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Haustierhalter beunruhigt

Vorsitzende der Sachranger Bauern: Wolf verliert „die Scheu vor uns Menschen und wird zum Problem“

Ein Wolf wurde vor Kurzem in Sachrang gesichtet und daraufhin vom Landesamt für Umwelt bestätigt.
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Ein Wolf wurde vor Kurzem in Sachrang gesichtet und daraufhin vom Landesamt für Umwelt bestätigt.
  • Tina Blum
    VonTina Blum
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Sachrang – Der Wolf ist in Sachrang und Umgebung unterwegs. Das bestätigte das Landesamt für Umwelt. Diese Tatsache beunruhigt vor allem Tierhalter in der Region. Martina Bauer, Vorsitzende des Vereins D‘Sachranger Bauern, berichtet im Interview, über die Auswirkungen des Wolfes auf die Almwirtschaft.

Frau Bauer, jetzt da der Wolf in Sachrang bestätigt wurde, was bedeutet das für die Bauern und Tierhalter vor Ort?

Martina Bauer: Es bedeutet viel Unsicherheit und schlaflose Nächte für die Bauern. Vor Kurzem ist eine Mutterkuhherde in der Nacht ausgebrochen und sieben Kilometer Richtung Aschau gelaufen. Der Tierhalter, egal ob Landwirt, Pferdehalter oder Hundebesitzer, ist immer für seine Tiere verantwortlich. Zwar ist jeder landwirtschaftliche Betrieb haftpflichtversichert. Aber ich möchte es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren müssen, wenn meine Tiere ausbrechen und es passiert ein schwerer Unfall und jemand stirbt dabei.

Eine weitere Frage ist auch, wie lange machen es die Haftpflichtversicherungen mit, wenn sich die Vorfälle häufen. Außerdem muss man nachweisen können, dass der Wolf oder ein Beutegreifer schuld an einem Ausbruch war. Ohne DNA-Nachweis bekommt man keine Entschädigung für das gerissene Tier und bleibt mit seinen Sorgen und Ängsten allein.

Welche Möglichkeiten für den Umgang mit dem Wolf haben die Bauern?

Bauer:Viele haben ihre Tiere schon reingebracht, die eigentlich noch bis Mitte November auf den Weiden geblieben wären. Wir sind, seit es im Sommer mit den Rissen in Reit in Winkel und Kössen in Tirol losging, berechtigt, Zuschüsse zu beantragen für wolfssichere Zäune. Wir haben uns bei einem Anbieter erkundigt. Dieser habe aber selbst keine Vorgaben wie hoch der Zaun sein muss oder wie dieser überhaupt ausschauen soll. Da kann ich zwar einen Antrag stellen auf einen wolfsicheren Zaun, der aufgebaut und gezahlt wird. Aber am Ende stellt sich raus, dass er vielleicht nicht hoch genug oder tief genug eingegraben war. Auch das Thema „Herdenschutzhunde“ ist mit 2500 Euro Unterhalt pro Jahr und Hund sehr teuer sein und ist nicht jedermanns Sache.

Für mich beispielsweise käme ein Hund nicht in Frage. Zudem werden die Hunde darauf trainiert, die Herden zu verteidigen. Unsere Region ist touristisch stark frequentiert. Ich möchte nicht wissen, was passieren könnte, wenn Leute oder Familien mit Kindern zu nah an die Kälber herangehen und der Herdenschutzhund dann Gäste oder Familien anfällt.

Was halten Sie von dem „Aktionsplan Wolf“ vom Landesamt für Umwelt?

Bauer:Der Plan ist nicht ganz ausgereift. Es gibt Gegenden, wo das Programm funktioniert, weil der touristische Druck niedriger ist. Auch das Thema Zäune ist nicht geklärt. Viele von uns Leben auch vom Tourismus. Werden noch Gäste kommen, wenn überall Wolfszäune aufgebaut sind, die den Blick auf unsere schöne Landschaft einschränken? Auf einer flachen Wiese hat, bekommt man auch die Pfosten leicht in den Boden und kann den Zaun gut spannen. Aber wenn man in einem Gebirgstal mit bis zu 1800 Meter hohen Bergen wohnt und die Felsen überall aus dem Boden schauen, dann wird es schwierig, einen Zaun anständig zu verankern. Es gibt aber auch noch andere Tiere. Wie sollen der Hirsch, die Gams, das Reh und andere auf die freien Flächen kommen? Dürfen die nicht mehr auf die Wiesen zum Grasen, oder wie?

Martina Bauer, Vorsitzende des Vereins D’Sachranger Bergbauern.

Wie sind ökologische Vielfalt, dazu zählt ja auch der Wolf, und Landwirtschaft vereinbar?

Bauer: Dazu müsste sich die Gesellschaft entscheiden, welche Landwirtschaft sie haben will. Die kleinstrukturierte, bäuerliche Landwirtsschaft, wie wir sie im Tal noch haben, oder die industrielle Landwirtschaft. Die Alm- und Weidewirtschaft trägt dazu bei, dass bestimmte Arten, wie die Rotflüglige Schnarrschrecke oder die Herbst-Drehwurz, die freie beweidete Flächen brauchen, nicht aussterben. Das ist das Dilemma mit dem Natur- und Umweltschutz. Welche Arten fördert man und welche nicht? Dieser Konflikt fängt nicht erst beim Wolf an.

Warum passt der Wolf Ihrer Meinung nach nicht zum Alpenraum?

Bauer: Der Tourismus ist in der Region zu stark und die Gebiete sind zu dicht besiedelt. Da der Wolf bei uns nicht bejagt wird, lernt er nicht das die Menschen gefährlich sein können. Dadurch verliert er die Scheu vor uns Menschen und wird zum Problem. Die Sorgen unserer Bauern um Ihre Tiere und die damit verbundene große nervliche Belastung sorgt dafür, dass bereits einige Landwirte gesagt haben, sie würden mit der Landwirtschaft aufhören, wenn die großen Beutegreifer hier wieder heimisch werden.

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