RADSPORT EXTREM

Ein Eggstätter durchquert die Eiswüste in Kanada und Alaska

Allein im Eis: Florian Reiterberger aus Eggstätt fuhr 2019 den Iditarod Trail quer durch Alaska.
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Allein im Eis: Florian Reiterberger aus Eggstätt fuhr 2019 den Iditarod Trail quer durch Alaska.
  • Tina Blum
    vonTina Blum
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Höchste Anstrengung, tiefste Temperaturen, karge Landschaften – für manche ist das der Gipfel. Etwa für Florian Reiteberger. Der Eggstätter hat sich dem Radeln auf dicken Reifen verschrieben. Und kann von frostigen Erfahrungen beim Fatbike-Fahrten in Kanada und Alaska erzählen.

Eggstätt/Chieming – Bei minus 45 Grad wochenlang auf dem Fahrrad durch die eisige Landschaft im kanadischen Yukon – für Florian Reiterberger aus Eggstätt ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen. Es war sein erstes Fatbike-Rennen. Dabei lernte der Extremsportler, über sich hinauszuwachsen. Später war er noch in Alaska und Finnland unterwegs. 2020 und 2021 bremste ihn Corona aus.

Seit 2016 betreibt der heute 41-Jährige den Sport. Der Trend sei schon wieder vorbei, „nur wenige sind hängengeblieben“, berichtet er. Fatbike-Fahrer seien Exoten unter den Rad-Sportlern. Denn die breiten Reifen eignen sich eher für weichen Untergrund wie Schnee oder Sand. „In unserer Gegend macht Fatbiken keinen Sinn.“

Sportevents wegen Corona abgesagt

Da heuer wie auch schon im vergangenen Jahr alle Veranstaltungen abgesagt sind, musste der Sportler zu Hause bleiben. „Ich nutze die Zeit und baue mein Haus in Eggstätt um“, sagt er etwas wehmütig. Dafür sei er übergangsweise nach Chieming gezogen.

Weil auch das „Fat Viking – Winter Endurance Race“, ein Rennen in Norwegen, an dem er teilnehmen wollte, nicht stattfand, änderten die Veranstalter die Pläne und riefen zur „Global Edition“ auf. „Ich bin dann die Renndistanz von 150 Kilometern im Chiemgau gefahren.“ Nicht das Gleiche, aber besser als gar nichts, findet er.

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Im kommenden Jahr möchte er sich seinen nächsten Traum erfüllen und mit seinem Bike an den Balkansee nach Sibirien fahren – sofern es die Pandemie erlaubt. Die bislang extremste Erfahrung, berichtet Reiterberger, sei aber sein erstes Rennen im kanadischen Yukon gewesen. „Es war das erste Mal, ich hatte keine Ahnung, was mich erwartet.“ Zwar sei er mehrere Wochen zuvor dorthin geflogen, um sich vorzubereiten. Jedoch wurde er krank und musste die 460 Kilometer bei eisigen Temperaturen und extremen Wetterverhältnisse eben so überstehen. „Am Ende habe ich das Rennen gewonnen“, freut er sich.

Abbruch nach 400 Kilometern – weil das Knie streikte

Ein Jahr später flog er zum „Arctic Winter Race“ nach Finnland. 300 Kilometer ging es entlang des nördlichen Polarkreises.

An seine Grenzen kam Reiterberger 2019. „Ich wollte 1600 Kilometer den Iditarod Trail durch Alaska fahren, musste aber nach 400 Kilometern abbrechen.“ Das Knie habe nicht mehr mitgemacht. „Eine schwere Entscheidung für mich.“ Aber man müsse auch wissen, wann Schluss ist.

Fatbiker unter sich: Man hält zusammen

Unterwegs ist der Eggstätter meist alleine. „Manchmal trifft man unterwegs andere“, sagt er. Oft sind die Mitstreiter angeschlagen oder gar verletzt. Dann helfe man sich gegenseitig. Mache Lagerfeuer, versorge gegebenenfalls Wunden und koche für den anderen. „Da wird zusammengehalten.“ Denn wer sich auf diesen Sport einlässt, müsse wissen, womit er es zu tun hat. Gestorben sei noch keiner. „Aber es gibt Amputationen. Das ist das Worst-Case Szenario“, sagt er. Er kenne seine Limits, sei als Gebirgsjäger und Bergretter bei der Bundeswehr ausgebildet worden. Dennoch habe auch er in Yokon Erfrierungen an den Zehen gehabt. „Fehler dürfen passieren. Aber man muss daraus lernen.“ Für die nächste Tour mussten dann eben bessere Schuhe her.

Wie es sportlich für ihn weitergeht, steht momentan noch in den Sternen. Sicher stattfinden könne am 17. Juni aber die „Grenzsteintrophy“ – eine 1000 Kilometer lange Selbstversorger-Tour entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die bis 1990 West und Ost trennte. Dabei könnten die Teilnehmer einzeln und mit Abstand starten. Auch Reiterberger will dabei sein.

Spenden erradeln für den guten Zweck

„Pro Jahr mache ich eine Spendentour“, erklärt der Eggstätter. Zur Zeit organisiere er noch das Programm. Der Erlös soll den Kindern des Heilpädagogischen Zentrums (HPZ) Ruhpolding zu Gute kommen. Bislang konnte er 12 000 Euro für die Schule sammeln. Wichtig ist Reiterberger dabei vor allem eine Sache: „Die Kinder können selbst entscheiden, was mit dem Geld passiert.“

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