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IM KINO

In Rimsting gedrehte schwere Kost

Eine der Filmszenen, für die der „Seehof“ auf alt gemacht wurde: Pankraz (Josef Bierbichler) im Gespräch mit Schnapp (Klaus Pohl).  Marco Nagel, X Verleih AG
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Eine der Filmszenen, für die der „Seehof“ auf alt gemacht wurde: Pankraz (Josef Bierbichler) im Gespräch mit Schnapp (Klaus Pohl). Marco Nagel, X Verleih AG

Im Sommer 2017 wurde am Seeufer bei Rimsting gedreht, jetzt kommt „Zwei Herren im Anzug“ in die Kinos. Einer der wenigen, die Josef Bierbichlers Drama um eine Bauern- und Wirtsfamilie bereits vorab gesehen haben, ist der Rimstinger Bürgermeister Josef Mayer.

Rimsting– An die Dreharbeiten unten beim Hotel „Seehof“ am Schafwaschener Winkel erinnert sich der Bürgermeister noch gut. Als die Kulisse aufgebaut wurde, war er mehrfach vor Ort, während der Dreharbeiten dann nicht mehr. Daher habe er auch Josef Bierbichler nicht persönlich kennengelernt, der in Personalunion Regisseur, Schauspieler der Hauptrolle, Drehbuchautor und Autor der Romanvorlage „Mittelreich“ ist.

Interessant sei es gewesen, wie der „Seehof“ auf alt getrimmt wurde und plötzlich ganz anders aussah, auch weil die Fassade eines Nebengebäudes aufgebaut wurde, was im fertigen Film täuschend echt rüberkomme. Wegen dieses Nebengebäudes musste der Chiemseerundweg für zwei Wochen gesperrt werden; mitten in der Urlaubszeit. „Ein bisschen problematisch, aber lösbar“, so Mayer. Eine Umleitung wurde eingerichtet.

Ein „bissl ein Reibungspunkt“ war auch, dass der Dampfersteg nicht nutzbar war. Und das, wo Rimsting die einzige Gemeinde am Chiemsee ist, in der Eheschließungen auf dem See möglich sind – auf speziell gewidmeten Schiffen, die eben an diesem Steg anlegen. Es musste ein wenig gezaubert werden, dann ließ sich auch das lösen.

Einen touristischen Werbeeffekt für Rimsting verspricht sich der Bürgermeister nicht. „Wer die Örtlichkeiten nicht kennt, sieht nicht, dass das der Chiemsee ist“, so Mayer. Doch die Landschaftsaufnahmen – auch auf der Ratzinger Höhe wurde eine Fahrszene gedreht – seien toll.

So sehr er auch danach Ausschau hielt, bekannte Gesichter entdeckte der Bürgermeister in „Zwei Herren im Anzug“ nicht. Zwar wisse er von Rimstingern, die eine Rolle als Komparse bekommen haben, aber im Film wiederfinden konnte er keinen. Rund 150 Chiemgauer waren damals zum Casting für eine kleine Rolle gekommen.

Am Anfang sei es ihm wegen der vielen Rückblenden schwer gefallen, in den Film reinzufinden, räumt Mayer ein. Kein Wunder, sitzen doch der Wirt und Bauer Pankraz und sein Sohn Semi nach der Beerdigung der Mutter im Gasthof zusammen und erzählen sich die Geschichte der Familie – vom Ersten über den Zweiten Weltkrieg, die aliierte Besatzung, den Kalten Krieg und die Wirtschaftswunderzeit bis heute (der Film spielt im Sommer 1984).

Anschaulich, aber schonungslos

Schreckliche Erlebnisse werden thematisiert, die nicht nur den jeweils Betroffenen veränderten, sondern sich auf die ganze Familie auswirken, im Endeffekt das Leben mehrerer Generationen zerstört haben.

Bierbichler, so der Bürgermeister, greife sehr viele Probleme der Gesellschaft auf und zeige deren Folgen für die eigene Psyche und das Umfeld anschaulich, eindrücklich, aber auch schonungslos in teils „sehr harten Szenen“. Um Geisteskrankheit geht es, Kriegstraumata, Todessehnsucht, den Missbrauchs-Skandal in der Kirche – und noch eine ganze Reihe mehr. „Schwere Kost“ lautet Mayers Fazit.

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