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Manuel Philipp ist Lichtverschmutzung auf der Spur

Rimstinger „Pate der Nacht“ kämpft für mehr Dunkelheit und bekommt Medaille

Manuel Philipp am Teleskop in dem von ihm initiierten Sternenpark Reit im Winkl. Der Rimstinger Physiker und Sternenführer will ein Bewusstsein dafür wecken, wie wichtig die Dunkelheit für unser Ökosystem ist.
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Manuel Philipp am Teleskop in dem von ihm initiierten Sternenpark Reit im Winkl. Der Rimstinger Physiker und Sternenführer will ein Bewusstsein dafür wecken, wie wichtig die Dunkelheit für unser Ökosystem ist.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Der „Pate der Nacht“ Manuel Philipp erhält die Bayerische Umweltmedaille – ein Porträt eines Mannes, der für mehr Dunkelheit kämpft und zum Beispiel erreicht hat, dass eine große Biomarkt-Kette nachts das Licht ausschaltet.

Rimsting Der Rimstinger Physiker Manuel Philipp macht sich gegen die zunehmende Lichtverschmutzung stark. Ein Thema, dem er praktisch sein Leben verschrieben hat. In dieser Woche überreicht ihm Staatsminister Thorsten Glauber in der Münchner Residenz für sein Engagement die Bayerische Umweltmedaille. In Kürze soll zudem Philipps Initiative „Paten der Nacht“ eine hohe Auszeichnung erhalten – mehr wird an dieser Stelle noch nicht verraten.

Preisträger Manuel Philipp hat noch viel vor mit den „Paten der Nacht“.

Dafür schildert Philipp, 50, der neben den „Paten der Nacht“ auch die „Earth Night“ ins Leben gerufen hat und den „Sternenpark Reit im Winkl“, wie es zu seiner Leidenschaft für die Dunkelheit kam, und warum es so wichtig ist, sich vehement für deren Erhalt einzusetzen.

Das Weltall als innere Verbindung

Mit den Sternen fing alles an. „Astronomie hat mich schon als Kind interessiert“, sagt er, und dass es ihn wundere, während seines Physikstudiums überhaupt nicht damit in Berührung gekommen zu sein. „Dabei weiß ich heute, das Weltall stellt einen Zusammenhang mit allem anderen her, mit Physik, Chemie, Mathe, Erdkunde, Religion, selbst wir Lebewesen sind ein Teil davon.“

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Die Frage, wie es sein kann, dass es dafür kaum ein öffentliches Bewusstsein gibt, treibt ihn um. Überhaupt, von der Vorstellung, dass der Mensch als winziges Wesen in diesem weitgehend unerforschten Raum existiert, ist er immer wieder aufs Neue falsifiziert. Sie bringt ihn dazu, über die Schöpfung nachzudenken, und darüber, wie der Mensch seine Prioritäten mehr oder weniger irrational setzt: „Kaum ein Umweltproblem lässt sich so leicht lösen wie das der Lichtverschmutzung.“ Licht könne reduziert oder abgeschaltet werden, „dadurch ließe sich in Deutschland die Energie von mindestens einem Kraftwerk einsparen.“

„Ob sich dafür jemand interessiert?“

Um zu verdeutlichen, welche schwerwiegenden Folgen zu viel Licht in der Nacht hat, führt er das Beispiel des Stadtbewohners an, der nachts vor lauter Beleuchtung die Sterne nicht mehr sehen kann. Für den Menschen eher ein romantisches Problem – für Insekten und andere Kleinstlebewesen aber ein Todesurteil. Sternenführungen waren für Philipp vor ein paar Jahren daher der erste Schritt, die Menschen wach zu rütteln. Anfangs sei er unsicher gewesen, „ob sich überhaupt irgendjemand dafür interessiert“. Heute führt er Schulklassen in die Nacht; die Teilnehmer seiner Führungen reisen selbst aus Frankfurt an, sind zwischen acht und 80 Jahren. Sie bedanken sich im Nachgang bei ihm „für die schönste Nacht ihres Lebens“.

Lobbyarbeit für die Nacht

Philipp sagt, er tue eigentlich nichts anderes, „als Bildungslücken füllen“: „Das Wissen um Sternbilder oder Mondphasen, und warum man zu bestimmten Zeitpunkten Merkur oder Venus sieht, das vermittelt einem die Schule nicht.“ Freilich gebe es Skeptiker, denen er stichhaltige Argumente liefern müsse.

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Er hält Vorträge, bloggt, hat einen Podcast, gibt Interviews, und fungiert als unermüdlicher Kopf des mittlerweile 37 Ehrenamtliche starken Teams der „Paten der Nacht“. Sie machen Lobbyarbeit für eine Nacht, die nicht erhellt ist von Reklame, Laternen und Solarlichtern. Einst habe es das Feuer gegeben, um nachts wilde Tiere fernzuhalten, sinniert Philipp, aber mehr Sinn mache die Erhellung des Dunklen nicht, auch nicht aus Sicherheitsaspekten, die Kriminalitätsstatistik gebe ihm recht. Er hat viele Ideen, die Vision der „Paten der Nacht“ weiterzutragen. Ein großer, bayerischer Leuchtenhersteller ist auf ihn zugekommen mit dem Wunsch einer nachtschonenden Laterne, zertifiziert von den „Paten“.

Der Mensch und die Angst vor der Nacht

Die 400 Filialen umfassende Biomarkt-Kette denn‘s hat er überzeugt, ab 22 Uhr die Beleuchtung auszuschalten. Es soll wieder Nacht werden in Deutschland. Die Maßnahmen für die Wirtschaft, überlegt Philipp, sollten freiwillig sein, ein Gesetz brauche es eher, um in der Bevölkerung Verständnis zu wecken. Noch treibt den Menschen aber die Angst vor dem Dunklen um.

Mit Konsequenzen: Der Wunsch nach Licht bedroht Insekten, stört empfindlich den tierischen Stoffwechsel, verschmutzt im wahrsten Sinne die Umwelt, warnt auch der Bund Naturschutz. „Würde Licht Geräusche machen, man würde es sofort abschalten“, vergleicht Philipp.

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