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Sterben als Teil des Lebens begreifen

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml und der Arzt Professor Dr. Eckard Nagel diskutierten auf Einladung der Kinderklinik Aschau über den medizinischen und ethischen Umgang mit Tod und Sterben. Kirchner
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Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml und der Arzt Professor Dr. Eckard Nagel diskutierten auf Einladung der Kinderklinik Aschau über den medizinischen und ethischen Umgang mit Tod und Sterben. Kirchner

Um „Leben und Sterben“ ging es bei der „Sonntagsbegegnung“ in der Orthopädischen Kinderklinik Aschau, zu der Organisator Bernhard Winter Bayerns Staatsministerin Melanie Huml und den Arzt, Theologen und Philosophen Prof. Aschau –.

Dr. Eckard Nagel als Referenten eingeladen hatte. Der Abend zeigte: Das Sterben gehört zum Leben. Trotz des großen medizinischen Fortschritts können bis heute nicht alle Fragen zum Tod beantwortet werden.

Der Einladung von Geschäftsführer Elmar Kuhn waren unter anderem Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner, beide Bürgermeister Aschaus sowie der Erdinger Landrat Martin Bayerstorfer gefolgt.

Melanie Huml stellte in ihren Ausführungen das Hospiz als Einrichtung vor, in dem sich trotz des nahenden Todes Leben und Lebensfreude zeigen würden und in dem auch gelacht werden dürfe.

Wie passen Gesundheitsökonomie und Ethik zuei nander?, lautete eine zentrale Frage des Abends. Referent Prof. Dr. Eckard Nagel verwies auf einen oft irreführenden Fortschrittsglauben. Auch wenn die Gesellschaft wieder über das Sterben rede und es nicht mehr tabuisiert werde, wehre er sich gegen eine Heroisierung der Palliativmedizin und der Hospize. Ängste dürften nicht negiert werden.

Betroffene nicht überfordern oder allein lassen

Melanie Huml nahm dieses Stichwort auf. Für sie ist das Sterben ein Teil des Lebens. Es sei nicht immer leicht, loszulassen und den geliebten Menschen gehen zu lassen. Dies gelte auch für Ärzte. Entscheidend sei die Qualität der Lebenstage und nicht die Quantität. Und gerade deshalb sei es wichtig, innerhalb der Familie die Themen Organspende, Patientenverfügung sowie die Fragen nach einer palliativen oder Hospiz-Versorgung anzusprechen.

Nagel schloss sich dieser Ansicht an. Auch wenn es heute für Patienten mehr Selbstbestimmung gebe, bestehe dennoch immer noch eine große Unsicherheit bei diesen Themen rund um den letzten Lebensweg. Er sprach von Pflicht und Verantwortung, wenn es um Betreuungsvollmachten oder Patientenverfügungen gehe.

Als Beispiele nahm er dazu den Fall eines jüngeren Patienten, der für hirntot erklärt worden war. Dessen Familie aber wollte dies nicht akzeptieren und erwirkte mit einer einstweiligen Verfügung des Amtsgerichts und der Androhung einer 200 000-Euro-Strafe, dass der Patient weiterbeatmet wurde. Der Referent betonte, dass er die emotionale Aufgewühltheit der Angehörigen verstehe, er empfinde aber eine solche Weiterbehandlung als Störung der Totenruhe.

Als Gegenbeispiel ging Nagel auf den Tod des Popstars David Bowie ein, der kürzlich im Kreise seiner Familie entschlafen sei. Zusammenfassend erklärte Nagel, dass man das Sterben nicht steuern oder in ein Gesetz gießen könne. Dennoch müsse über das Thema Sterben möglichst offen geredet werden.

Melanie Huml zeigte sich überzeugt, wichtig sei das Vertrauen und die enge Abstimmung zwischen Medizinern und Patienten beziehungsweise mit den Angehörigen. Menschen dürften in dieser Phase des Lebens nicht überfordert oder allein gelassen werden. Ein Arzt könne lindern, unterstützen, respektieren und begleiten, er sei somit Verantwortungsträger. Die Politik hingegen sollte nur Leitplanken setzen.

Nagel wehrte sich gegen eine Verstaatlichung des Themas, denn in seinen Augen bedeuten immer mehr Regeln auch immer weniger Vertrauen. Als Beispiel nannte er das Thema Embryonenspende, mit dem sich derzeit der Ethikrat befasse. Dabei gehe es um potenzielles Leben, über dessen Weiterverwendung oder Vernichtung zu entscheiden sei.

In der Diskussion mit dem Publikum rund um die Frage nach einem Sterben in Würde betonte die Ministerin, dass staatliches Eingreifen nötig sei, wenn es lebenserhaltend sei. Ansonsten gelte es, die Entscheidung in jegliche Richtung zu akzeptieren. Sterbenskranke Kinder seien da oftmals weiter als deren Eltern.

Die Nachfrage zum Thema Organspenden aus dem Publikum beantworteten beide Diskutanten mit der Feststellung, dass es hilfreich sei, sich mit dem Thema frühzeitig auseinanderzusetzen, um die Last von den Angehörigen in einer derartigen Situation zu nehmen. Dies sei aber eine persönliche Entscheidung. Sprachlosigkeit oder der Wunsch, Kinder nicht mit dem Thema Leben und Sterben zu konfrontieren, widersprächen der Wissbegierigkeit der Kinder, zeigte sich Melanie Huml in diesem Punkt überzeugt.

Aktive Sterbehilfe lehnten beide Referenten ab. Zum Abschluss der „Sonntagsbegegnung“ in der Orthopädischen Kinderklinik passte der Hinweis auf die Wanderausstellung „Gemeinsam gehen. Wege der Sterbebegleitung und Versorgung für Schwerstkranke und Angehörige“, eine Ausstellung des bayerischen Landtags, die ab kommendem Wochenende im katholischen Bildungswerk Rosenheim gezeigt wird.

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