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Das sagen Experten und die Polizei zum Fall

Nach Biss in Pittenhart: Tierschutzsorganisation Peta fordert Hundeführerschein

Ein Hund hat eine Frau in Pittenhart in die linke Hand gebissen (Symbolbild).
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Ein Hund hat eine 59-jährige Frau in Pittenhart in die linke Hand gebissen (Symbolbild).
  • VonPaula L. Trautmann
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Die Tierschutzorgansation Peta fordert einen Hundeführerschein, nachdem ein Mischling eine Frau aus Pittenhart in die Hand gebissen hat. Was ein Polizeihauptkommissar, eine Tierheimleiterin und eine Hundephysiotherapeutin zu dem Fall sagen.

Pittenhart - Nach Angaben in einer Pressemitteilung der Polizeiinspektion Trostberg wurde eine 59-jährige Frau aus Pittenhart am 12. August von einem Hund gebissen. Gegen 7.30 Uhr ging die Dame mit ihrem Schäfer-Husky-Mischling im Bereich des Rothbucher Wegs in Pittenhart spazieren.

Kein Labrador, sondern ein „rumänischer Mischling“

Als ihr Tier auf einen anderen Hund traf, kam es zu einer Auseinandersetzung. Die 59-jährige Dame griff ein und wollte ihren Hund wegziehen. Der Pressemitteilung zufolge biss der fremde Hund der Frau in die linke Hand. Daraufhin musste sie medizinisch behandelt werden. In der Mitteilung stand, dass der Hund, der die Frau angriff, vermutlich ein Labrador ist. Nach Angaben von Polizeihauptkommissar Jürgen Hasenmaier handelt es sich jedoch um einen „rumänischen Mischling“ - das stehe nun in der Akte.

Die Halterin des Hundes hat sich Hasenmaier zufolge aufgrund des Medienaufrufs am Donnerstag, 18. August, bei der Polizei gemeldet. Die Frau ist 38 Jahre alt und stammt ebenso wie die Geschädigte aus Pittenhart. Genaue Informationen über den gesundheitlichen Zustand der Frau hatte Polizeihauptkommissar Hasenmaier nicht. Sie sei bei dem Vorfall jedoch nur leicht verletzt worden.

Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung

Die Polizei habe die Informationen nun gesammelt und werde diese an die Staatsanwaltschaft weitergeben. Diese müsse über die Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung entscheiden. „Ein Halter kann für das Verhalten seines Hundes mitverantwortlich sein. Das hängt aber vom Einzelfall ab“, sagt Hasenmaier.

Peta sieht Problem beim Halter und nicht beim Hund

„Meist liegt das Problem nicht beim Hund, sondern am anderen Ende der Leine. Viele Halterinnen und Halter können das Verhalten, die Signale und die Körpersprache ihres Vierbeiners nicht richtig deuten und einschätzen. Somit ist die wahre Ursache für Beißattacken bei ihnen zu suchen – nicht beim Tier“, wird Monic Moll, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei Peta in der Pressemitteilung der Organisation zitiert. Jeder Hund, der falsch gehalten oder behandelt wird, könne zu einer Gefahr für Mensch und Tier werden.

Der Hundeführerschein sieht nach Angaben in der Pressemitteilung vor, dass künftige Halter bereits vor Aufnahme eines Tieres einen Theoriekurs absolvieren. So erwerben Halter das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden.

Funktionierende Kommunikation sei wichtig

Anschließend folge für Halter und Hund ein „gemeinsames obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule“. Ein solcher Nachweis könne sicherstellen, dass Halter fachkundig mit dem Tier umgehen und die Signale des Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter sei unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern.

Halter müssen sensibel sein

Auch Petra Laumer, Hundephysiotherapeutin aus Schechen, ist für einen solchen Führerschein. Sie hat selbst vier Hunde und ist der Meinung, dass Halter wissen sollten, wie die Tiere ticken, bevor sie sich welche zulegen. „Was zeigt mir ein Hund? Dafür muss man sensibel sein“, sagt Laumer.

Über die Vorgeschichte des Tieres informieren

Dennoch findet die Expertin, dass ein Besitzer nur bedingt Einfluss auf seinen Hund hat. Manche Tiere, etwa aus Tierschutzorganisationen, hätten eine Vorgeschichte. Darauf müsse man achten und sich genau über den Hund informieren.

Sinnvoll bei der Neuanschaffung

Für eine ältere Frau mit 75 Jahren mache ein Hundeführerschein jedoch keinen Sinn mehr. Vor der Neuanschaffung eines Tieres ist ein solcher Schein Laumer zufolge jedoch durchaus sinnvoll. Selbst wenn jemand 30 Jahre lang einen Hund halte, bedeute das nicht, dass der Mensch Tiere wirklich kennt. „Es gibt Leute, die haben seit 30 Jahren den Führerschein und können immer noch nicht einparken“, sagt Laumer.

Sie arbeite auch in einer Tierarztpraxis. Manche Halter fänden es sogar lustig, wenn ihre Hunde „Rambos“ seien. Das findet die Hundephysiotherapeutin nach eigenen Angaben äußerst bedenklich.

Wo ist die Grenze?

Eine so eindeutige Meinung wie Laumer hat die Leiterin des Rosenheimer Tierheims, Andrea Thomas, nicht. Ob ein Hundeführerschein sinnvoll ist, sei „schwierig zu sagen“. Denn wo solle die Regierung die Grenze ziehen? „Müsste eine Familie, die ihr Leben lang einen Hund hatte, auch einen Führerschein machen?“, fragt Thomas.

Tierheimleiterin für freiwillige Information

Sie vermutet, dass erfahrene Halter eher weniger bereit wären nach so vielen Jahren noch einen Schein zu machen. Thomas fände es nach eigenen Angaben schade, wenn die Menschen dazu gezwungen werden, sich mit ihren Tieren zu beschäftigen. „Sie sollten sich freiwillig informieren“, sagt die Tierheimleiterin.

Ein Hundeführerschein diene ihrer Meinung nach der artgerechten Haltung der Tiere. Wer seinen Hund aus einer Tierschutzorganisation, einem Tierheim oder von einem seriösen Züchter hat, werde ohnehin über die Haltung aufgeklärt. Deshalb sollten potenzielle Halter Thomas zufolge darauf achten, Tiere nicht von unseriösen Züchtern zu kaufen. Diese würden Welpen regelrecht „verscherbeln“ und ein „Riesengeschäft“ damit machen.

Nicht die erste Einmischung Petas

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Tierschutzorganisation Peta aufgrund eines Vorfalls in der Region meldet. Ein Beispiel: Im Juli brannte in Obing der Stall eines Bauernhofs nieder. Weil in den Flammen Kälber gestorben sind, hat Peta Strafanzeige erstattet.

Staatsanwaltschaft prüft Anzeige

Nach Angaben von Oberstaatsanwalt Rainer Vietze richte sich die Strafanzeige gegen Unbekannt, der Inhalt werde nun geprüft. „Ermittlungen werden nur durchgeführt werden, wenn diese Prüfung ergeben sollte, dass ein Anfangsverdacht für ein strafbares Verhalten besteht“, sagt Vietze.

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