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Am Corona-Impfzentrum Rosenheim tätig

Theologe impfte gegen Covid-19: Prozess gegen falschen Arzt startet

Bild von Impfung und Impfzentrum Rosenheim
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Im Fall einer Verurteilung drohten dem 50-Jährigen bis zu 15 Jahre Freiheitsstrafe.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Mit einer gefälschten Approbationsurkunde verschaffte sich ein 50-jähriger Theologe einen Job am Rosenheimer Impfzentrum. In Kürze muss sich der Mann in Traunstein wegen gefährlicher Körperverletzung, Urkundenfälschung und gewerbsmäßigen Betrug vor Gericht verantworten.

Traunstein/Rosenheim/Dachau - Einen „Dr. theol. Uni. Dr. med. univ.“ stellte der Malteser Hilfsdienst zum 1. Januar 2021 als Impfarzt für das „Corona-Impfzentrum Rosenheim“ zu einem Stundenlohn von 100 Euro ein. Der 50-Jährige mit gefälschter Approbationsurkunde flog Ende März 2021 nach Tätigkeit auch in Karlsfeld wegen Verdachts auf mangelnde Sachkunde auf. Vor der Sechsten Strafkammer am Landgericht Traunstein muss er sich ab 10. Februar wegen gefährlicher wie vorsätzlicher Körperverletzung an fast 1.500 Impfwilligen, illegaler Ausübung der Heilkunde, Urkundenfälschung, gewerbsmäßigen Betrugs sowie Titelmissbrauchs verantworten.

Urteil Mitte Mai erwartet

Die Kammer mit Vorsitzender Richterin Jacqueline Aßbichler hat zunächst elf Verhandlungstage anberaumt. Mit dem Urteil wird nach aktueller Planung Mitte Mai gerechnet. Der Angeklagte hat sich bislang laut Staatsanwaltschaft nicht zu den Tatvorwürfen geäußert. Gegenüber einer Sachverständigen räumte er einzig die Fälschung der Approbationsurkunde ein. Die weiteren Vorwürfe der 80-seitigen Anklageschrift basieren auf Zeugenaussagen und sichergestellten Dateien. Wie die Anklagebehörde weiter mitteilte, traten – abgesehen von typischen Nebenwirkungen einer Corona-Impfung - bei niemand gesundheitliche Komplikationen auf.

Staatsanwalt Markus Andrä vertritt die Anklage in dem aufwändigen Prozess. Demnach hatte sich der 50-Jährige aus dem Landkreis München Ende Dezember 2020 für den Job als Impfarzt beim Malteser Hilfsdienst Rosenheim beworben. Dabei präsentierte der Mann, tatsächlich ohne Doktor-Titel, eine mutmaßlich selbst erstellte ärztliche Zulassungsurkunde. Die Wohlfahrtsorganisation engagierte den „Arzt“ für acht Stunden Einsatz pro Woche und beglich später seine in Rechnung gestellten Stunden am Impfzentrum Rosenheim mit fast 20.300 Euro.

„Arzt“ war mehrfach im Einsatz

Mitte Januar 2021 wurde der 50-Jährige gemäß Anklage außerdem am Impfzentrum in Karlsfeld bei Dachau vorstellig. Mit dem Betreiber Johanniter Unfallhilfe kam es ebenfalls zu einem Vertrag. Der „Arzt“ kassierte dort 1.100 Euro. Von Anfang Februar bis 23. März 2021 war er wieder bei seinem ursprünglichen Arbeitgeber in Rosenheim. Dabei wurde er sowohl im Impfzentrum in der Inntalhalle aktiv als auch als bei Einsätzen mobiler Impfteams.

In Alten- und Pflegeeinrichtungen in Halfing, Kolbermoor, Bad Aibling, Wasserburg, Oberaudorf, Raubling und Bernau fungierte er angeblich als verantwortlicher Impfarzt. Nur ein approbierter Arzt hätte impfwillige Menschen wirksam aufklären und die Impfung überwachen dürfen, lautet – vereinfacht ausgedrückt – der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

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306 Personen soll der Theologe selbst die Impfung mit dem Vakzid in einen Oberarm verabreicht haben – strafbar als 306 Fälle der „gefährlichen Körperverletzung“. In 1.144 Fällen erfolgte die Injektion des Impfstoffs gemäß Anklage in Gegenwart des 50-Jährigen durch eine medizinische Fachkraft. Juristisch liegt ihm damit 1.144-fache „vorsätzliche Körperverletzung“ zur Last. In jedem einzelnen der insgesamt 1.450 Fälle kommt der Vorwurf „Ausübung der Heilkunde ohne Erlaubnis“ hinzu.

Bis zu 15 Jahre Freiheitsstrafe drohen

Ans Tageslicht gekommen war alles durch eine impfwillige und medizinisch geschulte Zeugin, der die damaligen fachlichen Erläuterungen des jetzigen Angeklagten zu dürftig waren. Der Malteser Hilfsdienst als Betreiber des Impfzentrums Rosenheim erstattete Anzeige. Intensive Ermittlungen der Kripo Rosenheim und der Staatsanwaltschaft Traunstein folgten. Der 50-Jährige wanderte am 27. März 2021 in Untersuchungshaft.

Der Verdacht von Körperverletzungsdelikten bestehe bei der Verabreichung von Injektionen „unabhängig vom Eintritt gesundheitlicher Komplikationen“, da dem Angeklagten die erforderliche Qualifikation als Arzt gefehlt habe und die erforderliche Einwilligung der Geimpften durch diese Täuschung erschlichen wurde, so die Staatsanwaltschaft in einer Pressemitteilung. Im Fall einer Verurteilung drohten dem 50-Jährigen bis zu 15 Jahre Freiheitsstrafe.

kd

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