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Vermisster Moosinninger (25) tot im Echinger See aufgefunden

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Millionen-Dilemma

„Die Hütte brennt“ - So könnte Eggstätt nach dem Umweltskandal von Natzing an Geld kommen

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger zeigt sich bei seinem Besuch in Eggstätt entsetzt.
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Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger zeigt sich bei seinem Besuch in Eggstätt entsetzt.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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Hubert Aiwanger hatte weder Geldkoffer noch Scheck dabei, als er sich im Eggstätter Gewerbegebiet Natzing die Folgen eines Umweltfrevels ansah. Dafür aber einen guten Rat und ein Versprechen.

Update, 19.45 Uhr - Werden Hilferufe erhört? Aiwanger verspricht Unterstützung

Ja, „die Hütte brennt“, so Aiwanger, und natürlich brauche Eggstätt eine Lösung, „wir können eine Gemeinde mit knapp 3000 Einwohnern nicht alleine mit einem Umweltschaden von rund drei Millionen Euro sitzen lassen.“ Eine Aussage, die Bürgermeister Christian Glas tief durchatmen ließ. „Für uns ist es wichtig zu wissen, dass wir nicht alleine sind, nicht untergehen.“

Aiwanger zeigte sich entsetzt von dem Schaden, den ein inzwischen zu drei Jahren Haft verurteilter Mann aus einer Nachbargemeinde mit Löschmitteln verursacht hatte. Er wollte wissen, ob diese Mittel noch im Umlauf seien, ob es in ganz Bayern noch tickende Zeitbomben gebe. Kaum noch, versicherte Peter Swoboda, der mit seinem Büro die Sanierungsarbeiten im Leitungssystem und die Reinigung des Grundwassers leitet. Die Stoffe seien schon seit Jahren für handelsübliche Feuerlöscher verboten. In vereinzelten älteren Exemplaren könnten sie noch vorkommen.

Bürgermeister Christian Glas (Mitte) und sein Bauamtsleiter Bernd Ruth (links) begrüßen den Stellvertretenden Ministerpräsidenten und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger im Gewerbegebiet Natzing der Gemeinde Eggstätt.

Aiwanger und Claudia Köhler, Landtagsabgeordnete der Grünen und stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Staatshaushalt und Finanzfragen, die ebenfalls nach Natzing gekommen war, waren sich einig, dass Eggstätt über das Finanzausgleichsgesetz die besten Chancen habe, an Geld zu kommen. Dazu müsse sie Gemeinde eine gründliche und umfassende Aufstellung aller Kosten vorlegen, auch über möglicherweise künftig noch anfallende Kosten zum Beispiel für eine Probebohrung, sollte die nötig werden. Es sei leichter, einmal einen großen Batzen zu bekommen, als jedes Jahr wieder eine fünfstellige Summe, so Aiwanger. „Und dann müsst Ihr vor der Entscheidung im November nochmal die Werbetrommel für Euch rühren“, so Aiwanger.  

Der Umweltfrevel lastet schwer auf der Gemeinde. Die Kosten gehen in die Millionen.

Er sei an der Vergabe der FAG-Mittel nicht direkt beteiligt, das regelten die Kollegen des Innen- und des Finanzministeriums. Aber er werde sich „mit allen mir zur Verfügung stehenden Kräften“ dafür einsetzen, dass Eggstätt FAG-Mittel bekommen. Claudia Köhler nickte zustimmend. Und der Bürgermeister atmete nochmal tief durch.

Erstmeldung:

Der Horror begann am Karfreitag. Da nahm die Polizei 2021 Michael M. fest, als er Löschmittel im Eggstätter Gewerbegebiet Natzing in den Gully kippte. 16 Monate und 2,5 Millionen Euro später kommt am 3.August Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger nach Natzing. Mit Geld im Gepäck, hofft die Gemeinde.

Löschmittel landete im April 2021 in einem Filterbecken im Gewerbegebiet Natzing. Hubert Aiwanger, der bayerische Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident, besucht Natzing am Mittwoch, 3. August.

Das Anfang April 2021 von dem Brandschutz- und Löschmittelexperten Michael M. eingeleitete Löschmittel gelangte über den Oberflächenwasserkanal in ein Auffangbecken und dann in das Grundwasser. Mittlerweile ist Michael M. wegen Umweltfrevel zu drei Jahren Haft verurteilt.

Seit April 2021 bemüht sich Eggstätt in Zusammenarbeit und enger Abstimmung mit dem Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt Rosenheim, dem Zweckverband zur Unterhaltung von Gewässern III. Ordnung (GUZV) und Fachbüros um eine Schadensbehebung. Mittlerweile seien 160.000 Kubikmeter Wasser gereinigt worden, gab Bürgermeister Christian Glas kürzlich im Gemeinderat bekannt. Dabei habe man 1,2 Kilogramm PFAS (Perfluorierte Alkylsubstanzen) herausgezogen (Stand Juli). Jedes Gramm davon schlage mit 2000 Euro zu Buche. Derzeit gehe man von drei Millionen Euro Kosten zur Beseitigung des Umweltschadens aus. „Es ist ein Horror: Du kannst nichts dafür, hast den Schaden und zahlst, zahlst, zahlst“, so Glas.

Eggstätt finanziell bisher alleingelassen

Denn bisher hat die 2900 Einwohner kleine Gemeinde am Hartsee die Beseitigung des Umweltschadens allein stemmen müssen. Eggstätt muss den inhaftierten Umweltfrevler zivilrechtlich verklagen, um überhaupt eine Chance zu haben, im Herbst an Mittel nach dem Finanzausgleichsgesetz (FAG) zu kommen.

Hoffnung auf Hubert Aiwanger

Dementsprechend groß ist die Hoffnung, dass Hubert Aiwanger, der bayerische Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident, bei seinem Besuch in Natzing am Mittwochnachmittag, 3. August, mehr als nur Worte des Bedauerns und Lob für die ergriffenen Maßnahmen dabei hat. Eggstätt braucht schlicht Geld.

Denn der Kampf gegen die PFAS im Grundwasser geht weiter.

Schadensbekämpfung dauert noch Jahrzehnte

Diplom-Biologe Peter Niesselbeck konnte während des Strafprozesses gegen den Verursacher dem Bürgermeister keine Hoffnung auf baldige Besserung der Lage machen: Weil weder Richtung noch Fließgeschwindigkeit des Grundwassers vorhergesagt, geschweige denn kontrolliert werden könne, „muss noch auf Jahrzehnte hinaus das Grundwasser kostenintensiv kontrolliert und gegebenenfalls mit Aktivkohle gereinigt werden.“ Und jedes Gramm beseitigtes PFAS kostet die Gemeinde 2000 Euro. Und Zeit. In einem Jahr waren es allein beim Bauhof 931 zusätzliche Arbeitsstunden. Oder 116 Tage.

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