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Neue Chancen für Mütter und Kinder

Sichtlich wohl fühlen sich im Mutter-Kind-Heim in Halfing Stefanie Bittner mit Tochter Selina und Malika Baumhartl mit Tochter Lea-Sophie (von links). Foto Kirchner
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Sichtlich wohl fühlen sich im Mutter-Kind-Heim in Halfing Stefanie Bittner mit Tochter Selina und Malika Baumhartl mit Tochter Lea-Sophie (von links). Foto Kirchner

"Von allen Kostbarkeiten, die wir besitzen, ist der Mensch die wertvollste!" Unter diesem Motto verschrieb sich Fritz-Dieter Kochendörfer nach einem tragischen Unfall 1964 ganz der Sozialarbeit und führte in München vier Wohnheime für nichtsesshafte und strafentlassene Männer. Der Selbstmord einer schwangeren Freundin eines Wohninsassen war die Initialzündung für eine neue karitative Aufgabe. Zusammen mit seiner Frau Gisela gründete er 1968 das erste Mutter-Kind-Heim in Halfing, das jetzt mit einem Fachtag und einem Familienfest an die Gründung erinnert.

Halfing - Im Haus Brüningsau, das schon in der Vergangenheit einmal ein Kinderheim war, bot das Ehepaar Kochendörfer Hilfe und Raum für werdende Mütter und Frauen mit Kindern, die in persönliche oder soziale Schwierigkeiten geraten waren. Zwischenzeitlich gab es vier Häuser, darunter eines in Amerang. Heute sind es "nur" noch zwei Häuser in Halfing, die derzeit insgesamt 21 Familien Platz bieten.

Seit 2004 führt Tochter Silke Kochendörfer-Schneeweis die Mutter-Kind-Heime. Die ausgebildete Diplom-Pädagogin und Sozialwirtin erklärt die Arbeit der karitativen Einrichtung, die 24-Stunden Vollbetreuung anbietet. Ihr Team besteht aus 32 Frauen mit unterschiedlichster Ausbildung. Kinderpflegerinnen, Erzieherinnen, Hauswirtschafterinnen, Sozialpädagoginnen und eine Diplom-Psychologin kümmern sich um die Frauen.

Das Aufgabenspektrum ist breit, berichtet Stellvertreterin Stellvertreterin Sina Werner. Es reicht von Geburtsvorbereitungskursen über Erziehungsfragen und Hausaufgabenbetreuung der Kinder bis hin zur Schuldenberatung.

Silke Kochendörfer-Schneeweis betont, dass die Themen der Mütter vielfältig seien. Oftmals hätten diese eine schwierige Kindheit und Jugend gehabt, weswegen das jeweils zuständige Jugendamt diesen Frauen nicht zutraue, selbst Kinder zu erziehen. In anderen Fällen kämen Kinder aus Pflegefamilien wieder zur Mutter zurück und würden im Mutter-Kind-Heim wieder die Annäherung lernen. Allen gefalle in der Regel das Leben im Halfinger Mutter-Kind-Heim und alle würden gerne länger bleiben als vorgesehen. Wenn die Kinder sechs Jahre alt seien, würden die Mütter in das selbstständige Leben wieder entlassen, so Kochendörfer-Schneeweis weiter.

Silke Kochendörfer-Schneeweis ergänzt, dass das Mutter-Kind-Heim auch eng mit dem Kinderhort in Halfing kooperiere. Die Kinder gehen in den Kindergarten und zudem biete der Hort auch Praktikumsmöglichkeiten für die Mütter, beispielsweise im Hauswirtschaftsbereich.

Stefanie Bittner und ihre 1,5 Jahre alte Tochter Selina, die seit Januar 2012 im Mutter-Kind-Heim in Halfing wohnen, hat die Hortbetreuung schon in Anspruch genommen. Während ihre Tochter dort betreut wurde, konnte sie ein Praktikum im Seniorenheim Stephani-Hof absolvieren. Derzeit suche sie intensiv nach einem Ausbildungsplatz in der Altenpflege, erwähnt Silke Kochendörfer-Schneeweis.

Dieses Jahr kann das Mutter-Kind-Heim auf 45 erfolgreiche Jahre zurückblicken. Anlässlich dieses Geburtstages findet am Dienstag, den 2. Oktober, auf Einladung des Mutter-Kind-Heimes ein Fachtag unter dem Titel "Chancen für Mütter mit verschiedenen Unterstützungsbereichen im Zusammenleben mit ihren Kindern" im Halfinger Pfarrheim statt.

Einen Tag später, am Tag der Deutschen Einheit, öffnet das Mutter-Kind-Heim am Kirchplatz 10 seine Pforten für die Öffentlichkeit und lädt zum Familienfest ein. Ab 14.30 Uhr warten dort zahlreiche Spiel- und Bastelangebote, eine große Tombola lockt mit wertvollen Gewinnen, Kinderbücher werden zum Verkauf angeboten und natürlich gibt es auch kulinarische Leckereien.

Ausdrücklich bedanken sich die Leiterin Silke Kochendörfer-Schneeweis und ihre Stellvertreterin Sina Werner für die zahlreichen Sachspenden von Seiten der Bevölkerung sowie lokaler und überregionaler Firmen und Institutionen. Dies zeige die Unterstützung und den Rückhalt für ihre Arbeit.

Auf Zukunftspläne angesprochen, wird die Heimleiterin konkret. Als erstes stehe der Ausbau des 80 Quadratmeter großen Dachstuhls an. Für die Mütter wolle man dort Platz für Entspannung und Bewegung schaffen, auch eine Bücherecke sei angedacht.

Ein weiteres Gedankenspiel drehe sich um die Errichtung eines Second-Hand-Ladens, aber es sei noch ein weiter Weg dahin, denn es müsse nicht nur über das Konzept, sondern auch über die Arbeitsmöglichkeiten für die Mutter-Kind-Heim-Bewohner nachgedacht werden. "Bitte noch innerhalb der nächsten vier Jahre", mischt sich Malika Baumhartl ein. Die junge Mutter wohnt seit Mitte April im Mutter-Kind-Heim. Ihre dreieinhalb Monate alte Tochter Lea-Sophie räkelt sich gemütlich auf dem Schoß von Sina Werner, während Malika Baumgartl erzählt, dass sie ihre Ausbildung zur Änderungssschneiderin noch vor der Geburt fertiggestellt habe.

Silke Kochendörfer-Schneeweis lächelt, zeigt es doch, dass die Einrichtung alleinstehende oder allein gelassene Frauen mit Kindern unterstützen kann. Ganz im Sinne ihres Vaters: "Von allen Kostbarkeiten, die wir besitzen, ist der Mensch die Wertvollste!" elk

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