Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Eine Chance für Frasdorf?

Bürgerentscheid am 16. Mai: Sondergebiet „Frasdorfer Anger“ erntet auch Zuspruch

Sonderbaugebiet „Frasdorfer Anger“: Auf der grün unterlegten Fläche rechts will die Bad Endorfer Bäckerei Miedl ein Café mit Bäckerei und Konditorei errichten. Links davon (gelbe Fläche) soll der Regionalmarkt des Anderlbauern entstehen.
+
Sonderbaugebiet „Frasdorfer Anger“: Auf der grün unterlegten Fläche rechts will die Bad Endorfer Bäckerei Miedl ein Café mit Bäckerei und Konditorei errichten. Links davon (gelbe Fläche) soll der Regionalmarkt des Anderlbauern entstehen.
  • Tina Blum
    VonTina Blum
    schließen

Eine Frage, die sich wohl viele in Frasdorf stellen, dürfte lauten: Wird die Bäckerei mit Café Miedl sowie der Regionalmarkt des Anderlbauern gebaut? Neben den Initiatoren der Bürgerinitiative, die gegen den Bau sind, gibt es auch Befürworter, die eine Chance für den Ort sehen.

Frasdorf– Seit Jahren warten die Investoren auf den Startschuss. Ob es zur Umsetzung des Vorhabens am Sondergebiet „Frasdorfer Anger“ kommt, sollen die Frasdorfer am 16. Mai per Bürgerentscheid beschließen.

Dazu gehört auch Josef Stein. 30 Jahre war er Gemeinderat in Frasdorf (Plus-Artikel OVB-Online). Die Ortsentwicklung beobachtet er seit Jahren mit Argusaugen. „Der entscheidende Fehler war 1970, dass man sich nicht mehr bemüht hat, als die Bahn stillgelegt wurde“, so Stein.

Ab da sei es bergab gegangen, der Ortskern nach und nach verödet.

Stein hofft, dass der Bürgerentscheid zugunsten der Investoren ausgeht. „Wenn das nicht geht, dann geht gar nichts mehr“, meint er. Denn seiner Ansicht nach sei die Ansiedlung der Bäckerei Miedl sowie des Regionalmarktes Anderlbauer eine Chance für Frasdorf – auch in Bezug auf die Gewerbesteuereinnahmen.

Idealer Standort an Autobahnausfahrt

Auch der Standort am südöstlichen Ortsrand mit Anschluss an die dortige Tankstelle sei in Anbetracht des geplanten Autobahnausbaus der ideale Standort: „Eine kürzere verkehrstechnische Anbindung gibt es nicht.“

Da die Autobahndirektion ohnehin plane, dort einen großen Kreisverkehr zu bauen, der bereits in die Planung am „Frasdorfer Anger“ einbezogen wurde, sei das Argument der Gegenseite des unnötigen Flächenfraßes, wie Stein findet, „an den Haaren herbei gezogen“. „Der Autobahnausbau verschlingt zig Hektar, da machen die 5.000 Quadratmeter auch keinen Unterschied mehr.“

Schon in der Vergangenheiten viele Chancen vertan

Bereits in der Vergangenheit hätte die Gemeinde zahlreiche Möglichkeiten auf die Ansiedlung eines Gewerbes versäumt. „In den 50er- und 60er-Jahren wollten sich die Körting Radio-Werke sowie eine Strumpffabrik aufgrund der günstigen Verkehrsanbindung an die Autobahn ansiedeln. Ohne Erfolg. Auch in den 80ern scheiterten das Unternehmen Richter Spielgeräte und mehrere ortsansässige Betriebe dabei, westlich von Frasdorf eine neue wirtschaftliche Entwicklung einzuleiten“, erinnert sich Stein.

Der Grund sei damals Gegenwind der Grundstückseigentümer gewesen, die die Zerstörung eines landwirtschaftlichen Betriebs befürchteten.

Ein „absolut überdimensioniertes Projekt“, so Stein weiter, sei in den 90er-Jahren ein fünf Hektar großer Trucker-Park gegenüber des jetzigen Sondergebiets „Frasdorfer Anger“ gewesen. Damals schon kam es zum Ratsbegehren und Bürgerentscheid. Das Projekt wurde mit Zweidrittel-Mehrheit abgelehnt.

Zu wenig Entwicklungsmöglichkeiten für ortsansässige Betriebe

Den Grund für die Verödung des Ortskerns sieht Stein in den mangelnden Entwicklungsmöglichkeiten für Betriebe. „Zwei Autowerkstätten stellten ihren Betrieb ein, zwei Zimmereien siedelten um, Gasthöfe sperrten zu.“ Um dies zu verhindern, müsse der Durchfahrtverkehr im Dorf reduziert werden, findet er. Nicht zuletzt trügen auch die horrenden Immobilienpreise ihren Teil dazu bei.

Im Gemeindeentwicklungsprogramm „Frasdorf 2030“ (Plus-Artikel OVB-Online) im Rahmen der Städtebauförderung sieht Stein keine Lösungsansätze, sondern „bestenfalls ein herumdoktern an Symptomen und Verbrennen von viel Geld für die Planung“.

Bürgermeister erkennt keinen „Ausreißer des Ortskerns“

Bürgermeister Daniel Mair befürwortet die Option, dass die Frasdorfer mittels Bürgerentscheid selbst entscheiden können (Plus-Artikel OVB-Online). Er findet, dass das Sondergebiet kein klassisches Gewerbegebiet darstellt und kein „Ausreißer des Ortskerns“ sei: „Vielmehr handelt es sich um die Neugestaltung des Ortseingangs. Ich finde auch, dass es an dieser Stelle gut zum dort bereits ansässigen Weinhändler passt.“

Bürgermeister: keine Ortskern-Verödung

Eine Gefahr, dass der Ortskern durch diese Vorhaben veröde, sieht der Rathauschef nicht. Dass es nicht zu weit außerhalb liege habe auch die Regierung von Oberbayern bestätigt, bevor das Projekt angegangen wurde, so Mair.

Auch bei den Gewerbesteuereinnahmen zeigt sich Mair klar: „Frasdorf erhält entsprechend des dort erzielten Umsatzes seinen Anteil.“ Trotzdem gehe es für den Bürgermeister bei dem Projekt nicht rein um die Steuer, sondern für einen Mehrwert für Frasdorf.

„Innenentwicklung vor Außenentwicklung“

Die Bürgerinitiative (BI) „Frasdorfer Anger“, die sich gegen das Sondergebiet engagiert (Plus-Artikel OVB-Online), plädiert für eine Belebung des Ortskerns: „Die Devise lautet Innenentwicklung vor Außenentwicklung“, so Dirk Köberle, Sprecher der BI. Die Projektgegner sehen keinen positiven Beitrag zur Umsetzung des Aktionsplans der Städtebauförderung.

Stattdessen befürchten sie einen Autobahntourismus der Durchreisenden. „Zustände wie am Irschenberg wollen wir nicht“, heißt es auf der Homepage. Die Notwendigkeit eines Sonderbaugebiets ist laut BI nicht gegeben: „Es gibt so viel Leerstand im Dorf“, sagt Köberle.

Gerne hätte man ein Café – allerdings im Dorf. Bürgermeister Daniel Mair berichtet, dass er bereits seit einiger Zeit mit Grundstückseigentümern in Verhandlungen stehe. „Allerdings gestaltet sich das sehr schwierig“, erklärt er auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen. Bereits seine Amtsvorgängerin habe dies über die Jahre vergeblich versucht.

Kommentare