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Diskriminiert eine reine Damensauna die Männer? So denken die Hitze-Experten darüber

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Von: Paula L. Trautmann

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Kennen sich aus mit Sauna-Trends: (von oben) Matthias Böser von den Chiemgau Thermen und Stefan Barber, Leiter der Bad Aiblinger Therme.
Kennen sich aus mit Saunatrends: (von oben) Matthias Böser von den Chiemgau Thermen und Stefan Barber, Leiter der Bad Aiblinger Therme. © Collage: dpa/re

Hitze und nackte Körper - das mag nicht jeder. Manche Frauen wollen zudem nur in die Sauna, wenn dort keine Männer schwitzen. Doch in der Region gibt es kaum Damensaunen. Warum Gleichberechtigung eine Rolle in der Debatte spielt und welche Argumente für eine Frauensauna sprechen.

Bad Endorf/Kiefersfelden/Bad Aibling - Ob aus Glaubensfragen, Angst vor anzüglichen Blicken oder sexuellen Übergriffen - es gibt viele Frauen, die gerne in die Sauna gehen, dabei jedoch lieber unter sich bleiben. Manchen Männern passt das nicht. „Es geht um den Gleichstellungsansatz“, sagt Matthias Böser, Leiter der Thermenlandschaft, Saunawelt und Wellness der Chiemgau-Thermen Bad Endorf. Am Montag habe die Damensauna immer stattgefunden, die Herren fühlten sich ausgeschlossen. Einige Männer hätten sich sogar beschwert. Denn die Fitnessverträge gelten Böser zufolge für alle Bereiche: Sportstudio, Sauna und Therme.

Ein Mann klagte wegen Diskriminierung

Dass sich Männer aufgrund von Damensaunen diskriminiert fühlen, ist kein Einzelfall. Ein 72-Jähriger hatte die Stadtwerke Esslingen verklagt, weil es im „Merkel‘schen Schwimmbad“ eine Frauen-, aber keine Männersauna gab. Nach Angaben der Esslinger Zeitung fühlte sich der Mann aufgrund seines Geschlechtes diskriminiert. Die Stadtwerke hatten erklärt, dass die Intimsphäre von Frauen besonders geschützt werden müsse. Zwar könnten sich auch Männer in ihrer Intimsphäre gestört fühlen, doch Frauen seien generell gefährdeter. Das Amtsgericht Esslingen hat die Klage abgewiesen.

Die Chiemgau Thermen hat zwar niemand verklagt, dennoch habe der ehemalige Geschäftsführer die Damensauna, Böser zufolge, 2018 abgeschafft. Einige Betreiber hätten als Ausgleich einen Herrentag eingeführt. „Das Feedback aus der Branche war aber eher negativ“, sagt Böser.

Eine diverse Sauna für non-binäre Menschen

Die Aufteilung in Herren- und Damensaunen sei aus dem Trend. Bei einer solchen Trennung brauche es auch eine diverse Sauna, für non-binäre Menschen, die sich mit keinem Geschlecht identifizieren. Matthias Böser betont, dass die Chiemgau Thermen einen guten Weg gefunden hätten: „Wir öffnen unsere Pforten für alle.“

Viele Paare als Urlaubsgäste

In der Bad Aiblinger Therme gibt es dieses Angebot nicht. „Zur Gleichstellung bräuchten wir eine Herrensauna“, sagt Leiter Stefan Barber. Zudem lohne sich eine Damensauna aus wirtschaftlicher Sicht nicht. Die Aiblinger Therme werde von vielen Gästen besucht, die in der hiesigen Region Urlaub machten und eine lange Anreise hätten. Deshalb sei es schwierig, wenn nur die Frau in die Sauna kann und der Mann nicht. Barber zufolge ist die Sauna in Aibling ein „Ort für alle, zu jeder Zeit“.

Beschwerden, dass es in der Therme keine Damensauna gibt, hat Barber noch nie bekommen. Die Anlage sei weitläufig, und wer Uhrzeiten und Tage wähle, an denen nicht viele Gäste kommen, könne auch so ein ungestörtes Plätzchen finden. „Montag bis Mittwoch ist nicht so viel los“, sagt Barber. Im Prienavera hat es laut Betriebsleiterin Helena Kröger noch nie eine Damensauna gegeben.

„Ihnen ist die Privatsphäre viel wert“

Das Innsola in Kiefersfelden bietet als einziges Bad in der Region eine Damensauna. „Die Frauen finden es gut, dass wir das anbieten“, sagt Betriebsleiter Fred Fertinger. Manche Damen würden sich nicht offen vor Männern zeigen wollen, wegen Kaiserschnitt-Narben oder Operationen. Etwa wenn Frauen Krebs hatten und ihnen deshalb eine Brust abgenommen wurde. „Ihnen ist die Privatsphäre viel wert“, weiß Fertinger.

Aus Gründen wie diesen gebe es die Damensauna im Innsola seit 30 Jahren. Die Stunden habe das Bad vor Kurzem jedoch reduziert. „Die Nachfrage ist nicht so hoch“, sagt Fertinger. Die gemischte Sauna sei beliebter bei den Gästen, zudem lohne sich das Angebot finanziell gesehen mehr. Wie seine Kollegen kennt der Betriebsleiter das Problem in Sachen Gleichberechtigung. Ein paar Männer hätten sich beschwert, weil es keinen Herrentag gegeben hat. Doch als im Innsola eine Herrensauna angeboten wurde, sei auch das nicht gut angekommen. Jedem können es die Anbieter wohl nie recht machen.

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