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Wenn der Trachtenverein einlädt

Rimsting zeigt, wie´s geht: Ein alter Brauch ist beliebt wie eh und je

Ein Bild aus glücklichen Tagen in der Vergangenheit: Das Dorffest in Rimsting, ausgerichtet von den Trachtlern des GETV Ludwigshöhe, war mit rund 500 Gästen stets gut besucht. Heuer, als erstmals wieder ein Fest stattfinden durfte, reichte man nach der zweijährigen Pause fast wieder an diese Zahl heran. Dem Brauch selbst und seiner Funktion als Gemeinschafts-Kitt hat Corona offenbar nicht geschadet.
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Ein Bild aus glücklichen Tagen in der Vergangenheit: Das Dorffest in Rimsting, ausgerichtet von den Trachtlern des GETV Ludwigshöhe, war mit rund 500 Gästen stets gut besucht. Heuer, als erstmals wieder ein Fest stattfinden durfte, reichte man nach der zweijährigen Pause fast wieder an diese Zahl heran. Dem Brauch selbst und seiner Funktion als Gemeinschafts-Kitt hat Corona offenbar nicht geschadet.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Wer kommt noch aufs traditionelle Dorffest? Und das trotz Corona? Die Rimstinger haben es mit ihrem Dorffest vorgemacht und haben ihre eigenen Erwartungen übertroffen: Es kamen fast genauso viele Besucher wie vor der Pandemie. Ein Heimatforscher erklärt das Fest zur integrativen Angelegenheit.

Rimsting – Fast zwei Jahre passiert nix, und dann das: Mit 450 Besuchern war das Dorffest, das der Trachtenverein Ludwigshöhe in Rimsting ausrichtete, fast schon genauso gut besucht wie in alten Zeiten. „Alt“, das ist quasi das, was an sozialem Leben vor der Pandemie stattfand. Aber die Rimstinger und Greimhartinger haben das Beisammensein nicht verlernt, wie erster Vereinsvorsitzender Matthias Feichtner rückblickend erzählt: „Erst hat es sich ein bisserl komisch angefühlt, so ohne Maske mit all den Menschen zusammen zu sitzen und es sich einfach mal gut gehen zu lassen“, meint er, freilich alles legal unter freiem Himmel.

Seit Weihnachten 2019 kein Fest mehr

„Wir haben das lange im Vorfeld mit den Behörden abgestimmt.“ Dass man aber fast an die Besucherzahl früherer Feste von 500 rankommt, habe ihn überrascht: „Wir haben mit mehr Zurückhaltung gerechnet.“ Und noch etwas sei positiv aufgefallen: „Es sind deutlich mehr Jüngere gekommen als sonst.“ Sein Fazit: Es macht durchaus Sinn, sich nach all der Aus-Zeit wieder der Tradition zu widmen.

Und nein, Netflix & Co. haben der Lust auf Bierbank-Gemütlichkeit und den musikalisch-tänzerischen Darbietungen der Trachtler keinen Abbruch getan: „Digitale Angebote ersetzen in keinster Weise soziale Kontakte, sondern dienen lediglich zum Zeitvertreib“, findet Feichtner, „ein Treffen der Dorfgemeinschaft hat es seit dem Weihnachtsmarkt 2019 in Rimsting nicht mehr gegeben – von dem her ist die Wichtigkeit eines Dorffests nicht hoch genug einzuschätzen. Ein Dorf lebt von der Gemeinschaft und dem Zusammenhalt. Beides in den vergangenen Monaten zu kurz gekommen.“ Das scheinen auch die jungen Mitglieder des Trachtenvereins so zu sehen, denn laut Feichtner seien sie nach der langen Pause besonders gern wieder zu den geregelten Proben gekommen: „Sie haben ihrem Auftritt regelrecht entgegen gefiebert.“

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Schließlich, so Karin Feichtner, wurden die erlernten Tänze am Festabend erstmals vor den Eltern, Freunden und Großeltern präsentiert. Sie ist zuständig für die Trachtenjugend und hat beim Fest mit Freude beobachtet, was noch jeder vom Land aus der eigenen Kindheit kennen dürfte: „Für die Kinder sind die Feste obendrein eine Gelegenheit, andere Kinder unterschiedlicher Altersstufen zu treffen, mit ihnen nach den Auftritten um das Schulhaus zu sausen, auf der Bühne zu tanzen, und einfach gemeinsam zu spielen und neue Kinder aus dem Ort kennenzulernen.“

Alle mit ins Boot kriegen

Apropos neu: Ist das von Trachtlern ausgerichtet Dorffest nicht mehr oder weniger eine Exklusiv-Veranstaltung? In allen Dörfern leben schließlich immer mehr „Zuagroaste“. Finden sie einen Zugang zur dörflichen Festtradition? „Die Erfahrung hat gezeigt, dass auch neu hinzugezogene Dorfbewohner gerne diese Gelegenheit für Bekanntschaften nutzen und Kontakte knüpfen“, sagt Karin Feichtner. „Für uns als Trachtenverein ist es eine schöne Möglichkeit, auch ortsfremden Personen unser Brauchtum zu vermitteln.“

Einer, der sich beruflich mit Heimat- und Brauchtumspflege beschäftigt, ist Dr. Norbert Göttler, Fachberater beim Bezirk Oberbayern. Er sagt: „Ein echtes Dorffest ist inklusiv, will möglichst alle mit ins Boot kriegen, denn es zählt schließlich alles, was die Dorfgemeinschaft im positiven Sinne stärkt.“ Wurde dieses Ziel in der Vergangenheit verpasst, so sei es zumindest ein längerer Prozess, bis sich die Strukturen aufweichten.

Wenn im eigenen Ort die Konkurrenz droht

Ein Beispiel dafür ist für ihn das Maibaumaufstellen: „Das war früher eine klassische Angelegenheit des gesamten Dorfes über alle Vereine, die politische und die kirchliche Gemeinde hinweg, alles waren integriert.“ Heute aber sei es nicht selten so, dass in einem Dorf gleich drei Maibäume von unterschiedlichen Gruppen aufgestellt würden – „so wird das zu einer Konkurrenzveranstaltung.“ Soziale Medien spielten dabei eine Rolle, könnten aber auch helfen, die Menschen zu einem gemeinsamen Event zusammenzubringen.

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Göttler ist nicht nostalgisch: „Das Dorf von gestern ist nicht mehr das Dorf von morgen“, ob sich die Veränderung nun wegen Corona vollzieht oder durch soziologische Prozesse wie der Zuzug neuer Personengruppen, sei dabei egal. „Wichtig ist, dass alle aufeinander zugehen und es keine Ghettos aus Einheimischen und Zuzüglern gibt, dann klappt es auch mit dem Dorffest für alle.“

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