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Archäologen am Werk

Überraschende Funde: Was den Saal-Neubau des Gasthauses Kampenwand in Bernau ins Stocken brachte

Die neuen Pächter des Gasthauses Kampenwand in Bernau, Matthias Eberl und Philipp Killermann (rechts), freuen sich über die bedeutsamen Funde aus der Römerzeit.
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Die neuen Pächter des Gasthauses Kampenwand in Bernau, Matthias Eberl und Philipp Killermann (rechts), freuen sich über die bedeutsamen Funde aus der Römerzeit.
  • Oliver Lang
    VonOliver Lang
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Eigentlich sollte am Gasthaus Kampenwand in Bernau nur ein neuer Saal gebaut werden. Doch schon nach wenigen Zentimetern war Schluss mit den Baggerarbeiten. Seither sind Pinsel und Kelle gefragt - weil die Archäologen übernommen haben. Was dahintersteckt und was die neuen Pächter dazu sagen.

Bernau – Vor rund drei Wochen begannen auf der Ostseite des Gasthauses Kampenwand inmitten von Bernau lange geplante Umbaumaßnahmen. Bereits vor zwei Jahren wurde der alte, in die Jahre gekommene Festsaal abgerissen. Im Auftrag des Grundstückseigentümers, der Rosenheimer Brauerei Auerbräu, soll hier nun ein neuer und moderner Festsaal mit Bühne entstehen, der bei voller Bestuhlung Platz für 199 Besucher bietet.

Fragmente aus der Römerzeit

Doch nach den ersten paar Zentimetern Bodenabtrag war bereits schon wieder Schluss mit den Umbaumaßnahmen. Denn was der Baggerfahrer eines Siegsdorfer Bauunternehmens zutage brachte, war alles andere als Schutt und Staub. Er stieß auf Fragmente einer Mauer aus der Römerzeit.

Fünfköpfiges Grabungsteam

Wie sich herausstellte, sind die zum Teil inzwischen freigelegten Mauern nicht die einzigen bemerkenswerten Relikte aus der römischen Vergangenheit Bernaus, die das fünfköpfige Ausgrabungsteam rund um Archäologin Katrin Heigermoser gefunden hat. Auch wertvolle Scherben und möglicherweise sogar bronzene Gebrauchsgegenstände sollen dazu gehören. Sie erst ermöglichen den Forschern eine genaue Datierung und Zuordnung.

Areal „Villa rustica“

Da sich das Areal des geplanten Neubaus auf dem Bernauer Bodendenkmal „Villa rustica“ befindet, wurden die Ausgrabungen von Anfang an archäologisch begleitet. „Tatsächlich steht man direkt neben dem Bagger, um sofort mit einem Stopp der Arbeiten reagieren zu können, wenn etwas archäologisch Bedeutsames entdeckt wird“, berichtet Ausgrabungsleiterin Katrin Heigermoser und führt fort: „Was wir hier entdeckt haben, ist durchaus speziell, vor allem weil die vielen Fundstücke eine hohe Aussagekraft besitzen.“

Das Ausgrabungsteam bei der Arbeit mit Kelle, Pinsel und Kamera. Im Vordergrund Andreas Zauner beim Dokumentieren eines Fundstücks.

Grabungen in brütender Hitze

Nach dem vorläufigen Ende der Baggerarbeiten ließ Katrin Heigermoser ihr Team anrücken. Aktuell laufen die Ausgrabungen auf vollen Touren. Zum Schutz vor der Sonne mit breitkrempigen Sonnenhüten ausgestattet, arbeitet das Ausgrabungsteam den ganzen Tag über am Freilegen der Fragmente.

So geht die Detektivarbeit voran

„Alles, was hier abgesteckt und markiert ist, sind Befunde“, erzählt Heigermoser von ihrer historischen Detektivarbeit. Diese liegen allerdings in verschiedenen Phasen der Erdschicht und müssen daher schrittweise ausgegraben und nach definierten Regeln dokumentiert werden. „Das ist das Allerwichtigste“, beschreibt Katrin Heigermoser ihre Vorgaben: „Wenn ich da was falsch mache, kann ich alles in die Tonne klopfen.“ Von den Spitzhacken und Schaufeln ist man deshalb längst auf Feinwerkzeuge wie Kelle und Pinsel umgestiegen.

Historisches aus der Römerzeit wird derzeit in Bernau freigelegt.

Grabungen sind Ortsgespräch

Über die Funde aus der römischen Vergangenheit freuen sich nicht nur die Forscher. Die Ausgrabungen in der Aschauer Straße sind in Bernau längst Ortsgespräch und immer wieder schauen neugierige Passanten vorbei. Ein Umstand, der auch die beiden Pächter des Gasthauses freut. Sie haben das Lokal mit angegliedertem Hotel im April übernommen. „Seit den archäologischen Ausgrabungen ist unser Biergarten sogar noch voller“, freut sich Matthias Eberl sichtlich. Doch es ist nicht nur der Zulauf an Gästen, der für gute Stimmung sorgt. „So nah dran zu sein an der Geschichte Bernaus ist auf jeden Fall etwas Besonderes“, äußert sich Eberls Geschäftspartner Philipp Killermann sichtlich begeistert.

In Teilbereichen wird gebaut

Wie es denn nun mit dem Bau des Festsaals weitergeht, dazu wollte sich die Brauerei Auerbräu auf OVB-Anfrage nicht äußern.
Dem OVB vorliegenden Informationen zufolge dauern die archäologischen Ausgrabungsarbeiten vermutlich noch eine Weile an. Doch bereits jetzt kann es auf den freigegebenen Flächen südlich der dokumentierten Funde weitergehen mit dem Bau des Festsaals. Donnerstagvormittag wurden dort schon wieder die ersten schweren Geräte platziert.

Fundstücke sollen gezeigt werden

Von den römischen Fundstücken wird am Ende nichts mehr in der Erde sein. Sie gehören nach Abschluss der Arbeiten dem Grundstückseigentümer Auerbräu. Die Ergebnisse der akkuraten Arbeit des archäologischen Ausgrabungsteams werden vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege verwaltet und für die wissenschaftliche Forschung bereitgestellt. Erste Ergebnisse und möglicherweise auch Fundstücke werden vermutlich schon in Kürze in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Bernau vorgestellt.

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