Dank Priener Verein „Leben mit Handicap“ werden Rollstuhlfahrer jetzt mit dem Radl kutschiert

Für den Fahrer ist es nicht die allerleichteste Übung,dafür hat der Passagier umso mehr Freude. Betreuer Max Hausmann und Rollstuhlfahrer Andi Rappel demonstrieren das neue und zur Einweihung festlich dekorierte Spezialfahrrad. detzel

Erfunden haben es – wie könnte es anders sein – die Holländer. Aber dank großzügiger Spender haben jetzt auch Priener Rollstuhlfahrer ihre Freude an dem Spezialfahrrad, das der Verein „Leben mit Handicap“ für die Wohnanlage für Menschen mit Behinderung gekauft hat.

Prien– Spaß hat er. Das kann Andi Rappel zwar nicht in Worte fassen, aber seine Körperhaltung, Mimik und Äußerungen lassen keinen Zweifel daran. Mit wenigen Handgriffen hat ihn sein Betreuer Max Hausmann zuvor mitsamt Rollstuhl auf die Rampe vorne am Radl geschoben und mehrfach gesichert. Sonst tragen beide freilich Fahrradhelme, für die kurze Strecke die Stauden rauf und runter haben sie darauf verzichtet. Eine kleine Demonstrationsfahrt ist es. Die Spender sollen sehen, dass sie in etwas Sinnvolles investiert haben, das echte Freude bringt.

Zwar, so verrät Günther Bauer als Vorsitzender des Vereins „Leben mit Handicap“, besteht zum Kaufpreis von 10 070 Euro noch eine Investitionslücke von 1000 Euro. Aber die wurden kurzerhand aus der Vereinskasse vorgestreckt. „Das Radl musste ja im Sommer her“, erklärt er. Und die kurze Zeit, die es schon da ist, wurde es bereits „intensiv hergenommen“.

Nachdem er in Handyvideo gesehen hatte, wie Andi Rappel das erste Mal auf so einem Gefährt mitfährt und „ganz offensichtlich riesigen Spaß hat“, hatte Bauer den inoffiziellen Spendenaufruf gestartet – mit großem Erfolg.

Besagtes Video war in Altenmarkt aufgenommen worden. Das dortige Lebenhilfe-Wohnheim hat nämlich auch so ein Rad. Darauf war Max Hausmann bei seiner Recherche im Internet gestoßen, als er nach Möglichkeiten gesucht hatte, wie er mit seinem Schützling Andi auf den Berg kommt. Ein Betreuer-Kollege fuhr mit Andi zur Testfahrt nach Altenmarkt. Danach stand fest: So ein Fahrzeug muss her, zum Wohle aller Rollstuhlfahrer in der Wohnanlage.

„Ich schätze mal, es ist der Rausch der Geschwindigkeit, den sie ja sonst nie so direkt erleben“, mutmaßt Bauer. Jedenfalls seien alle bisherigen Mitfahrer „schwer begeistert“ gewesen.

Eine Einweisung und etwas Übung brauchen die Fahrer schon, erklärt Betreuer Max. Ordentlich schwer ist das Spezialfahrrad, der Schwerpunkt ist durch den Passagier weit vorne, und nicht jeder Radweg ist breit genug.

Nichts für auf den Berg, aber für den See

Den Berg hinauf, das war ja sein Anliegen, wird er mit der Neuanschaffung jedoch nicht treten – elektrische Unterstützung hin oder her. Aber an den Chiemsee oder auf kleine Einkaufstouren, das geht gut. Eines sei dabei gewiss: „Wenn wir unterwegs sind, ernten wir viele Blicke.“

Etwas Kopfzerbrechen bereitet hat die Besonderheit des Spezialfahrrads dem evangelischen Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth. Darum gebeten, die Segnung vorzunehmen, musste er feststellen, dass es keine Vorlage für die Einweihung eines solchen Gefährts gibt. „Wie kriege ich nur die heilige Kurve?“, rätselte der Pfarrer. Er kriegte sie und dankte in einem Gebet, dass es Menschen gibt, die dank ihres Erfindungsreichtums dazu beitragen, dass andere Glück und Freude erleben dürfen, aber auch Menschen, die gerne bereit sind, dafür eine Spende zu geben.

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