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Mit Lederhose und Akkordeon nach Texas

1997 besuchte Willi Eitel zum ersten Mal Texas mit seinem 1000 Kilometer langen Strand. Jetzt, 2015, wandert er in das Land seiner Träume aus. Immer dabei: Sein Akkordeon, Hundedame Priscilla und eine Knarre. "Ich bin doch nicht blöd", meint er auf die erstaunte Nachfrage. Auf einer der vielen "Shooting farms" wird er sich im Gebrauch unterweisen lassen. Foto  ammelburger
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1997 besuchte Willi Eitel zum ersten Mal Texas mit seinem 1000 Kilometer langen Strand. Jetzt, 2015, wandert er in das Land seiner Träume aus. Immer dabei: Sein Akkordeon, Hundedame Priscilla und eine Knarre. "Ich bin doch nicht blöd", meint er auf die erstaunte Nachfrage. Auf einer der vielen "Shooting farms" wird er sich im Gebrauch unterweisen lassen. Foto ammelburger

Amerika liegt ihm - schon lange. Seit etlichen Jahren tourt Willi Eitel, vielen bekannt als "Sunshine Willi", regelmäßig für mehrere Wochen im Jahr musizierend durch die Staaten.

Texas wurde so die Region seiner Träume. "Dort werde ich mich jetzt in Walburg, einer 200-Seelen-Gemeinde, 40 Autominuten nördlich von Austin, häuslich niederlassen", sagt der 63-jährige Höslwanger. Mit "häuslich" meint der weitum bekannte Musiklehrer und Inhaber der Chiemgau-Musikschule sein geräumiges Wohnmobil - das wartet schon auf ihn. Seine Augen leuchten, geradezu tatendurstig hört sich Willi Eitel im Gespräch an. An der Georgetown University hat er einen Lehrauftrag für Harmonielehre sowie bayerisches Akkordeon und Volksmusik bekommen. "Sobald mein Visum da ist, bin ich weg", meint er.

Höslwang - Dort wird dann, so hofft er, auch alles gut. Denn seit dem Tod seiner Frau vor einigen Jahren fühlt er sich in Höslwang irgendwie "einbeinig", erzählt er. "Hier habe ich das Gefühl, umzufallen." In Amerika sei das anders. "Dort ist sie immer an meiner Seite. Ich fühle sie um mich." Deshalb sei es ihm schließlich nach reiflicher Überlegung auch nicht schwer gefallen, den Entschluss, auszuwandern zu fassen.

Mit seinen inzwischen erwachsenen Kindern (39 und 35) hatte er ausführlich seine zunächst noch vagen Ideen besprochen. "Wider Erwarten haben sie mich bestärkt, meine Pläne in die Tat umzusetzen", erinnert er sich. Im Gegenteil, sie hätten ihn sogar aktiv unterstützt. So wurde eine Hürde nach der anderen beseitigt und der Weg für die Auswanderung nach Amerika frei gemacht: Haus ausräumen und Mieter suchen, neue Kranken- und Rentenversicherung in Amerika sowie das "Künstlervisum" anleiern. Und auch die Chiemgau-Musikschule wurde aufgelöst. "Das war für mich nicht einfach. Schließlich habe ich dort über 30 Jahre Musik unterrichtet und die Fortschritte meiner Schüler mit Herzblut begleitet", sagt er.

Natürlich hat "Sunshine Willi" - sein geliebter Künstlername, der auch in seinem Pass eingetragen ist - nicht unüberlegt alle Zelte hinter sich abgebrochen. "Der Weg zurück zu meiner Familie ist immer möglich, aber ich will es noch einmal wissen. Das hängt mir einfach raus", macht er klar.

Das Fernweh scheint ihm im Blut zu liegen: Willi Eitel, 1951 in München geboren, ging nach dem Abitur am Münchner Rupprecht-Gymnasium zur Marine und absolvierte die Seeoffiziersausbildung. Dann wechselte er das Metier und wurde Starfighterpilot. Die Düsenjägerausbildung erhielt er in Texas. "Schon damals reiste ich gerne mit Auto und Frau durch Amerika", erinnert sich der Tausendsassa.

Doch die Musik ließ ihn nie los. Nach einem Absturz mit dem Starfighter hatte er genug und sattelte um. Er wurde Lehrer für bodenständige bayerische Volksmusik, machte seine Diplome in Akkordeon (Hauptfach), Gitarre, Ziach und Kontrabass und gründete 1982 seine Chiemgau-Musikschule in Höslwang.

Seit seinem Unfall ist Fliegen nur noch ein Hobby für ihn. Er hat die Privatpilotenlizenz (PPL) und plant, in den USA mit einem Ultralight herumzudüsen. "Da brauche ich nur eine 300 Meter lange Landebahn, ein Klacks", lacht er.

Überhaupt freut er sich auf sein künftiges Leben in Amerika, je näher die Abreise heranrückt. Dank seines Spezialvisums darf er drüben arbeiten und Geld verdienen. Fix gebucht sind zwei Dinge für die nächsten Jahre: Musikunterricht für Profis an der Uni geben und auf Konzert-Tour mit Priscilla gehen. Die aufgeweckte Hundedame ist seine "ständige Begleiterin" und sein "Service-Dog". Ihr Vorteil: Als medizinischer Begleithund darf sie sofort mit Herrchen einreisen.

Bei diesem und vielen anderen Themen seien die Amerikaner wesentlich lockerer als die Deutschen, seufzt Willi Eitel. Überhaupt liebe er diesen so ganz anderen Lebensstil in Amerika: ehrlich, uneitel, echt, weniger Stress und Aufgeregtheit. "Du bist auch ohne protzige Statussymbole anerkannt. Das hat mir schon immer gefallen." Bei einer seiner Musikreisen sei er durch Walburg gekommen und habe das Örtchen kennen- und schätzen gelernt. "Natürlich bin ich mit meinen 63 Lenzen nicht einfach losgestolpert. Ich habe alles gut durchgerechnet", gibt er zu.

Nach Texas zum

"Jodlerwirt"

Je öfter er in Texas war, umso mehr habe ihn das Land und seine Leute angezogen. Seit 30 Jahren kennt er dort den Deutschen Ronny Tippelt, den "Jodlerwirt von Texas", wie sie ihn nennen. In seinem Restaurant mit einem riesigen bayerischen Biergarten wird "Sunshine Willi" spielen - natürlich seine geliebte bayerische Volksmusik. "Da fahren die Fans fünf Stunden, nur um meine Musik zu hören und ein schönes Schnitzel zu essen. Natürlich ohne Ketchup - wie es sich gehört", erklärt er. "Fünf Köche produzieren bayerische Schmankerl, die sich sehen lassen können."

Je länger er erzählt, umso begeisterter wird er. "Ich habe eine gewaltige Power und viele Pläne. Das wird klappen, ich weiß es." Besonders aber freut er sich auf seine Lederhose: "Die ziehe ich drüben nicht mehr aus!"

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