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Fliegen und forschen in Vulkan-Asche

Professorin Dr. Bernadett Weinzierl an ihrem Hauptarbeitsplatz: vor dem Forschungsflugzeug, das Messgeräte in den Himmel schickt, um Staub, Ruß- und Aschepartikel zu analysieren. dlr
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Professorin Dr. Bernadett Weinzierl an ihrem Hauptarbeitsplatz: vor dem Forschungsflugzeug, das Messgeräte in den Himmel schickt, um Staub, Ruß- und Aschepartikel zu analysieren. dlr

Halfing/Frasdorf– Kinder fürchten sich in der Regel vor Blitz und Donner, nicht so Bernadett Weinzierl: Schon als kleines Mädchen schaute sie stets wie gebannt in den Himmel, wenn sich dort ein Gewitter zusammenbraute.

„Auch Flugzeuge haben mich schon früh fasziniert“, erinnert sie sich.

Heute ist der Himmel ihr Arbeitsplatz: Mit einem Forschungsflugzeug fliegt die gebürtige Halfingerin sogar mitten in Aschewolken von Vulkanen, um die Wirkung von Asche- und Staubpartikeln auf das Klima zu untersuchen. Nach knapp fünf Jahren als Juniorprofessorin für Experimentelle Aerosolphysik „steigt“ die 36-Jährige jetzt erneut auf: Sie übernimmt am 1. März einen Lehrstuhl für Aerosol- und Clusterphysik an der Universität Wien – und forscht dort unter anderem für die Raumfahrtbehörde NASA.

„Geerdet durch die Musik“

Die Frasdorfer kennen Professorin Dr. Bernadett Weinzierl seit 21 Jahren vor allem als hervorragende Organistin. Denn die Musik ist die zweite große Leidenschaft der Naturwissenschaftlerin – „ein perfekter Ausgleich“, sagt die Forscherin, die auch Klavier und Flöte spielt. Durch die Musik wird sie „geerdet“, denn sehr viel Zeit ihrer beruflichen Tätigkeit verbringt die junge Professorin in der Luft. Hier misst die Meteorologin, die am Ignaz-Günther-Gymnasium Rosenheim Abitur machte und an der LMU München studierte, die Auswirkungen von in der Luft schwebenden Partikeln, sogenannte Aerosole, auf das Wetter und Klima – im Auftrag des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen.

Hier hatte sie nach dem Studium mit einer Initiativbewerbung überzeugt. Im Alter von erst 29 Jahren übernahm sie bereits die Leitung einer Nachwuchsforschungsgruppe am DLR-Institut für Physik der Atmosphäre, 2014 wurde sie als erfolgreiche junge Forscherin mit einem Preis des Europäischen Forschungsrates geehrt.

Eine steile Karriere, die die im Chiemgau und in München lebende Wissenschaftlerin jetzt weiter nach Wien führt – an eines der traditionsreichsten und bekanntesten Institute weltweit, die sich mit der Aerosolforschung beschäftigen. Auch hier gehört sie wie an der LMU und am DLR zu den jüngsten Professorinnen und zu den wenigen Frauen in diesen Ämtern.

Bernadett Weinzierl räumt mit dem Vorurteil auf, dass wissenschaftliche Forschung vor allem im stillen Kämmerlein hinter verschlossenen Labortüren stattfindet. Ihre Arbeit ist vor allem eins: „spannend“ – Nervenkitzel inklusive. Denn mit dem Forschungsflugzeug fliegt die Professorin sogar tief hinein in die Aschewolken von Vulkanen – etwa nach dem Ausbruch des Eyjafjallajökull in Island, als der Luftraum schon längst geschlossen war. Oder nur 100 Meter hinter einem Flugzeug, um die Abgase zu messen. Waghalsige Flugmanöver für die Wissenschaft gibt es jedoch nicht. Stets tastet sich das Forscherteam vorsichtig an die Gefahrenstelle heran – nach akribischen Sicherheitsabschätzungen, die verhindern, dass die Triebwerke ausfallen.

Waldbrände und Saharastaub

Auch diese Checks gehören zu den Aufgaben der Professorin, die mal im Flugzeug sitzt, um die Messgeräte zu bedienen, mal, um den Ablauf des Forschungsfluges zu managen. Sie untersucht außerdem die Auswirkungen von Waldbränden oder Saharastaub auf das Klima: Letzterer beeinflusst die Atmosphäre viel öfter als vermutet. Dem Normalbürger fällt der Staub aus der Wüste nur auf, wenn er sich als sichtbare Schicht auf dem Autofenster zeigt, dabei kommt es mindestens einmal im Monat zum Transport von Sahara-Staubschichten, die für das Auge nicht erkennbar sind, nach Zentraleuropa, berichtet Bernadett Weinzierl im Gespräch mit unserer Zeitung. Staub, Ruß, Asche: All diese in der Luft schwebenden Partikel beeinflussen nach ihren Forschungen das Wetter und Klima – auch, weil sie über Tausende Kilometer transportiert werden. Wie sich diese Prozesse auf die Bildung von Wolken und auf die Luftqualität auswirken, untersuchen die Forscher der Aerosol-Physik.

Ihre Erkenntnisse helfen nach Angaben von Bernadett Weinzierl, die Wettervorhersagen und die Flugsicherheit weiter zu verbessern. Außerdem untersuchen die Physiker und Meteorologen, wie sich die schwebenden Partikel auf die Gesundheit der Menschen auswirken.

„Forschung ist Detektivarbeit“

Die Messwerte für die Analysen liefern die Flüge. Doch für Bernadett Weinzierl ist auch die anschließende Arbeit im Labor und Büro eine spannende Aufgabe. „Ich vergrabe mich gerne in meinen Daten, Forschung ist Detektivarbeit“, stellt sie fest. Spaß bereitet der 36-Jährigen, die mit einem IT-Projektleiter verheiratet ist, auch die Lehrtätigkeit. Denn für das anstrengende Physikstudium entscheiden sich in der Regel nur Studenten mit Leidenschaft für diese Naturwissenschaft. So wie Bernadett Weinzierl, die als Pilotin für die Forschung sogar bereit ist, in die Luft zu gehen.

FLIEGEN UND FORSCHEN IN VULKAN-ASCHE

PORTRÄT DER WOCHE: BERNADETT WEINZIERL, PROFESSORIN FÜR AEROSOLPHYSIK

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