Die „RimSinger“ trällern in der Krise allein

Die „RimSinger“entführten das Publikum in ihrem jüngsten Programm von Bayern nach New York. Der 16-köpfige Chor würde eigentlich jetzt für die anstehende Saison proben, darf sich aber nicht treffen. Vorsitzender Werner Aß (ganz links unten) und Hansjörg Schöne, der oft technische Fragen klärt (rechte Reihe, ganz oben)), hoffen darauf, dass sich das bald wieder ändert. re

2021 feiern die „RimSinger“ aus Rimstng ihr 20-Jähriges. Der etwas andere Chor singt sich quer durch alle Genres und reiste zuletzt musikalisch nach New York. Wohin die Reise nach Corona geht, wissen die leidenschaftlichen Sänger noch nicht. Wünsche gibt es aber genug. Vorsitzender Werner Aß etwa träumt vom Singen auf dem Schiff und einem Auftritt in Irland.

Von Elisabeth Sennhenn

Rimsting – „Notorische Sänger, das sind wir alle“, lacht Werner Aß. Er selber zum Beispiel, müsse auch jetzt, wo ihn die Corona-Krise ins Homeoffice zwinge, fast bei jeder Gelegenheit vor sich hin singen. „Abba, Beatles, deutsche Schlager der 1920er und 30er-Jahre – ich mag so vieles, da kann ich kein einzelnes Genre herausgreifen.“ Zum Glück habe seine Frau das schon vor der Hochzeit gewusst, scherzt der erste Vorsitzende der „RimSinger“.

Der 16-köpfige Chor aus lauter aktuellen oder ehemaligen Rimstingern ist eine besondere Formation: Querbeet durch die Genres wird gesungen, mal A capella, mal in Begleitung eines ausgewählten Instruments, stets in Verbindung mit „ein bisserl Action“ tritt sie auf.

Immer für neue Überraschungen gut

„Wir bauen in unsere Aufführungen auch mal einen Sketch ein und führen Handlungen aus, damit das Publikum immer wieder Überraschungen erlebt“, beschreibt es Hansjörg Schöne, selbst seit vielen Jahren Ensemblemitglied. So haben sie es zum Beispiel in ihrem jüngsten Programm, „Ein Bayer in New York“, gemacht: Konzipiert als eine musikalisch-kulturelle Reise durch die Welt, fand sie szenisch in New York ihren Höhepunkt. „Passend zum Zielort haben wir dann `New York, New York´ intoniert, und während eines unserer Mitglieder gesteppt hat, klinkte sich ein anderer mit einem Schuhplattler ein.“

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Ob Pop, Rock, oder Klassik: Die „RimSinger“ wollen sich auf kein Genre festlegen und bringen, wenn es darum geht, ein neues Programm auf die Beine zu stellen, in ihrer „Programmfindungskommission“ Vorschläge ein, beschreibt Schöne. Man habe vier Berufsmusiker, etwa Musikschullehrer, in den eigenen Reihen, ergänzt Aß. Das bringe die notwendige Professionalität in den Chor. Die Altersspanne der Mitglieder reicht von 30 bis 68 Jahren, „so ergeben sich immer wieder neue Impulse“, freut sich Aß. „Nachwuchssorgen haben wir keine.“ Sein Musik-Gen hat er auch an seine Söhne Marinus, Simon und Florian weitergegeben, die mit zwei Mitstreitern die inzwischen preisgekrönte Chiemgauer Rockband „Tilda“ gegründet haben.

100 Lieder sind im Repertoire

Die „RimSinger“ seien aus Freude am Singen unter mehreren Nachbarn heraus entstanden, erzählt Schöne. Anfangs habe seine Tochter Rebecca den Chor auf ihrem Klavier begleitet, und zwar bei ihnen zuhause, berichtet der 68-Jährige von den Anfängen: „Dann hieß es: Du singst jetzt einfach mit!“ Seitdem lasse ihn der Chor nicht mehr los.

Stolz erzählen die beiden Amateursänger Schöne und Aß von ihren bisherigen „Auslandseinsätzen“: In Italien sei man schon aufgetreten, in Ungarn und schon mehrmals in der Steiermark, „da haben wir eine kleine Fangemeinde.“ Die Fahrten finanziert der Chor über seine Einnahmen – ein eingetragener Verein ist er nicht, verfolgt aber außer der Finanzierung der Auftritte keine kommerziellen Zwecke.

Make-up und Szene müssen stimmig sein

Hat man sich früher wöchentlich zum Proben getroffen, ist das mit einem einstudierten Repertoire von rund 100 Liedern inzwischen nicht mehr nötig. „Wir proben nur noch projektbezogen“, sagt Schöne. Geht es dann an den Auftritt, kümmern sich Werner Aß´ Frau Rita um das Make-up, Chormitglied Raimund Feichtner um die stimmige Szenerie. Vorerst geht das alles freilich nicht. Die jüngsten Termine im März mussten wegen des Infektionsrisikos abgesagt werden.

„Uns fehlt das gemeinsame Singen schon sehr“, bedauert Aß das momentane Verbot, sich zu Mehreren zu treffen. „Es wird ja immer wieder von der wohltuenden Wirkung des Singens berichtet, und ich kann das bestätigen“, sagt der 59-Jährige, der als Lehrer gerade von zu Hause aus seine Schüler in den Fächern Deutsch und Psychologie betreut. „Aber zusammen mit Gleichgesinnten singen, das ist noch einmal ein ganz anderes Erlebnis.“

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Gemeinsame Treffen fehlen ihnen

Um die Truppe mal wieder sehen zu können, hat Schöne, der Technikbegabte des Chors, allen eine Software zur Verfügung gestellt, die ein virtuelles Gruppentreffen ermöglicht. Das erste Fazit: Ein echter Ersatz fürs gemeinschaftliche Schmettern ist das nicht, aber besser als gar nichts.

Zum 20-Jährigen im kommenden Jahr hoffen die „RimSinger“ sehr, wieder proben und auftreten zu können. „Ich würde mir wünschen, einmal auf einem Schiff zu singen“, sinniert Werner Aß, „das haben wir bisher noch nie gemacht. Vielleicht auf dem Chiemsee-Dampfer?“

Der leidenschaftliche Sänger kann sich auch gut vorstellen, wieder zu verreisen, sobald es erlaubt ist: „Die Iren gelten als sehr musikalisch. Ein Gastauftritt in Irland, das wär´s!“

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