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„Die Solidarität in der Gemeinde ist groß“

Dach von Stadel und Wohnhaus abgeräumt: Unwetterschäden in Halfing immens

Massive Schäden an einem Hof im Weiler Hofbau. Schon am Donnerstagvormittag wurden die Dächer neu eingedeckt. Freunde und Nachbarn eilten zur Hilfe.
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Massive Schäden an einem Hof im Weiler Hofbau. Schon am Donnerstagvormittag wurden die Dächer neu eingedeckt. Freunde und Nachbarn eilten zur Hilfe.
  • Sylvia Hampel
    VonSylvia Hampel
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„Jeder, der schweres Gerät hat, ist unterwegs“. Am Tag nach dem Unwetter war in Halfing das große Aufräumen bereits in vollem Gange. Zur Freude von Bürgermeisterin Regina Braun und den Betroffenen packen viele mit an. Einen Hof hat es besonders hart getroffen.

Halfing – Bürgermeisterin Regina Braun hat sich nach ein paar Stunden Schlaf auf den Weg durch ihren Ort gemacht. „Es ist ein Schlachtfeld. Aber überall wird angepackt.“ Am Morgen nach dem Unwetter galt es als erstes, möglichst viele Straßen frei zu bekommen.

Entwarnung für den Kirchturm um 11.11 Uhr

Das größte Sorgenkind in der 2770-Einwohner-Gemeinde war bis Donnerstag Vormittag der Kirchturm. Der war durch Wind, Hagel und Regen so geschädigt, dass fausttiefe Risse auftraten, Einsturzgefahr drohte. Die Gebäude rund um die Kirche – inklusive eines Hotels – wurden geräumt. Die Gottesdienste für das Wochenende sind abgesagt. Die Entwarnung kam um 11.11 Uhr per E-Mail aus dem Pfarrbüro: Der Kirchturm ist gesichert, ab Dienstag können voraussichtlich wieder Gottesdienste stattfinden.

Unwetter schlug ohne Vorwarnung zu

Das Unwetter traf Halfing ohne große Vorwarnung : Heftiger Wind, schwarze Wolken „und dann gingen die Schleusen auf“, prasselten Hagel und Regen von allen Seiten auf die Gemeinde, erzählt Christina Binder, die am Ortsrand Richtung Söchtenau wohnt. „Es ging so schnell – und nach zehn Minuten war alles vorbei. Unglaublich!“

Umgestürzte Bäume beschädigten im Halfinger Gemeindegebiet zahllose Dächer, rissen Einfahrten und Straßen auf.

Christina Binders Schwiegervater trauert um seinen Gemüsegarten. Von dem ließ das Unwetter nichts übrig. Kein Einzelfall. Rund um Halfing liegen entwurzelte Bäume in den Gärten, Mais und andere Getreide platt auf dem Acker.

Freunde und Nachbarn helfen beim Dachdecken

Besonders schlimm traf es Familie Aimer in Hofbau. Dort deckte der Sturm den Stadel ab, beschädigte das Dach des Wohnhauses, warf Bäume um. „Wir waren gar nicht zuhause“, sagt Martina Aimer und bei der Schwiegermutter ein paar hundert Meter weiter sei es nicht so dramatisch gewesen. Ihrer Mieterin hingegen sei die Photovoltaikanlage um die Ohren geflogen, die habe richtig Angst gehabt. Aber es gehe ihnen allen gut. Nur der Kleine mit seinen anderthalb Jahren sei durcheinander, verstehe natürlich noch nicht, was passiert ist.

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Auch bei Aimers begann am Donnerstag das große Aufräumen. Die Dächer von Stadel und Wohnhaus wurden erst abgeräumt und noch am Vormittag neu eingedeckt. „Da pressiert’s.“ 15 Freunde, Bekannte und Nachbarn packten an und es kamen immer neue hinzu. „Die Solidarität in der Gemeinde ist groß“, freut sich Martina Aimer. Und sagt, trotz immensem Schaden an Haus und Hof, „im Vergleich zu den Menschen im Ahrtal sind wir noch glimpflich davon gekommen.“

Erstklässler waren gerade raus, da flog das Pfarrheimdach

Das Unwetter kam gegen halb eins. Da waren die Erstklässler, die coronabedingt aus der Schule ins Pfarrheim ausquartiert wurden, gerade auf dem Heimweg. Und dann flog das Dach des Pfarrheims weg, landete auf dem Stall des Nachbarn. „Ich will mir gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wäre das Unwetter nur eine halbe Stunde früher über uns hinweggezogen“, schüttelt es Pfarrsekretärin Irmgard Binder noch einen Tag später.

Feuerwehr im Dauereinsatz

Einsatzende der Halfinger Feuerwehr war am Mittwoch um 23 Uhr. Am Donnerstag ging es um 7 Uhr für 50 Feuerwehrleute schon weiter. Umgefallene Bäume beseitigen, Aufräumarbeiten erledigen „und wir sind mit einer Fachfirma am Kirchturm“, so Kommandant Wolfgang Stangl. 470 Einsatzkräfte, viele aus nicht betroffenen Gemeinden in der Umgebung, waren am Mittwoch im Einsatz. Jetzt packen vor allem die Halfinger an.

Zufahrt zu Gut Immling freigeräumt

Plattgemacht hat das Unwetter rund um Halfing etliche Getreidefelder.

Zum Beispiel in Immling. Denn da hat das Unwetter den zweiten Fluchtweg von Gut Immling verrammelt. „Der ist aber Gundbedingung, dass dort die Veranstaltungen stattfinden können“, erklärt Bürgermeisterin Regina Braun. Also begannen dort gleich in der Früh die Aufräumarbeiten. Denn um 19 Uhr stand „O sole mio“, eine musikalische Reise in den Süden, auf dem Spielplan. Ausverkauft.

Ortsdurchfahrt bis Donnerstag Abend gesperrt

Wie das Staatliche Bauamt Rosenheim mitteilt, muss die Ortsdurchfahrt von Halfing auch weiterhin gesperrt bleiben. Die zuständigen Mitarbeiter der Straßenmeisterei Rosenheim rechnen damit, dass die Sperrung erst im Laufe des Abends am Donnerstag, 29. Juli, aufgehoben werden kann. Betroffen sind die Staatsstraße 2360 Richtung Amerang, die Staatsstraße 2092 Wasserburg - Bad Endorf in beide Richtungen sowie die Staatsstraße 2079 von Schonstett kommend. Ortskundige sollten den Bereich, wenn möglich, weiträumig umfahren.

„Bogenecho“ sorgt für Verwüstung

Ein einfacher Blick auf das Wetterradar war beim Sturm in Halfing nicht genug, um die orkanartigen Böen zu erklären. Denn laut dem Leiter der regionalen Wetterberatung des Deutschen Wetterdienstes, Guido Wolz, wurden am Mittwochmittag in der Nähe der Gemeinde nur Windgeschwindigkeiten von 78 Stundenkilometern gemessen. Ein Wert, der für das Ausmaß an Schäden eigentlich bei Weitem nicht ausreicht.

Durch einen starken Abwind im Zentrum der Gewitterzelle entstanden jedoch punktuell Windböen, die auch die Stärke eines Orkans mit Geschwindigkeiten von rund 120 Kilometern pro Stunde erreichen können. Durch dieses sogenannte Bogenecho können laut dem Meterologen auch zunächst harmlos erscheinende Gewitterzellen sehr gefährlich werden und zu schweren Schäden wie in Halfing führen.

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