Seitenwechsel in Bad Endorf

„Mann der Praxis und der Basis“: Gerhard Schloots wechselt von der CSU zu den Freien Wählern

Neu in der Runde: Freie-Wähler-Kreisvorsitzender Sepp Hofer, Barbara Stein und Sepp Lausch begrüßen ihren neuen Parteifreund Gerhard Schloots (2. v. rechts).
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Neu in der Runde: Freie-Wähler-Kreisvorsitzender Sepp Hofer, Barbara Stein und Sepp Lausch begrüßen ihren neuen Parteifreund Gerhard Schloots (2. v. links).
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Als Vorsitzender der größten Kreishandwerkerschaft Bayerns machte er sich einen Namen. Jetzt hat Gerhard Schloots (64) die CSU verlassen, um sich bei den Freien Wählern für die Bundestagswahl aufstellen zu lassen. Die Freien feiern einen prominenten Zugang. Was die CSU zu dem Wechsel sagt.

Bad Endorf –Die Freien Wähler in der Region vermelden einen in der Region bekannten Neuzugang: Gerhard Schloots (64), langjähriger Kreishandwerksmeister und Obermeister der Friseur-Innung, hat die CSU verlassen, um sich den Freien anzuschließen. Deren Kreisvorsitzender Sepp Hofer bezeichnete Schloots gegenüber den OVB-Heimatzeitungen als „Mann der Praxis wie auch der Basis“. Er werde Schloots als Direktkandidaten für die Bundestagswahl am 26. September vorschlagen.

Schloots saß insgesamt sieben Jahre lang für die CSU im Gemeinderat von Bad Endorf. Seinen Austritt aus der CSU-Fraktion hat er bereits erklärt, im Gemeinderat aber will er bleiben. „Um was es mir leid tut, ist die Fraktionsarbeit in der Gemeinde“, sagte Schloots, „die musste ich aufgeben, um andere Dinge bewegen zu können.“ Um was es sich dabei handelt? Er wolle sich weiter für die Region und den Mittelstand einsetzen, sagte Schloots auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen. Offenbar sieht er dafür bei den Freien mehr Chancen als bei den Christsozialen.

Darum verlässt Schloots die CSU

Es sei kein konkreter Punkt, der ihn zum Wechsel veranlasst habe, Schloots spricht vielmehr von einer „Summe“.: der Masken-Skandal um den Unions-Fraktionsvize im Bundestag Georg Nüßlein und den bayerischen Ex-Justizminister Georg Sauter ebenso wie die Corona-Politik.

„Die Großen werden unheimlich unterstützt, die Kleinen bleiben reihenweise auf der Strecke“, sagte Schloots. Warum man bei einem Discounter alles einkaufen dürfe, „von der Luftmatratze bis zum Fernseher“, beim Einzelhändler daneben aber nicht, erschließe sich den Menschen nicht. Der Gemeinderat, Jäger und Nebenerwerbslandwirt sieht nach eigenen Worten den Kontakt der CSU-Partei-Führungsetage zur Basis schwinden. Auch sei er mit seinem Anliegen nicht durchgedrungen, sagt er.

Freie Wähler formieren sich am 31. März

Die Aufstellungsversammlung der Freien Wähler im Landkreis Rosenheim soll nach Hofers Worten am 31. März online stattfinden. „Mit Gerhard Schloots, der sich jahrelang in zahlreichen Ehrenämtern für den Mittelstand eingesetzt hat und selbst jahrzehntelang erfolgreich als Betreiber eines weit bekannten Friseurladens tätig war, werden wir einen sehr erfahrenen Kandidaten für die Wahl am 26. September ins Rennen schicken.“ So lässt sich Sepp Hofer in der Mitteilung des FW-Kreisverbands zitieren.

Ehemalige Parteifreunde in der CSU äußern sich überrascht

Der Bad Endorfer CSU-Ortsvorsitzende Hans Webersberger sieht die bisherige Zusammenarbeit mit Schloots als gut an. „Wir waren auch konsequent in der Umsetzung des Programms“, sagt er. Deswegen sei der Abschied von Schloots „für uns überraschend“.

Die Aufstellung Schloots bei den Freien wollte der CSU-Kreisverband nicht kommentieren. Dessen Vorsitzender Klaus Stöttner teilte lediglich seine persönliche Meinung mit: Er habe „aus Standesbewusstsein“ Schloots einen Wechsel der Pferde „nie zugetraut“.

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