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Nach Rechtsstreit

Bad Endorf hat bald eine Straße weniger - Grundbesitzer baut Verbindungsstraße nach Kurf zum Teil zurück

Die Fräßstelle auf der sogenannten „Unterkurferstraße“
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Die Fräßstelle auf der sogenannten „Unterkurferstraße“

Die Marktgemeinde Bad Endorf hat bald eine Straße weniger. In der Verbindungsstraße zwischen Bad Endorf und Kurf rollen am Samstag, die Bagger an, um die Straße auf einer Länge von 90 Metern zurückzubauen. Von der Straße bleibt an manchen Stellen nur noch ein schmaler Streifen von 20 Zentimetern übrig.

Bad Endorf – „Wir wollten niemanden was Böses. Wir wollten nur unseren Grund zurück“, sagt Michael Reinthaler, der betroffene Grundstückseigentümer aus Bad Endorf. Dass morgen die schweren Geräte anrollen und von der Straße den Teer abtragen, löse keine Begeisterung aus.

„Eine andere Lösung wäre mir lieber gewesen“, erklärt Reinthaler den OVB-Heimatzeitungen. Eine andere Lösung hätte sich auch Dr. Andreas Stern der Geschäftsführer von der Firma Stern Strom GmbH gewünscht. „Wir haben Reinthaler nie etwas getan und jetzt sind wir die Leidtragenden“, sagt Stern

Straße besteht seit den 80er-Jahren

Begonnen hat alles in den 80er-Jahren. Damals wurde, die bereits als Weg bestehende Straße zum ersten Mal geteert. Im Jahr 2000 teerte Stern, von der dort ansässigen Stern Strom GmbH, die Straße in Eigenregie neu. Die Straße laufe über den Grund von knapp elf Eigentümern. „Herr Reinthaler war damals für die sanierte Straße dankbar“, sagt Stern. Zum Problem wurde sie erst einige Jahre später.

Straße läuft über Grundstück

„Ein Nachbar wollte bauen und hatte entsprechende Vermessungen durchgeführt. Bei denen kam raus, dass die Straße zum Teil über mein Grundstück ging“, erinnert sich Reinthaler. Mit dem Wissen wand sich Reinthaler an das Bauamt und die damalige Bürgermeisterin.

„Eine Antwort auf meine Schreiben habe ich aber nie bekommen“, sagt Reinthaler. Deswegen leitete er im Jahr 2017 rechtliche Schritte ein.

Es wurden Gespräche geführt

Der jetzige Bürgermeisters Alois Loferer war damals noch nicht im Amt. Er wollte deswegen zur Vorgeschichte und der Entstehung der Straße keine Aussagen treffen.

„Es hat aber eine ausreichende Kommunikation mit dem Betroffenen und auch mit den Nachbarn gegeben“, schätzt Loferer die damalige Situation ein. Und auch Stern bestätigt, er habe versucht, Reinthaler die betroffenen Flächen abzukaufen – der lehnte jedoch ab. Laut Reinthaler waren die Angebote nicht adäquat.

Lesen Sie auch :Schmal, noch schmaler, und bald keine Gemeindeverbindungsstraße mehr? (Plus-Artikel ovb-online.de)

Reinthaler verklagt die Marktgemeinde

Im September 2018 reichte der Anwalt Adolf Friedel von Möller Rechtsanwälte im Namen von Reinthaler eine Klage gegen die Marktgemeinde ein. Die Forderung: Bad Endorf soll die Straße auf den entsprechenden Flurnummern auf eigene Kosten zurückbauen und den Rückbau dulden.

Am 4. März 2019 fällte das Verwaltungsgericht München das Urteil. Die Marktgemeinde Bad Endorf muss zwar nicht die Kosten des Rückbaus tragen. Sie muss ihn aber dulden. Und das tut sie. Die Gemeinde erkennt laut dem Bürgermeister den Rückbau als rechtmäßig an.

Morgen ist es soweit. Rund 185 Quadratmeter Teer werden von dem Grundstück der Reinthalers entfernt. „Es handelt sich dabei gewiss nicht um eine geringe Fläche.“ Mal gehe der Abtrag gegen null, mal seien es 90 Zentimeter bis einen Meter. An der breitesten Stelle seien es 2,30 Meter. „Dann bleiben von der jetzigen Straße nur noch 20 Zentimeter übrig. Breit genug, dass ein Rad drüberfahren kann“, sagt Reinthaler.

Die Firma Stern ist stark betroffen

Mit dem Teilrückbau der Straße gibt es keine Möglichkeit für die Eigentümer ihre Grundstücke über die sogenannte „Unterkurferstraße“ zu erreichen. Besonders davon betroffen ist die Firma Stern. „Reinthaler sperrt mir die Zufahrt zum Betrieb zu. Das ist schon grob“, sagt Stern.

Anfahrt über Kurf schwierig

Mehrmals in der Woche fahren 40-Tonner zu seiner Firma. Die müssten dann über Kurf zum Werk fahren. „Die Zufahrt über Kurf ist in einem extrem schlechten Zustand und sehr eng“, erläutert Stern die Verkehrssituation. „Vor einigen Wochen nahm erst ein Lkw die Zufahrt und riss sich auf der Höhe des Kurfer Hofs die gesamte Plane auf.“ Auf der Strecke müssen die Lkw außerdem eine Brücke überqueren, die eigentlich nicht für sie ausgelegt sei, so Stern. Und nicht nur das.

Die Stern Strom GmbH ist Strom und Internetversorger. An der „Unterkurferstraße“ steht ein Gebäude der Firma. Darin die Schaltzelle für die Internetversorgung für Bad Endorf. „Wenn die durchbrennt, habe ich keine Möglichkeit, sie zu wechseln. Dazu bräuchte ich einen Autokran“, sagt Stern. Auf der zurückgebauten Straße wäre dafür kein Durchkommen mehr.

Gemeinde sucht Lösung

„Die Gemeinde arbeite derzeit an einer Lösung“, sagt Loferer. Wie die aussehen könnte, wollte Loferer noch nicht bekannt geben.

„Wir wollten weder die Firma Stern noch die Nachbarn verärgern. Wir wollten nur unser Recht und unseren Grund“, so Reinthaler.

Und genau der Wunsch wird den Reinthalers morgen erfüllt – auf eigene Kappe. Etliche tausend Euro sind den Bach runter gegangen, sagt Reinthaler zu den Kosten.

Die vom Teer befreite Fläche wird in die bereits bestehende landwirtschaftlich genutzte Fläche integriert. „Auf ihr werden dann Schottische Hochlandrinder weiden“ so Reinthaler. (re)

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