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Der lange Weg zum Wertstoffhof

Einsatz für die Gelbe Tonne im Landkreis Rosenheim: Rimstinger Gemeinderätin startet Petition

Noch ist es nur ein symbolischer Aufkleber: Die Rimstinger Gemeinderätin Nina Weinland möchte die Gelbe Tonne im Landkreis Rosenheim etablieren.
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Noch ist es nur ein symbolischer Aufkleber: Die Rimstinger Gemeinderätin Nina Weinland möchte die Gelbe Tonne im Landkreis Rosenheim etablieren.
  • Korbinian Sautter
    VonKorbinian Sautter
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Wohin mit dem Plastikmüll? Im Landkreis Rosenheim keine einfache Frage. Denn im Gegensatz zu vielen Gemeinden in Bayern, gibt es in der Region kein System, das Verpackungen regelmäßig von der eigenen Haustür abholt. Nun hat die Rimstinger Gemeinderätin Nina Weinland eine Petition gestartet, die das ändern soll.

Rosenheim – „Es ist wichtig, das Thema um die Gelbe Tonne wieder einmal anzustoßen, damit sich mittelfristig endlich etwas tut“, betont Weinland. Die 40-Jährige spürt seit Jahren am eigenen Leib, wie aufwendig es ist, die Plastikverpackungen bei einer fünfköpfigen Familie zu sammeln und regelmäßig an den Wertstoffhof zu bringen. Seit zehn Jahren wohnt die gebürtige Prienerin in Rimsting und fährt einmal wöchentlich zur gut eineinhalb Kilometer entfernten Sammelstelle. Denn ein paar Gläser oder Papierkartons zu Fuß transportieren sei zwar noch machbar. Bei den vielen angesammelte Verpackungen sei das allerdings nicht mehr möglich. „Es kann ja nicht sein, dass rund 100.00 Haushalte im Landkreis dafür jedes Mal zum Wertstoffhof ziehen müssen“, meint die Gemeinderätin.

Mühsame Entsorgung von Plastikmüll

Aus diesem Grund begann Weinland, Unterschriften für ihre Online-Petition zu sammeln, um dem Rosenheimer Landrat Otto Lederer die Dringlichkeit des Themas zu verdeutlichen. Ihr Anliegen: „Eine Gelbe Tonne nur für Plastikmüll, die in regelmäßigen Abständen, am besten einmal alle zwei Wochen, geleert wird.“ Das könnte aus Weinlands Sicht ein Anreiz sein, den Müll auch wirklich im eigenen Haushalt zu trennen und nicht einfach in den Restmüll zu kippen. Denn gerade für Senioren oder Menschen, die kein Auto haben, sei es sehr schwer, teilweise mehrere Kilometer mit ihrem Müll zurückzulegen, um ihn sauber am Wertstoffhof zu sortieren.

Die Lösung mit der Gelben Tonne ist dabei kein neues Thema, sondern wurde bereits in mehreren Gemeinden wie Stephanskirchen, Feldkirchen-Westerham und Kolbermoor diskutiert.

Insgesamt hat sich der Aufruhr rund um das Thema in letzter Zeit jedoch wieder beruhigt, wie Bernd Fessler, Bürgermeister von Großkarolinenfeld, bestätigt. „Zumindest gab es aktuell wenig Beschwerden aus den Gemeinden, dass das Prinzip mit den Wertstoffhöfen nicht funktionieren würde“, berichtet der Sprecher der 46 Ortsoberhäupter. Bevor eine Gelbe Tonne eingeführt wird, müsse man sich ohnehin erst einmal Gedanken über die Systematik und Logistik machen. „Der Kreistag wird sich jedenfalls sicher intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt haben, bevor er die Entscheidung mit den Wertstoffhöfen getroffen hat“, meint Fessler.

Am 9. Dezember 2020 beschloss der Rosenheimer Umweltausschuss, dass Leichtverpackungen im Gemisch ausschließlich an den Wertstoffhöfen gesammelt werden. Die Gründe dafür konnten auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen seitens des Rosenheimer Landratsamtes bis Redaktionsschluss nicht genannt werden.

„So gut wie alles hineingestopft“

Laut Weinland ist das Holsystem mittlerweile in den meisten Landkreisen Bayerns etabliert und sei dort völlig normal. Diesen Eindruck bestätigt auch Heike Zett aus Stephanskirchen. Sie ist mit ihrer Familie aus dem Landkreis Ebersberg zugezogen und musste mit Erschrecken feststellen, dass im Landkreis Rosenheim die private Trennung von Wertstoffen im Bereich Dosen und Plastikverpackungen ihrem Eindruck nach so gut wie nicht stattfindet. „In die privaten Hausmülltonnen wird so gut wie alles hineingestopft, weil in der Realität niemand extra zum Wertstoffhof fährt“, berichtet Zett. Sie befürwortet daher das ihr bekannte und gut funktionierende Prinzip aus Ebersberg.

Auch im Landkreis Mühldorf hat die Entsorgungsmethode mithilfe des Gelben Sacks, der alle 14 Tage abgeholt wird, Einzug erhalten. „Die Erfahrungen zeigen, dass das System des Gelben Sacks gut funktioniert und von den Bürgern angenommen wird“, bestätigt Wolfgang Haserer, Pressesprecher des Landratsamtes Mühldorf.

Zusätzliche Kosten für die Haushalte entstünden dabei nicht. Grund dafür ist das sogenannte Duale System, bei dem die Hersteller von Verpackungen bereits bei der Produktion ein Lizenzentgelt für die Verwertung bezahlen und in ihren Verkaufspreis mit einrechnen. Somit zahlt jeder Kunde die Entsorgung beim Kauf des Produktes bereits mit. Der Landkreis Mühldorf unterstützt die Sammlung durch den vom Dualen System beauftragten Anbieter „Wurzer Logistik“ nur durch die Veröffentlichung der Abfuhrtermine im Entsorgungskalender und Informationen zur Abfallberatung.

Anliegen braucht „langen Atem“

Ob und inwieweit die Gelbe Tonne auch in Rosenheim Einzug erhält, bleibt laut Weinland abzuwarten. „Ich weiß, dass wir dafür einen langen Atem brauchen“, meint die Gemeinderätin mit Blick auf ihre aktuell 3000 gesammelten Unterschriften. „Ich hoffe aber, dass, wenn wir jetzt starten, vielleicht in fünf Jahren eine Gelbe Tonne für den Landkreis möglich ist.“

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