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Intelligente Straßenbeleuchtung

Rimsting kämpft sich durch Förder-Dickicht: Die neuen Laternen haben es in sich

Die Hauptstraße in Rimsting säumen derzeit noch herkömmliche Kofferleuchten. Künftig will die Gemeinde auf energieeffiziente und insektenfreundlichere Modelle umsteigen.
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Die Hauptstraße in Rimsting säumen derzeit noch herkömmliche Kofferleuchten. Künftig will die Gemeinde auf energieeffiziente und insektenfreundlichere Modelle umsteigen.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Straßenleuchten komplett tauschen, oder nur die Einsätze? Gefördert oder nicht? Der Rimstinger Gemeinderat hat es nicht leicht mit seiner Entscheidung, die herkömmlichen Laternen gegen neue, effiziente Technik zu tauschen.

Rimsting – Es war der Wunsch nach weniger Lichtverschmutzung und mehr Energieeffizienz, als im März die Grünen einen Antrag auf intelligente Lichtsteuerung an die Gemeinde Rimsting stellten. Schnell wurde das Thema im Gemeinderat aufgegriffen und mit Nachdruck vorangetrieben, auch wenn es zunächst noch hier und da Bedenken gab. Doch die Vorteile überzeugten das Gremium. Seit August ist beschlossen, dass nicht nur Teilbereiche, sondern die komplette Straßenbeleuchtung modernisiert wird.

Wochenlange Recherchen

Jetzt, über ein halbes Jahr später, schlagen die harten Fakten zu Buche und sorgen im Gremium für so manchen Seufzer. Einfach mal den Katalog für intelligente Straßenlaternen aufschlagen und bestellen, so funktioniert die Sache nicht. Hinter den Kulissen hat sich Franz Fischer aus der Verwaltung wochenlang detailliert in die Materie vertieft und in der jüngsten Gemeinderatssitzung technische Möglichkeiten, Alternativen, Kosten und potenzielle Förderungen vorgestellt.

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Allein die Tatsache, dass in Rimsting vier verschiedene Leuchtenformen vertreten sind, macht die Sache kompliziert. Dies sei normal und Ausdruck des Zeitgeistes, antwortete Geschäftsführerin Regina Feichtner auf die Frage von Nina Weinland (Grüne), warum es unterschiedliche Leuchten gebe.

„Passt nicht zu uns“

Demnach erhellen Rathausplatz, Sparkasse und Schule nachts neun Laternen des Modells „Castor“, die laut Fischer „eins zu eins“ mit einem neuen LED-Leuchtenkopf ausgestattet werden könnten, Kosten pro Leuchte: 1200 Euro. Alternativ: ein LED-Einsatz für je 333 Euro. Wie von der Gemeinde gewünscht, könnte man die Leuchten zwischen 22 und 5 Uhr um 40 Prozent dimmen. Die Crux: „Beide Varianten sind nicht förderfähig“, erklärte Fischer. Der Versorger Bayernwerk habe den Tausch gegen eine neue Pilzleuchte Marke „Streetlight“ des Herstellers Siteco vorgeschlagen, was pro Stück über 500 Euro kosten würde und förderfähig sei. „Das Design dieser Leuchten ist aber Geschmackssache“, warnte er die Räte vor, die dann vom Bild der Austausch-Leuchte nicht wirklich überzeugt waren. „Chinesisch“, so der erste Tenor, wirke der schmucklose Glühkörper mit dem tellerförmigen Deckel obendrauf. „Das passt gar nicht zu uns“, war zu hören.

Kosten können nicht überzeugen

Fischer arbeitete sich durch die weiteren Lampentypen und erläuterte: Vom Modell „Bavaria“ gebe es im Gemeindegebiet 115 Stück, beispielsweise in Gänsbach, Greimharting, in der Ahornstraße, der Albert-Eibach Straße, Am Hang, in der Fichtenstraße, der Lindenstraße und der Sandstraße. Tausche man hier den kompletten Kopf aus, koste das je über 830 Euro. Ein LED- Einsatz koste 291 Euro, „beides ist wieder nicht förderfähig.“ Bayernwerk schlage hier erneut die förderfähige Siteco-Pilzleuchte vor.

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Die Mehrheit bilden in Rimsting die 140 Kofferleuchten wie in Pinswang der Endorfer Straße und der Oberdorfstraße. Eine „typische Hauptstraßenleuchte“. Für sie kommt als Alternative nur die vom Bayernwerk vorgeschlagene Pilzleuchte in Frage, so Fischer. Kosten: je 315 bis 484 Euro, förderfähig.

Eine komplette Kostenübersicht – mit Summen von 66.151 Euro bis 126 000 Euro – aller möglichen Varianten mit und ohne Förderung konnte die Räte nicht vollends überzeugen.

Zu viele offene Fragen für eine Entscheidung

Aus dem Gremium kamen verschiedene Anmerkungen.

So meinte Stephan Walter (Grüne), dass die als hässlich empfundene Streetlight-Pilzleuchte wenigstens eine gewisse Einheitlichkeit mit sich brächte. Thomas Schuster (CSU) gefallen herkömmliche Leuchten besser, er sähe es lieber, wenn nur neue LEDs eingesetzt würden. Stefan Julinek (CSU) fand es „nicht nachhaltig“, funktionierende Lampenköpfe wegzuwerfen.

Eine Entscheidung für ein Modell kam nicht zustande, zu viele offene Fragen gibt es noch. So einigte man sich darauf, in Absprache mit Bayernwerk zwei Test-Leuchten am Rathausplatz und vor der Turnhalle mit gedimmtem LED-Licht ausstatten zu wollen, um sich unter realen Bedingungen ein Bild von der Wirkung machen zu können.

Auf die Lichtstärke kommt es an

Laut Naturschutzbund (Nabu) kommt es bei intelligenter Lichtsteuerung darauf an, ob und wie stark die Beleuchtungsstärke reguliert werden kann. Und: Je größer der Ultraviolett- und Blauanteil des Lichts, desto stärker die Anziehungskraft auf Insekten und damit die negativen ökologischen Auswirkungen. Ging man in Rimsting anfangs noch von 4000 Kelvin pro Leuchte aus, hat man diesen Wert nun weiter reduziert. Franz Fischer demonstrierte Leuchtstärken von 4000, 3000 und 2200 Kelvin an Leuchtmodellen. Der Rimstinger Physiker und Initiator der „Paten der Nacht“, Manuel Philipp, habe die Gemeinde kontaktiert und 2700 Kelvin vorgeschlagen. Damit, oder mit 3000 Kelvin konnten sich die Räte nach Anschauung am Modell grundsätzlich anfreunden. Einen Beschluss dazu gab es aber noch nicht.

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