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RELIGIÖSES BRAUCHTUM

Fastenkrippe in Aschau: Der Weihnachtsengel reicht Jesus den Kelch

Ein Engel in Doppelfunktion: ( von links) Zu Weihnachten verkündet er die Frohe Botschaft von der Geburt Christi, zu Ostern reicht er dem Heiland den Kelch im Garten Gethsemane. Die Jünger schlafen, an die Felsen gelehnt.
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Ein Engel in Doppelfunktion: ( von links) Zu Weihnachten verkündet er die Frohe Botschaft von der Geburt Christi, zu Ostern reicht er dem Heiland den Kelch im Garten Gethsemane. Die Jünger schlafen, an die Felsen gelehnt.
  • VonElisabeth Kirchner
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Krippen werden spätestens Lichtmess abgebaut, meist schon am 6.Januar. Nicht mit Gisa Obermaier: Die Aschauerin pflegt die Tradition der Fastenkrippe.

Aschau – Noch betet Jesus im Garten Gethsemane, ein Engel reicht ihm einen Becher zur Stärkung, während die drei Jünger Petrus, Johannes und Jakobus erschöpft eingeschlafen sind. Die Passage aus dem Neuen Testament, die den Gründonnerstag einleitet, kennen viele, aber eine Darstellung der Leidensgeschichte Jesus in Krippenform - wer kennt das?

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Gisa Obermaier (80) aus Aschau lässt bei sich zu Hause die Tradition der Fastenkrippe, die die letzten Lebenstage Jesu und seiner Auferstehung zeigt, wieder aufleben. Fastenkrippen, muss man dazu wissen, entstanden in der Barockzeit und haben sich vor allem im südbayrischen und tirolerischem Raum bis heute erhalten.

Schon als Kind wollte Gisa Obermaier eine eigene Krippe haben.

Blickfang in der guten Stube

Und da Gisa Obermaier schon als Kind eine Krippe haben wollte und die Eheleute Obermaier nach und nach zwölf Weihnachtskrippen gesammelt und die erste, die geschnitzte, zu einem Gutteil großzügig, detailreich und aufs Anmutigste ergänzt und erweitert haben, lag es irgendwann nahe, eine Fastenkrippe in der guten Stube aufzubauen.

Glaube, Hobby und Berufung

Man mag Krippen kitschig finden, als Frömmelei abtun oder als religiöse Volkskunst bezeichnen, für Gisa Obermaier bedeutet die Fastenkrippe – genau wie ihre Weihnachtskrippen - mehr. Es ist Glaube, Hobby, Berufung und Beruf.

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Denn die gelernte Trachten-Damenschneiderin, die jahrzehntelang selbstständig viele Damen in Maßgewand einkleidete und sich bei den Aschauer Auferstehungsspielen 2005 und 2019 als Kostümschneiderin eingebracht hat, hat die „nackten“ geschnitzten Figuren aus dem Grödner Tal in Südtirol in selbst genähte Gewänder gehüllt.

Anleihen bei der Weihnachtskrippe

Doch so manches Accessoire, das die Figuren in Händen halten oder so einige Deko-Stücke wie Sträucher oder felsenhart anmutenden Wurzeln, erfährt bei ihr in der Fastenzeit ein „up-cycling“. Wer schon jemals in den Genuss kam, Gisa Obermaiers Weihnachtskrippe zu bewundern, erkennt einige Elemente wieder.

So reicht der Engel, der in der Weihnachtskrippe die Frohe Botschaft verkündet, in der Fastenkrippe den Kelch. Und in dem Gefäß bringen die Heiligen Drei Könige dem neugeborenen Jesukind Gold, Weihrauch und Myrrhe dar.

Das Hintergrundbild, ein nachtblauer Himmel, hat ihr einst ein Mädchen aus der Nachbarschaft auf Sperrholz gemalt und es wird bis heute in Ehren gehalten – zweimal im Jahr, an Weihnachten und in der Passionszeit, wird es wieder aufgebaut.

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Und den Felsen, an den die Jünger gelehnt schlafen, hat sich Gisa Obermaier von einer Reise nach Kroatien mitgebracht. Ein Strandgut aus altem Olivenholz. Bei so viel Kreativität und eingebundener Natur nimmt es nicht Wunder, dass die Szene am Ölberg täuschend echt wirkt.

Bibelstellen werden in der Krippe lebendig

Ab Gründonnerstag bewegen sich die Figuren weiter - von der Gefangennahme am Ölberg, der Geißelung Jesu und seine Verurteilung durch Pontius Pilatus bis hin zur Auferstehung - die Bibelstellen werden mit und in der Krippe lebendig. In der Aschauer Pfarrkirche geht die plastische und bewegliche Darstellung am Hochalter auf das Jahr 1645 zurück, wie man in der Chronik des Heimat- und Geschichtsvereins nachlesen kann.

Erst erscheint der Mond

Gisa Obermaier muss lachen, so lange pflegt sie ihre Tradition natürlich noch nicht, ihre Fastenkrippe habe sie erst seit gut 20 Jahren, rechnet sie nach.

Doch dass sich die Bibel plastisch darstellen lässt und sich Gläubige vielleicht gerade dadurch die Geschehnisse rund um den Tod Jesu in Erinnerung rufen, das sei doch Grund genug für eine plastische Darstellung der Passionszeit, findet sie.

Sie selbst sei als Kind von dem bewegten Altarbild in der Aschauer Pfarrkirche fasziniert gewesen. „Jeden Fastensonntag wanderte der Mond über der Szenerie ein Stück weiter, und wenn dann der Engel erschien…“ Ein Grund mehr, sich mal wieder in der Aschauer Pfarrkirche in das Bild am Hochaltar zu vertiefen und sich die Passion vor Augen zu führen.

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