Debatte im Gemeinderat

Rimstinger fürchtet um Wohnraum für den Sohn: Ohne Bachkugeln kein Baurecht, so das Landratsamt

Bachkugeln, wie sie im Priental besonders zahlreich zu finden sind, dienten früher im Chiemgau oft als Baumaterial. Weil er ein entsprechendes Mauerwerk aus dem 18. Jahrhundert aus statischen Gründen einreissen musste, entzog das Landratsamt einem Rimstinger das Baurecht an einem Zuhäusl.
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Bachkugeln, wie sie im Priental besonders zahlreich zu finden sind, dienten früher im Chiemgau oft als Baumaterial. Weil er ein entsprechendes Mauerwerk aus dem 18. Jahrhundert aus statischen Gründen einreissen musste, entzog das Landratsamt einem Rimstinger das Baurecht an einem Zuhäusl.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Mit der harten Entscheidung des Landratsamts, einem Rimstinger das Baurecht für ein Zuhäusl aus dem 18. Jahrhundert zu verwehren, befasste sich der Gemeinderat. Der Eigentümer hatte das historische Mauerwerk aus Bachkugeln nach einem Sturm eingerissen, womit er es sich mit dem Amt verscherzte.

Rimsting – Was tun, wenn das Baurecht erloschen ist, der Grundstückseigner aber sein Bauvorhaben trotzdem umsetzen will? Ein Bauwerber aus Otterkring und sein Anliegen, ein historisches Zuhäusl neben seinem Anwesen für den Sohn umzubauen, beschäftigten den Rimstinger Gemeinderat in der jüngsten Sitzung. Nicht zum ersten Mal: Den lang gedienten Räten im Gremium war noch bewusst, dass das Landratsamt Rosenheim im Jahr 2012 eine Erweiterung des Zuhäusls samt Keller am Otterkringer Anwesen genehmigte.

Das Zuhäusl stand damals bereits seit Jahrzehnten östlich des Haupthauses und wurde lange Zeit bewohnt.

Ortstermin der Behörde macht Pläne erst mal zunichte

Ausgeführt wurden die geplanten Arbeiten nach 2012 aber nicht. 2014 dann wurde das kleine Häuschen bei einem Sturm durch umstürzende Bäume so schwer beschädigt, dass laut Eigentümer die tragenden Außenwände auf der West- und Nordseite aus Statikgründen abgerissen werden mussten.

Der Erhalt ebendieser Wände wäre aus historischen Gründen jedoch zwingend notwendig gewesen, wie das Landratsamt vormals festgelegt hatte: Anwesen und Zuhäusl stammen aus dem 18. Jahrhundert, zum Bau wurden sogenannte Bachkugeln verwendet.

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Zur Krux für den Bauwerber wurde diese Voraussetzung erst, als er 2018 endlich mit dem Umbau beginnen wollte und dem Amt dies anzeigte: Hatte die Behörde 2016 die Baugenehmigung noch bis Anfang 2019 unbesehen verlängert, wurde nun eine Kontrolle vor Ort durchgeführt. Bei dieser beanstandete der Sachverständige die fehlenden Außenmauern. „Damit erlosch das Baurecht für den Eigentümer“, erläuterte Bürgermeister Fenzl (CSU) dem Gremium die Folgen des behördlichen Besuchs in Otterkring. Der Bauwerber stelle nun erneut einen Antrag auf Vorbescheid, um das nicht mehr vorhandene Baurecht wieder aufleben zu lassen. Fenzl wies zudem darauf hin, dass in allen vorangegangenen Beschlüssen des Gemeinderats den Bauvorhaben immer zugestimmt worden sei. Ortsplanerisch, sei der kleine Bau vertretbar.

„Unglückliche Umstände„

Der Bauwerber wies die Gemeinde darauf hin, dass sein Sohn, Nachfolger des ortsansässigen Familienunternehmens, in absehbarer Zeit in das Zuhäusl einziehen wolle und sich in der Familienplanung befände.

Im Raum stand nun die Frage, die Johann Grießl (CSU) aufwarf, ob dem Bauwerber mit einer erneuten Zustimmung – von der man grundsätzlich nicht abgeneigt sei – auch beim Landratsamt geholfen wäre.

Georg Heindl (CSU) sprach von „unglücklichen Umständen“, man solle den Bauherrn deshalb nicht behindern. Dem schloss sich sein Fraktionskollege Thomas Schuster an: Das Versäumnis liege zwar beim Bauherrn, aber der Grund dafür sei „höhere Gewalt“.

Pläne müssen nachgereicht werden

Nachdem den Räten die Architektenpläne gezeigt wurden, entspann sich eine Diskussion um die optische Gestaltung des Zuhäusls und die Abstandsflächen. So fand Christine Ilchmann (CSU) den Abstand zwischen Außenmauer und Grenze zum Nachbargrundstück mit 20 Zentimetern zu knapp. Laut Geschäftsführerin Regina Feichtner sei dies aus Sicht des Bauamts kein Problem, das Einverständnis des Nachbarn liege vor.

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Nina Weinland (Grüne) zweifelte daran, dass der geplante Wohnraum ausreichend für eine Familie sei. Monika Walter (Grüne) fand es schade, dass nun der Charakter des ursprünglichen Zuhäusls nicht erkenntlich sei und es optisch nicht mehr zum Haupthaus, einem ehemaligen Bauernhof, passe. „Geschmäcker sind eben verschieden“, bemerkte Mary Fischer (FW), die vielmehr fand, dass die Erhabenheit des Bauernhauses durch die moderne Zuhäusl-Gestaltung besser zur Geltung komme.

Was letztlich allen Räten fehlte, war eine aktuelle Süd- und Ostansicht der Pläne. Einstimmig beschloss man, die Baugenehmigung erneut zu verlängern. Der Bauwerber solle die fehlende Ansicht nachreichen und das Landratsamt den Grenzabstand noch einmal prüfen. Einig war man sich, die Behörde solle eine Ermessensentscheidung treffen und das Baurecht wieder aufleben lassen.

Bachkugeln, heißt es beim Landesamt für Denkmalpflege in München, seien im Chiemgau als Baumaterial lange beliebt gewesen. Es war leicht verfügbar und somit vor rund 200 Jahren noch nichts besonderes – heute ist die Bauart selten geworden und gilt daher für das Landratsamt als erhaltenswert.

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