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„Grauenhafter Ausblick auf Monsterfahrzeuge“

Offener Brief gegen Wohnmobilstellplatz in Aschau im Chiemgau

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Die Arbeiten am „Freizeitareal Haindorf“ haben begonnen: dort entsteht ein Wohnmobilstellplatz und ein Parkplatz
  • Katharina Koppetsch
    VonKatharina Koppetsch
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Nur mit einer Gegenstimme beschloss der Aschauer Gemeinderat, dass auf dem „Freizeitareal Haindorf“ ein Wohnmobilstellplatz entstehen soll. Doch nun regt sich Widerstand unter den Bürgern.

Aschau im Chiemgau - Nur Grünen-Gemeinderätin Edda Weimann hatte gegen das Projekt gestimmt. Jetzt zeigt sich: Weimann ist nicht die einzige Aschauerin, die das Projekt kritisiert. Auch Barbara Höper hat Bedenken. Sie schrieb einen offenen Brief an die Gemeinderäte und Bürgermeister Simon Frank.

48 Wohnmobilstellplätze geplant

„Ich habe den Brief mir zuliebe geschrieben“, sagt Barbara Höper. Denn Aufhalten könne Höper den Bau des Campingplatzes nicht mehr. Im Juni hatte der Gemeinderat für das Projekt gestimmt , die ersten Arbeiten haben bereits begonnen. Am sogenannten „Freizeitareal Haindorf“ entsteht eine Aufstellfläche für maximal 48 Wohnmobile. Zudem ist eine Parkfläche von 128 Stellplätzen geplant, um den Besuchern der umliegenden Freizeiteinrichtungen eine Parkmöglichkeit zu geben. Beide Projekte wurden vonseiten des Gemeinderates auf den Weg gebracht. Mit dem Wohnmobilstellplatz wolle die Gemeinde die Touristen, die derzeit über das Gemeindegebiet verteilt parken, bündeln, sagt Bürgermeister Simon Frank (Zukunft für Aschau). Mit dem Stellplatz hätten die Reisenden einen Ort, an dem sie eine zentrale Wasser- und Energieversorgung haben.

Nichtsdestotrotz war es der Aschauerin ein Anliegen ihre Bedenken zu dem Projekt zu äußern. Dabei stören Höper vor allem die Informationspolitik der Gemeinde und der Standort. Zudem findet Höper, dass mit dem Bau des Campingplatzes gegen das Leitbild der Gemeinde gehandelt werde.

Wurden die Bürger informiert?

„Die Bürger wurden gar nicht richtig informiert“, wirft Höper der Gemeinde vor. Der Campingplatz sei einfach innerhalb des Gemeinderates beschlossen worden. Höper hätte sich eine Informationsveranstaltung vonseiten der Verwaltung zu dem Projekt gewünscht. „Viele Bürger haben gegen das Projekt protestiert“, schreibt Höper in ihrem offenen Brief. Gegen diesen Vorwurf wehrt sich jedoch Bürgermeister Frank. Wie jedes Projekt sei auch der Wohnmobilstellplatz zwei Mal öffentlich ausgelegt worden. „Ich habe das Thema in der Bürgerversammlung und mehrmals im Gemeindeblatt angesprochen“, sagt Frank.

Auch den Standort erachtet Höper als bedenklich. „Wenn man von Bernau nach Aschau fährt, hat man den wunderbaren Blick auf die Kirche, das Schloss, das Zellhorn, alle zusammen sind die Wahrzeichen des Ortes“, so Höper. „Dies wird nun durch grauenhafte Ausblicke auf Monsterfahrzeuge verstellt.“ Die Blickachse wird erhalten, sagt Bürgermeister Simon Frank. Damit der Blick auf Kirche, Schloss und Zellhorn nicht mehr möglich sei, müsse der Betrachter schon auf die Knie gehen.

Wertschöpfungskette wird gefördert

Doch ist das noch sanfter Tourismus? In den Augen von Höper nicht. „Im Aschauer Leitbild steht, dass die Gemeinde sich für sanften Tourismus einsetzt. Das ist mit dem Bau des Campingplatzes obsolet.“ Das Aschauer Leitbild wurde vor ein paar Jahren von der Aschauer Verwaltung erarbeitet. In ihm wurden Leitlinien entwickelt, die zwar nicht bindend sind, aber die ein Wegweiser für politische Entscheidungen sein sollen. Im Leitbild heißt es: „Der gesamte Ort gestaltet seinen Tourismus im Sinne der Initiative Bergsteigerdörfer und zeigt sich damit natur- und sozialverträglich.“

Bürgermeister Simon Frank verteidigt das Projekt. „Es steht mit dem Leitbild Aschau 2035 im Einklang.“ Zum einen habe man mit einem Wohnmobilstellplatz eine moderate Entwicklung in Sachen Tourismus. Das Areal liege vor dem Ort, der Pachtvertrag läuft auf 10 Jahre. „Wenn der Gemeinderat dann beschließt das Projekt nicht weiterzuverfolgen, kann der Wohnmobilstellplatz einfach zurückgebaut werden“, erklärt Frank. Zudem stehe in den Leitlinien ebenfalls die Wertschöpfungsketten im Ort zu unterstützen. Mit einem Wohnmobilstellplatz passiere genau das: der heimische Bäcker, Metzger sowie die Unternehmen profitieren.

Zudem greift Höper in ihrem Brief eine Kritik vonseiten Franks auf, die er im Gemeindeblatt im August geäußert hat. Dort schrieb Frank. „Selbst bei niederschwelligen und aus meiner Sicht behutsam geplanten Vorhaben der Gemeinde werden Gegeninitiativen forciert, die leider oft polarisierende Darstellungen verbreiten. ‚Einfach nein sagen‘ löst keine Probleme und wird der Sachlage nicht gerecht.“ Höper verteidigt ihr Nein-Sagen. Laut Höper seien gerade diese „Problemschreiber“, diejenigen Bürger, die ihr Dorf und ihre Heimat lieben und diese versuchen zu bewahren. „Ein Gemeinderat sollte stolz auf diese Bürger sein, die sich dafür einsetzen.“

Doch Höper kritisiert nicht nur in ihrem offenen Brief. „Was kann jetzt noch zur Rettung getan werden?“, fragt sie und antwortet: „Vogelschutzhecken, Baumpflanzungen und artenreiche Wiesen“. Aschaus Bürgermeister Frank betont der Wohnmobilstellplatz wurde durch die Untere Naturschutzbehörde genehmigt. Der engagierte Landschaftsplaner sieht für das Gelände bereits Büsche, Hecken und Sträucher vor, die auch eins zu eins so umgesetzt werden. Damit werde ein Lebensraum für Vögel und Kleintiere geschaffen, so Frank, den die Tiere derzeit vor Ort nicht haben.

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