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Simssee und Pelhamer See nur "mäßig"

Der Simssee ist ein beliebtes Gewässer. Nicht nur Segler schätzen ihn, wie hier bei einer Regatta, auch Badende springen gerne hinein. Foto  ni
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Der Simssee ist ein beliebtes Gewässer. Nicht nur Segler schätzen ihn, wie hier bei einer Regatta, auch Badende springen gerne hinein. Foto ni

Die EU macht Druck. Die Mitgliedsstaaten sollen bis 2021, spätestens aber bis 2027, die europoäische Wasserrahmenrichtlinie umsetzen.

Dabei geht es um eine integrierte und ökologisch ausgerichtete Gewässerschutzpolitik über nationale Grenzen hinweg. "Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ein ererbtes Gut, das geschützt und verteidigt werden muss", heißt es dazu in der Richtlinie. Ein fünfstufiges Bewertungssystem von "sehr gut" bis "schlecht" wird dabei europaweit für alle Seen zugrunde gelegt. Enttäuschend schneiden dabei Simssee und Pelhamer See ab. "Ihre Wasserqualität ist nur mäßig", sagt Dr. Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim. Es bestehe Handlungsbedarf.

Stephanskirchen/Bad Endorf/Höslwang/Eggstätt - Unter die europaweite Rahmenrichtlinie fallen Gewässer, die größer als 50 Hektar sind - beispielsweise der Hofstätter See. "Dieser ist wie die meisten Seen in der Region - Langbürgner See und Hartsee - gewässerökologisch in gutem Zustand", betont Roch. Die Traumnote eins, also "sehr guter Zustand", bekommt der Königssee. Sorgen machen den Wasserwirtschaftlern dagegen der Simssee und der Pelhamer See. Ihre Wasserökologie bekommt nur "mäßig", gewissermaßen die Note "drei". "Unbefriedigend" und "schlecht" ist kein Gewässer in der Region.

Indikator für den Zustand eines Sees ist sein Bewuchs. "Je höher der Phosphatgehalt im See, desto kräftiger entwickelt sich das Algen- und Pflanzenwachstum und umso mehr Handlungsbedarf besteht", erklärt der Fachmann. Entscheidend seien die Einträge in den See. Doch es gebe dafür nicht nur einen "Schuldigen", sondern meist seien es eine Reihe von Ursachen. Der Nährstoffgehalt speise sich aus der Erosion des Bodens, der ins Wasser rutscht, sowie aus Laub, aus stofflichen Eintragungen bei Niederschlägen, aus Gartenabfällen wie Gras und Baumschnitt oder aus Gülle, die speziell am Simssee durch die steilen Ufer in den See gelangten. Um hier eine dauerhafte Verbesserung der Wasserqualität zu erreichen und den europaweiten Richtlinien zu entsprechen, dürfe als Richtwert eine Tonne Phosphat als Eintrag pro Jahr nicht überschritten werden. Aktuell seien es rund 3,5 Tonnen, so Roch.

"Das Untersuchungssystem an den Seen ist recht aufwendig", erklärt der Gewässerbiologe Dr. Thomas Bittl vom Rosenheimer Wasserwirtschaftsamt. In verschiedenen zeitlichen Rhythmen werde die Belastung der Seen in puncto Wasserökologie und Überdüngung regelmäßig gemessen. Außerdem müssten einmal pro Jahr speziell ausgebildete Taucher die wuchernden Wasserpflanzen abschneiden und entsorgen.

Diese Maßnahmen hätten allerdings nichts mit der Eignung als Badesee zu tun. Für etwaige Badeverbote sei das Gesundheitsamt zuständig, das das Gewässer hygienetechnisch auf Verkeimung untersucht, betont der Wasserbiologe.

Noch in den 1960er-Jahren wurde der Simssee landläufig wegen seiner dunklen und schillernden Farbe nur als "Coca-Cola-See" bezeichnet. Zum Baden viel zu schmutzig. "Dann kam die Ringkanalisation und die Wasserqualität verbesserte sich gewaltig." Doch trotz der enormen Anstrengung ist aktuell seine Wasserqualität nur mäßig. "Hier müssen wir etwas tun", macht Roch deutlich.

Nägel mit Köpfen werden derzeit am Pelhamer See gemacht, der ebenfalls das Prädikat "mäßig" hat. Erst jüngst wurde ein Vertrag unterzeichnet zwischen dem Amt für ländliche Entwicklung - stellvertretend für das Landwirtschaftsministerium - und einem Beraterteam für einen "praxisorientierten Boden- und Gewässerschutz" (wir berichteten). Im Rahmen dieses Projektes werde bis 2015 das gesamte Einzugsgebiet des Pelhamer Sees unter den Gesichtspunkten "Nährstoffeintrag" und "Bodenerosion" untersucht. Anschließend soll gemeinsam mit Fachberatern und Landwirten aus den angrenzenden Gemeinden Bad Endorf, Höslwang und Eggstätt mögliche Verbesserungsmaßnahmen erarbeitet und deren Umsetzung vorbereitet werden.

Damit weder Erdreich noch Rückstände von Gülle, Kunstdünger und Pflanzenschutzmittel in die Gewässer gelangen, fordert der Bund Naturschutz vehement bayernweit einen fünf Meter breiten Streifen zwischen Wasser und Acker.

Das sieht Josef Steingraber, Geschäftsführer beim Bayerischen Bauernverband in Rosenheim, eher kritisch. "Wir stehen beim Gewässerschutz vor gewaltigen Herausforderungen. Darauf werden sich unsere Landwirte einstellen müssen. Doch die viel diskutierten fünf Meter bringen gar nichts. Das dürfen wir nicht als pauschalierte Wunderwaffe ansehen, vielmehr wären flexible Maßnahmen, welche den örtlichen Gegebenheiten angepasst werden, gefragt", sagt er. Er schlägt stattdessen vor, sich an einen Tisch zu setzen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten. Dabei hält er viel von Freiwilligkeit, allerdings brauche es Zeit, bis die Neuerungen umgesetzt und erste Erfolge sichtbar seien, betont er.

Gerade bei der Diskussion um Gülle und den Eintrag in die heimischen Seen fühle sich die Bauernschaft zu Unrecht und zu pauschal an den Pranger gestellt. Steingraber: "Die allermeisten Seen in der Region sind doch gut bis sehr gut. Nur zwei haben das Prädikat mäßig erhalten. Wir verschließen uns aber den Problemen nicht."

Herausforderungen für Landwirtschaft

Die neuen Herausforderungen seien dem Klimawandel mit plötzlichem Starkregen geschuldet, argumentiert der Geschäftsführer. Bei sintflutartigen Regenfällen sei die Kanalisation immer überfordert, zusätzlich gelange mit den Wassermassen Ackerkrume, Hundekot oder Gartenabfälle ins Gewässer. So schieße der Nitrat- und Phosphatgehalt nach oben. "Die Landwirte wollen dem begegnen, indem sie etwa Untersaaten anbauen, um auf diese Weise den Boden mit Wurzelwerk zu befestigen. Damit soll die Abschwemmung der Bodenkrume verhindert werden."

Denn eines sei klar, sagt Steingraber: "Gerade wir Landwirte sind am Schutz unserer Umwelt interessiert, denn letztlich leben wir davon."

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