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Zu wenig Maßnahmen für Behinderte?

Rollstuhlfahrer Sepp Höck gerät in Prien in Park-Dilemma

Das Foto zeigt die nachgestellte Szene, wie Sepp Höck, im Rollstuhl sitzend, versucht, das Strafmandat zu erreichen. Wastl
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Das Foto zeigt die nachgestellte Szene, wie Sepp Höck, im Rollstuhl sitzend, versucht, das Strafmandat zu erreichen.
  • VonKarl Wastl
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Eigentlich wollte er nur parken. Weil er mangels Behindertenplatz im Halteverbot stand, bekam Sepp Höck einen Strafzettel in Prien, der noch dazu für ihn unerreichbar auf der Windschutzscheibe hing. Tut der Ort zu wenig für behinderte Menschen?

Prien – Es ist Montagvormittag: Sepp Höck ist in Prien auf der Suche nach einem Parkplatz. Genauer gesagt, einem Parkplatz für Rollifahrer. Höck ist aufgrund eines Behandlungsfehlers seit zwei Jahrzehnten in einem Rollstuhl gefesselt. Die Suche nach einer passenden Abstellmöglichkeit seines Autos gestaltet sich schwierig, weist die Wendelsteinstraße an ihrer südlichen Seite drei unterschiedliche Parksituationen auf. Außerdem hat der 57-Jährige einen Termin, den er unbedingt einhalten möchte.

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Der einzige in der Nähe verfügbare behindertengerechte Parkplatz war von einem anderen Wagen besetzt, berichtet Höck im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Dann gab es noch ein eingeschränktes Halteverbot, das ein Paketdienstleister zum Erledigen seiner Arbeit nutzte, so Höck.

Einen einzigen Behindertenparkplatz gibt es an der Wendelsteinstraße.

„Menschlichkeit und guter Willen?“

In Anbetracht seiner Eile stellte er sich hinter den gelben Wagen, wohlweislich dass es sich um ein Halteverbot handelte. „Mein Auto habe ich mit zwei Behindertenausweisen sowie dem eines Rollstuhlfahrers gekennzeichnet“, so Höck. Ihm sei klar, dass er verkehrswidrig geparkt hatte, „aber mit etwas Menschlichkeit und guten Willen hätte man vielleicht einen Konsens finden können“, kritisiert er den Kommunalen Zweckverband Oberland.

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„Ich brauche mehrere Minuten zum Aussteigen, Rollstuhlpräparieren und Wegfahren brauche“, erklärt Höck. Sein Termin dauerte jedoch nur fünf Minuten. Bei seiner Rückkehr erkannte der Rollifahrer einen Parkwächter, der gerade ein Ticket für eine Ordnungswidrigkeit vorbereitete.

„Ich habe ihm erklärt, dass es sich um mein Fahrzeug handle und ich zum Zeitpunkt meiner Ankunft keine andere Möglichkeit zum Parken vorfand, so der Rollifahrer verzweifelt, „und er soll mir doch bitte sagen, wo ich hätte parken können“. Blöderweise sei der Behindertenparkplatz mittlerweile wieder frei gewesen. Höck erhielt den Hinweis, dass er im absoluten Parkverbot stehe und erhielt einen Strafzettel.

„Ich hatte einfach das Gefühl, dass den Parkwächter meine Misere gar nicht interessiere“, so der Bittsteller deprimiert. Dabei sei das Ein- und Aussteigen für Rollifahrer äußerst schwierig und zeitaufwendig. Er habe dann sein Auto geöffnet, den Rollstuhl eingezogen.

Strafzettel nicht greifbar

Nach dem Procedere war der Ordnungshüter ohne ein weiteres Wort verschwunden und der Strafzettel winzig zusammengerollt im Scheibenwischer eingeklemmt gewesen.Unerreichbar für Höck, denn von seinem Rollstuhl aus konnte er den Zettel unmöglich erreichen, sagt Höck.

Auf Anfrage bei der Polizei Prien wurde unserer Zeitung von PHK Wolfgang Schlemer erklärt, dass es auch Menschen mit Sonderparkerlaubnis nicht erlaubt sei, im Halteverbot zu parken. Die Behindertenbeauftragte der Marktgemeinde Prien, Gabriele Schelhas, sieht momentan in Sachen „Schaffung von Behinderten-Parkplätzen“ auch noch Luft nach oben. Es sollten tatsächlich mehr und breitere Rolli-Parkplätze an neuralgischen Plätzen geschaffen werden. Martin Plenk vom Ordnungsamt im Priener Rathaus verwies an den Zweckverband Kommunales Dienstleistungszentrum Oberland in Bad Tölz. Eine Anfrage blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet. Höck wünscht sich, dass man ab und an über den „Tellerrand“ hinausschauen könne.

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