihen Geräte, die Schüler für den digitalen Unterricht zuhause nutzen können.

Ab Montag, 26. Oktober, können Geräte an der Ludwig-Thoma-Grundschule, der Grundschule Haslach und der Franz-von-Kohlbrenner Mittelschule ausgeliehen werden. Die Traunsteiner Turnhallen bleiben vorerst für die Vereine geöffnet. Auch die Veranstaltungen im Kulturforum Klosterkirche finden nach derzeitigem Stand statt. Dies betrifft auch die städtische Galerie, die Bücherei, die Musikschule und den Jugendtreff, deren Hygienekonzepte weiterhin Bestand haben.

Rubriklistenbild: © Klinger/OVB

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