Rimsting: Technik zu alt und verbraucht: 3,5 Millionen Euro fließen heuer in den Chiemsee-Ringkanal

Seit 31 Jahren ist die Kläranlage des Chiemsee-Ringkanals in Stiedering (Gemeinde Rimsting) im Dauerbetrieb. Das ist der Technik immer mehr anzumerken.
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Seit 31 Jahren ist die Kläranlage des Chiemsee-Ringkanals in Stiedering (Gemeinde Rimsting) im Dauerbetrieb. Das ist der Technik immer mehr anzumerken.

Am Chiemsee-Ringkanal nagt der Zahn der Zeit. 31 Jahre nach der Inbetriebnahme des damaligen Jahrhundertbauwerks müssen die Kommunen immer mehr Geld in die Hand nehmen, um technische Komponenten des Systems auszutauschen oder nachzurüsten.

Von Hans Thümmler

Rimsting – In der ersten Arbeitssitzung der Verbandsversammlung des Abwasser- und Umweltverbands (AUV) Chiemsee in dieser Legislaturperiode unter Vorsitz von Rimstings Bürgermeister Andreas Fenzl erläuterte Anton Schmuck, geschäftsführender Gesellschafter des planenden Ingenieurbüros Dippold & Gerold aus Prien, die Details der für heuer und 2021 geplanten Investitionen von zusammen 3,5 Millionen Euro. Finanziert werden solche Ausgaben über Umlagen der zehn Mitgliedsgemeinden, deren Höhe sich wiederum wesentlich an den Einwohnerzahlen orientiert.

Mit der Ringkanalisation wird das Abwasser in zwei Spangen um und zum Teil durch den Chiemsee zur Kläranlage in Stiedering geleitet. Das gereinigte Abwasser fließt später unterirdisch zehn Kilometer in den Inn.

150 Millionen Kubikmeter Abwasser seit 1989 gereinigt

150 Millionen Kubikmeter Abwasser wurden seit 1989 in Stiedering gereinigt, erklärte Schmuck den Bürgermeistern und Gemeinderäten in der Verbandsversammlung im Betriebsgebäude auf dem Kläranlagen-Gelände. Das Gremium ist nach der Kommunalwahl im März zum überwiegenden Teil personell neu besetzt.

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107 Millionen Euro wurden laut AUV-Geschäftsführer Thomas Weimann bisher investiert, den Bau in den 1980er Jahren mit eingerechnet, die Ortskanäle nicht. Ihr Bau und ihre Instandhaltung sind Aufgaben der jeweiligen Gemeinde.

Die Kapazität der Ringkanalisation wird nach einem komplizierten Schlüssel anhand sogenannter Einwohnergleichwerte (EGW) berechnet. Ein Bürger zählt 1,0, ein Gewerbebetrieb mehr, ein Tourist weniger, weil er nur begrenzte Zeit in der Region ist. Die Ringkanalisation ist für 85 000 Einwohnergleichwerte ausgelegt. Die Auslastung schwankt jahreszeitlich bedingt derzeit zwischen 30 000 und 76 000 EGW.

Schmuck ließ in seinem Vortrag keinen Zweifel, dass viele der technischen Anlagen am Ende ihrer Gebrauchszeit angelangt seien und erneuert werden müssten.

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Die größte derzeit laufende Investition sei die Erneuerung der zwei Blockheizkraftwerke mit Kosten von rund 1,1 Millionen Euro. Die beiden neuen Anlagen sollen Ende des Jahres in Betrieb gehen. In den BHKWs wird Gas, das beim Klärprozess entsteht, in Energie zum Eigenverbrauch umgewandelt. Im Zuge des BHKW-Baus wird laut Schmuck zudem die zentrale Schalttechnik der riesigen Kläranlage nach 85 000 Betriebsstunden für eine halbe Million Euro ausgetauscht.

Die beiden riesigen Faulbehälter sollen einer Art Generalrevision unterzogen werden. Kostenpunkt: 630 000 Euro.

Neue Technik für Pumpwerke in Grabenstätt

Die größte Investition in den nächsten beiden Jahren ist für die beiden Nachklärbecken eingeplant. Durch den Einbau eines flexiblen Einlaufbauwerks für 1,7 Millionen Euro soll laut Schmuck das Volumen der Becken erhöht werden.

Die zwölf Haupt- und 19 Nebenpumpwerke rund um den Chiemsee werden schrittweise dem technischen Stand abgepasst. So soll in diesem Jahr die Technik in den Pumpstationen Grabenstätt, Übersee und Erlstätt für zusammen 420 000 Euro erneuert werden.

Die Finanzsituation des Verbandes sei sehr gut, erklärte Geschäftsführer Weimann in der Versammlung angesichts der anstehenden Ausgaben in Millionenhöhe. Der AUV sei seit kurzem schuldenfrei.

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