Neuer Mast soll errichtet

Rimstinger Bürgerinitiative kämpft gegen 5G: „Vorsorge spielt keine Rolle“

Ein „weißer Fleck“ in der Chiemgauer Mobilfunklandschaft ist das markierte Grundstück an der Bahnunterführung Westernacherstraße in Rimsting. Hier will die Telekom einen LTE- und 5G-Funkmast errichten.
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Ein „weißer Fleck“ in der Chiemgauer Mobilfunklandschaft ist das markierte Grundstück an der Bahnunterführung Westernacherstraße in Rimsting. Hier will die Telekom einen LTE- und 5G-Funkmast errichten.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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„Die Telekom wird nicht nachlassen, auch für die letzten Lücken im Mobilfunknetz entlang der Bahnstrecken eine Lösung zu finden.“ Die Stellungnahme der Telekom auf Anfrage unserer Zeitung zum geplanten Funkmast in Rimsting klingt für die einen wie Musik in den Ohren, für die anderen wie eine Drohung.

Rimsting/Marquartstein – Die einen freuen sich über ein dichteres Mobilfunknetz und schnellere Datenübertragungsraten, wie sie 5G bieten soll. Die anderen fühlen sich überrumpelt und verlangen, erst einmal die gesundheitliche Unbedenklichkeit von 5G nachzuweisen.

5G-Moratorium wird gefordert

„Der neue Standort in Rimsting wird mit Antennentechnik für LTE und 5G ausgestattet sein“, erklärt Telekom-Sprecherin Katja Werz weiter. Neben den Bahnkunden solle auch die Gemeinde selbst davon profitieren.

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Die lokale Bürgerinitiative (BI) „Rimsting 5G-frei“ indes hat wie 150 weitere Bürgerinitiativen und Vereine aus ganz Deutschland – darunter auch solche aus Schleching, Chieming, Bergen, Traunstein, Ruhpolding und Siegsdorf – einen Offenen Brief des „Bündnisses Verantwortungsvoller Mobilfunk Deutschland“ unterzeichnet. Dieser richtet sich an den Bundespräsidenten, die Bundeskanzlerin, Ministerien und Politiker von Bund und Ländern, das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), die Strahlenschutzkommission (SSK) sowie an die Öffentlichkeit. Der Brief liegt auch unserer Zeitung vor. Der Inhalt im Kern: Die Initiativen fordern ein „5G-Moratorium, eine Technikfolgenabschätzung durch unabhängige Experten, Strahlenminimierung und die Beachtung des Vorsorgeprinzips“. Sie stellen im Brief 17 Forderungen auf, unter anderem: WLAN-freie Zonen in Kliniken, Behinderteneinrichtungen, Altersheimen und öffentlichen Verkehrsmitteln sowie Funk- und WLAN-freie Kitas, Spielplätze, Schulen und Universitäten – als Alternative sollen kabelgebundene digitale Anwendungen dienen.

Frequenzen im Mikrowellenbereich

Bis heute gibt es keine Studien, die nachweisen, dass elektromagnetische Strahlen, die im Zusammenhang mit 5G entstehen, gesundheitlich unbedenklich sind. 5G nutzt höhere Frequenzbereiche als die bisherigen Standards. Selbst das BfS fordert „eine vorsorgliche Verringerung der individuellen Belastung“, wie auch der Offene Brief aufgreift. „Wir sind nicht gegen technischen Fortschritt“, stellt BI-Sprecherin Sabine Lang aus Rimsting klar. Der Mobilfunk-Ausbau und speziell die Forcierung von 5G seien unverantwortlich, solange man nicht wisse, was 5G-Frequenzen, die im Mikrowellenbereich angesiedelt seien, für Mensch und Umwelt bedeuten.

Ihr Mitstreiter Lothar Löchter aus Ruhpolding, pensionierter Ingenieur und Sprecher der Initiative „Lebenswertes Ruhpolding 5G frei“, weist darauf hin, dass Mobilfunkversorgung nicht Teil des Telekommunikationsgesetzes (TKG) ist. Er vermutet politischen Willen verquickt mit Wirtschaftsinteressen (siehe Infokasten).

Mobilfunkkonzept soll helfen

Er zeigt sich schockiert darüber, dass das im Grundgesetz verankerte Vorsorgeprinzip dabei offenbar keine Rolle spielt: Danach sollen denkbaren Belastungen beziehungsweise Schäden für die Umwelt sowie die menschliche Gesundheit im Voraus – trotz unvollständiger Wissensbasis – vermieden oder weitestgehend verringert werden. Darauf verweist auch das Umweltbundesamt.

In Rimsting überlegt man nun, einen Bürgerantrag für ein kommunales Mobilfunkkonzept zu stellen, „damit im Ort eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema stattfinden kann“, so Sabine Lang.

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