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Projekt „Jugend in Arbeit“

„Ein Mensch, der an dich glaubt“ – Wie ehrenamtliche Paten Jugendliche beim Einstieg ins Berufsleben begleiten

Engagiert und gut gelaunt: Im Vordergrund von rechts die Leiterinnen des Patenprojektes Kerstin Stock, Regina Haidn und Silvia Schütz, dahinter die engagierten Paten sowie Bürgermeister Alois Loferer (hintere Reihe links).
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Engagiert und gut gelaunt: Im Vordergrund von rechts die Leiterinnen des Patenprojektes Kerstin Stock, Regina Haidn und Silvia Schütz, dahinter die engagierten Paten sowie Bürgermeister Alois Loferer (hintere Reihe links).

Schule, Ausbildung oder vielleicht Studium? Den Jugendlichen steht angeblich die Welt offen. Doch was machen junge Erwachsene, die keine Unterstützung von zu Hause bekommen? Das Projekt „Jugend in Arbeit“ nimmt sich diesen Jugendlichen an. Ehrenamtliche Paten unterstützen sie auf ihrem Weg in das Berufsleben.

Von: Beate Leitner

Bad Endorf – An einem Freitagnachmittag im Mai hat sich in den Seminarräumen des Hotels „Seeblick“ am Pelhamer See eine gut gelaunte Gruppe Ehrenamtlicher versammelt, um sich für eine ganz besondere Aufgabe weiterzubilden. Sie sind Paten im Rahmen des Projektes „Jugend in Arbeit“ und wollen im übertragenen Sinne Leben retten, indem sie Jugendliche in der Endphase ihrer schulischen Laufbahn begleiten und ihnen beim Einstieg ins Berufsleben zur Seite stehen.

Wenn Struktur im Alltag fehlt

Die meisten jungen Menschen schaffen diesen Schritt problemlos mit Unterstützung durch die Eltern oder durch das eigene soziale Umfeld. Ist das Elternhaus aus verschiedenen Gründen überfordert, sind die Lebensumstände schwierig oder fehlt im Alltag die Struktur, dann schwindet die Motivation. Es hagelt schlechte Noten, der Schulabschluss gerät in Gefahr und damit die Chance auf eine Berufsausbildung und späteren Arbeitsplatz.

In dieser problematischen Lage stehen die Paten bereit, um „Chancengerechtigkeit herzustellen“, so Kerstin Stock, eine der drei hauptamtlichen Leiterinnen von „Jugend in Arbeit“. Zur Begrüßung der Teilnehmer haben sich Kreisrat Sepp Hofer (FW), Bad Endorfs Bürgermeister Alois Loferer, Christine Domek-Russwurm, Vorsitzende der „Rosenheimer Aktion für das Leben“ und Verena Seischab, „Junge Arbeit Rosenheim“, die Zeit genommen und unterstreichen damit den hohen Stellenwert des Projektes.

Hohe gesellschaftliche Relevanz

„Eine Studie in USA hat einmal festgestellt, dass Jugendliche, die trotz schwieriger Umstände im Leben ihren Weg gemacht haben, alle einen Mentor hatten, der sie bei der Hand genommen hat,“ so Hofer. Er ist selbst seit 13 Jahren Pate, das Projekt ist für ihn eine Herzensangelegenheit. „Es reicht ein Mensch im Leben, der an dich glaubt“, ergänzt Christine Domek-Russwurm. Beide betonen die hohe gesellschaftliche Relevanz des Paten-Projektes, da jeder junge Erwachsene mit abgeschlossener Berufsausbildung die Chance hat, zum Steuerzahler, statt zum Harz IV-Empfänger zu werden.

Auch einem Abdriften auf die schiefe Bahn könne man so entgegenwirken, erklärt Hofer, der bereits sechs Patenkinder begleitet hat. „Das sind oft wirklich intelligente Burschen oder Madln, die fallen dann in der Schule wegen schlechten Verhaltens auf und sind kurz davor, rausgeworfen zu werden. Wenn man es schafft, dass so jemand eine Ausbildung abschließt, dann ist das ein Sieg für alle. Das ist Inklusion und Teilhabe mal auf einer anderen Ebene.“ Nicht zuletzt deshalb wurde „Jugend in Arbeit“ 2020 mit dem Integrationspreis des Bezirks Oberbayern ausgezeichnet.

Rund 200 Paten im ganzen Landkreis

Zum Projekt gehören derzeit rund 200 Paten, verteilt über den ganzen Landkreis, örtlich einer der 16 Mittelschulen zugeteilt. Sie haben ganz unterschiedliche berufliche Werdegänge, ob Personalmanager, Handwerker oder Postzusteller und setzen dadurch ihre individuellen Schwerpunkte in der Patenarbeit. Unterstützung bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen, Suche nach einem Praktikumsplatz, Nachhilfe oder Prüfungsvorbereitung. Die Liste ist lang.

Manchmal überzeugt das Vertrauen in den Paten den Ausbildungsbetrieb, einem schwierigen Bewerber eine Chance zu geben.

Die Initiative für eine Patenschaft entsteht meistens durch die Schulsozialarbeiter, manchmal auch durch die Schüler selbst. Nach dem ersten Gespräch zwischen dem Jugendlichen und dessen Eltern mit den hauptamtlichen Mitarbeitern des Projektes, treffen diese eine Vorauswahl aus dem Paten-Pool. Nach dem ersten Kennenlernen können sich alle Beteiligten für die Patenschaft entscheiden, die absolut freiwillig ist. „Unsere Paten sind hoch motiviert bei der Sache“, berichtet Kerstin Stock, „wir sind total stolz, dass das Engagement auch in der schwierigen Corona-Zeit nicht nachgelassen hat. Die Arbeit unserer Ehrenamtlichen wird sehr geschätzt, die Unterstützung seitens des Landkreises Rosenheim ist enorm. Im Übrigen gibt es in anderen Landkreisen kein vergleichbares Projekt.“

Bestmögliche Unterstützung

Im 2-tägigen Seminar am Pelhamer See erfahren die Paten in sozialpädagogischer Theorie, Methodenwissen und Selbsterfahrung durch Gruppenarbeit weitergebildet. Seminarleiterin Wilma Hansen referiert über entwicklungspsychologische Stadien im Jugendalter. Auch die Abgrenzung der Aufgaben eines Paten wird thematisiert. „Die Aussage, ‚meine Kinder sind aus dem Haus, jetzt bin ich bereit für ein weiteres‘, ist problematisch“, so Verena Seischab. „Die Patenkinder haben ja Eltern, die manchmal sogar eifersüchtig auf die Paten reagieren und Versagen und Ohnmacht verspüren.“

Und es kommt vor, dass die Paten in manchen Fällen an ihre Grenzen stoßen. Bei Suchterkrankungen, psychischen Erkrankungen oder gar Kindeswohlgefährdung werden die Ehrenamtlichen von ihren Aufgaben entbunden und entsprechende Fachstellen eingeschaltet. Hier hat die „Junge Arbeit Rosenheim“ weitere Angebote zum Beispiel in Form von Sozialtraining oder einer Ausbildung in den eigenen Einrichtungen, erklärt Seischab. „Wir tun unser Bestes, damit uns keiner durchrutscht.“

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