Mückenplage am Chiemsee aushalten? – Gemeinde Rimsting zumindest plant weiter den Kampf

  • Elisabeth Sennhenn
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Große Debatte im Gemeinderat: Soll sich Rimsting weiter am Programm zur Mückenbekämpfung beteiligen? Momentan teilen sich neun Chiemsee-Kommunen die Kosten dafür, Seeon-Seebruck ist schon ausgestiegen. Denn: Seit 2015 gab es keine Plage mehr – doch niemand weiß, ob da so bleibt.

  • Zur Mückenbekämpfung am Chiemsee kann ein Einweißstoff ausgebracht werden, der die Larven der Insekten tötet
  • Seit 2015 haben die Gemeinden, die sich die Option auf einen derartigen Einsatz teilen, jedoch keinen Einsatz benötigt 
  • Die Befürchtung: Wenn jetzt die Mücken doch zur Plage werden, schadet das dem Corona-geplagten Tourismus ganz besonders

Rimsting – Die Überschwemmungsmücke ist ein echter Plagegeist: Nach schweren Regenfällen und Hochwasser lässt sie sich in überschwemmten Gebieten, Tümpeln und Pfützen nieder, um Eier dort zu legen. Nach kurzer Zeit rauben Millionen von Mücken den Menschen am Chiemseeufer, auf der eigenen Terrasse oder im Biergarten den letzten Nerv.

Dem Gemeinderat Rimsting stellte sich jüngst in einer Sitzung die Frage, ob man sich am bisherigen Programm zur Mückenbekämpfung am Chiemsee weiter beteiligt – die derzeitige Genehmigung der Regierung von Oberbayern läuft am 31. Dezember aus.

In enger Abstimmung mit Naturschutz

„Die letzte Bekämpfung der Überschwemmungsmücke fand bei uns 2015 statt“, informierte Bürgermeister Andreas Fenzl (CSU) das Gremium. Rimsting habe der Einsatz damals anteilig knapp 12.000 Euro gekostet, wobei sich die seeanliegenden Gastronomie- und Hafenbetriebe freiwillig mit 2.000 Euro beteiligt hatten.

Nur die "Überschwemmungsmücke"

Die neuen Gemeinderäte im Gremium klärten er und Geschäftsführerin Regina Feichtner über das Prozedere der Mückenbekämpfung auf: „Es geht dabei ausschließlich um die Überschwemmungsmücke, nicht um andere Insektenarten.“ Es gehe auch nicht um eine einzelne Gemeinde, sondern um Kommunen am Chiemsee, die Mitglied im Abwasser- und Umweltverband (AUV) sind. Dieser veranlasse die Mückenbekämpfung in enger Abstimmung und ausschließlicher Genehmigung den Naturschutzbehörden. Eingebunden in die Entscheidung seien stets die Regierung von Oberbayern sowie die Landratsämter Rosenheim und Traunstein nach Auswertung von Gewässerproben, die den Nachweis über die Zahl der Mückenlaren bringen.

Hubschrauber im Einsatz

Der AUV klärt seinerseits auf seiner Website über das Prozedere auf, das erstmals 1997 nach Vorbild der Mückenbekämpfung am Oberrhein am Chiemsee zur Anwendung kam. Per Hubschrauber auf die betroffenen Gebiete ausgebracht wird dann das kristalline Eiweiß des Bakteriums Bti (Bacillus thuringiensis isaraelensis). Es bekämpft gezielt die Larven und schadet nachweislich keinem anderen Lebewesen.

7.500 Euro Grundkosten pro Jahr

Bevor es in die Diskussion im Rat ging, wies Fenzl die Mitglieder auf zwei Tatsachen hin: „Nach aktuellem Pegelstand des Chiemsees sieht es nicht so aus, dass heuer noch eine Bekämpfung durchgeführt werden muss, wenn es nicht zu außerordentlichen und andauernden Regenfällen kommt.“ Und: „Die Gemeinde Seeon-Seebruck ist vergangenes Jahr aus dem Programm ausgestiegen.“ Demnach verteilten sich die Kosten auf neun verbleibende Gemeinden: Für die Jahre 2016 bis 2019 war dies ein Grundbeitrag für die Einsatzbereitschaft der Firma Icybac, 7.500 Euro pro Jahr, für damals noch zehn Kommunen. Fenzl äußerte die Sorge, dass auf die einzelne Gemeinde immer mehr Kosten zukämen, stiegen nach und nach die Kommunen um den Chiemsee aus. Wobei auch kein Aussteiger von Bekämpfungsaktionen der verbleibenden Kommunen profitieren könne, weil der Stoff nur gezielt ausgebracht werde.

Artenschutz kontra Wirtschaft und Tourismus

Für einen Ausstieg Rimstings sah etwa Stefan Julinek (CSU) keinen Grund: „Wir sind eine Tourismusregion, und naturschutzrechtlich lässt sich die Bekämpfung der Mücken vertreten.“ Wenn es darum gehe, Badegäste und Gäste in Speiselokalen vor einer Plage zu schützen, sei er für die Verlängerung des Programms.

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Bekämpfen nicht notwendig

Raimund Feichtner (UWG) dagegen sah fünf Jahre ohne Bedarf als ausreichenden Grund dafür an, sich nicht weiter zu beteiligen: „Es gab schon bei der Einführung des Programms Bedenken“, erinnerte er und mahnte an: „Wir können nicht gleichzeitig über Insektensterben klagen und an ihrer Bekämpfung mitwirken. Ein singuläres Ereignis wie eine Mückenplage muss man schlicht aushalten.“

Monika Walter (Grüne) schloss sich dem grundsätzlich an: „Insekten zu bekämpfen, das geht heutzutage nicht mehr, schon aufgrund des großen Vogelsterbens.“

Sorge um Wirte bei erneuter Plage

Nachdem Fenzl einwarf, die Gastronomie würde jedoch unter einer Plage besonders leiden, reagierte Mary Fischer (FW) zwiegespalten: „Mit dem Artenschutzbegehren lässt sich das Ganze nicht vereinbaren, aber die Gastrobetriebe haben gerade eine Durststrecke hinter sich. Sollte es tatsächlich zu einer erneuten Mückenplage kommen, könnte das die Öffentlichkeit verschrecken – mit fatalen Folgen für die Wirte am Chiemsee.“ Sie schlug vor, im Hinblick auf die außergewöhnliche Situation durch Corona noch für einen Turnus dem Programm zuzustimmen und erst danach auszusteigen.

Diesen Vorschlag griff Fenzl auf und gab zur Abstimmung, die Beteiligung bis 2022 zu verlängern und dann neu zu entscheiden. Bis auf zwei Gegenstimmen gaben die Gemeinderäte dazu ihr Einverständnis.

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