Bayerns älteste Fliegerin wird 80: Rimstinger Pilotin hat sieben Mal die Erde umrundet

Über den Wolken, beziehungsweise auf Augenhöhe mit ihnen, fühlt sich Pilotin Ingrid Hopman ganz in ihrem Element. Die Rimstingerin ist Bayerns älteste Privatpilotin. Nitzsche (1) / Hötzelsperger
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Ingrid Hopmann ist die älteste Privatpilotin Bayerns. Zu ihrem 80. Geburtstag flog sie zur Familie nach Amerika. Von dort aus ging es weiter nach Uruguay, wo die Wahl-Rimstingerin kurz vor Schließung der Flughäfen noch rechtzeitig in Richtung Chiemgau starten konnte. Hier schreibt sie an ihrer Biografie, solange ihr Flieger noch am Boden bleiben muss.

Rimsting– „In der Luft und in der Welt unterwegs, am Chiemsee und im Chiemgau zu Hause“ – dieses Motto gilt in ganz besonderer Weise für Ingrid Hopman, der ältesten Privatpilotin Bayerns. Wenige Tage, bevor die Reiseeinschränkungen wegen des Corona-Virus in Kraft traten, kam die Rimstingerin von der Feier ihres 80. Geburtstags aus Südamerika zurück in ihre Heimat und berichtete von ihren jüngsten und ganz besonderen Erlebnissen.

Als Flugbenzin 40 Pfennig kostete

„Als ich 1968 dank eines guten Freundes erstmals mit der Fliegerei in Berührung kam, spürte ich ein großes Aha- und Freiheits-Erlebnis und ich begann im Sommer mit der Ausbildung zur Privatpilotin. Damals war ich die einzige Frau neben acht jungen Burschen in der sonst männlich geprägten Welt“, erzählt Hopmann der Chiemgau-Zeitung.

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In ihrer Familie gab es kein Flieger-Vorbild für die gebürtige Kärntnerin; im Gegenteil. Ihr Vater starb im Zweiten Weltkrieg; zunächst wird sie Krankenschwester, macht eine Ausbildung in Anästhesie und in intensivmedizischer Versorgung von Patienten. Für die Privat-Piloten-Lizenz und ihre Motorflieger-Ausbildung berappt die junge Frau damals 3000 D-Mark – ein Liter Flugbenzin kostet immerhin nur 40 Pfennig. Die 1968-Revolte, in denen auch um die Gleichberechtigung der Frau gekämpft wurde, wird zu ihrem Antrieb.

Neue Heimat am Chiemsee

1970 erwarb sie schließlich die Pilotenlizenz. Nur 35 deutsche Pilotinnen gibt es damals, sie gründen eineeigene Vereinigung, die sich ihren Platz in der Szene hart erarbeiten muss. Später wird sie auch der amerikanischen Pilotinnenvereinigung Ninety-Nines beitreten. 1978 beginnt für Hopmann, inzwischen verheiratet, ein neuer Lebensabschnitt.

Geteilte Leidenschaft: Ingrid Hopman (links) im Flugzeug mit Berufs-Kolleginnen.

Mit ihrem Mann Dr. Herman Hopman zieht sie nach Prien. Dort eröffnen sie eine neurologisch-psychiatrische Praxis. Von ihrer neuen Heimat aus organisiert die engagierte Frau 1989 das erste Fly-In-Treffen am Chiemsee, dem 2007 und 2014 europäische Treffen mit 130 Teilnehmern folgen; insgesamt werden es – mit Unterbringung im Kloster Frauenchiemsee – bislang elf Treffen, das zwölfte wäre für dieses Jahr geplant gewesen.

Über 50 Jahre aktive Pilotin

Ob es erlaubt sein wird, muss sich noch zeigen. Über viele Höhepunkte in ihrem regen Leben als Privatpilotin  kann Hopmann berichten. Zahlreiche Auslandsflüge, Flüge über Gletscher und Ozeane und zum KIlimandjaro, Verkehrsüberwachungsflüge für einen bayerischen Radiosender und Flüge für Kranke und behinderte Kinder zählen dazu. Und auch ihr ganz persönliches Jubiläum, 50 Jahre aktive Pilotin, das sie 2018 feiert.

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In diese Zeit fällt auch ein Pilotinnentreffen in Ägypten. 2019 nimmt Hopman am ersten Afrikanischen Pilotinnentreffen in Malawi und Tanzania teil und zu Beginn dieses Jahres flog sie zu ihrer Zwillingsschwester nach Amerika, um mit ihr, Familie und Freunden den gemeinsamen 80. Geburtstag in der Karibik zu feiern. „Dabei habe ich mich auch mit dem Piloten Colonel Raymond Scott getroffen, mit dem ich 2009 in Texas in seiner Luscomb Baujahr 1940 fliegen durfte und der inzwischen 102 Jahre alt ist und immer noch fliegt“, erzählt Hopman.

Fliegen, solange der Arzt das OK gibt

Ein erstes Ziel nach ihrem 80. Geburtstag war im Februar das Fliegen in Uruguay, von dort aus kehrte sie auch im März kurz vor den Corona-Einschränkungen wieder zurück in den Chiemgau. „Wir konnten gerade noch über Madrid und Frankfurt nach München kommen und von dort aus nach Bad Endorf“, erinnert sie sich an den Rückflug.

Ingrid Hopmann (5. von links) umringt von ihrer Familie. Das Bild entstand zu ihrem 80. Geburtstag in den USA.

Diesen trat die mutige 80-Jährige trotz eines Überfalls auf offener Strasse in Montevideo an, dessen Opfer sie kurz vor der Rückreise noch wurde – doch eine Pilotin lässt sich so schnell nicht unterkriegen: „Meine Leidenschaft fürs Fliegen werde ich nicht aufgeben, so lange mir der Arzt das OK gibt. So lange werde ich in ein Flugzeug steigen, abheben und die Freiheit über den Wolken genießen“.

Der Flieger wartet schon

Während auf einem Chiemgauer Flugplatz ihr neuer Flieger wartet, will sie die Zeit der Reisebeschränkungen nutzen, um zuhause in Rimsting ihre Biografie zu schreiben.

Ihre Bilanz ist jedenfalls beachtlich: Bisher ist sie mit 29 verschiedenen Flugzeugtypen geflogen, hat 6707 Starts und Landungen absolviert, sowie insgesamt 2500 Flugstunden, was 105 Tagen und 275.000 Kilometern in der Luft entspricht. Damit hat sie sieben Mal die Erde umrundet.

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