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FASCHINGSHOCHZEIT

Riesen-Gaudi in Gaishacken

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Zum vierten Mal in der Geschichte der vormaligen Gemeinde Wildenwart zog ein besonderes gesellschaftliches Ereignis alle in seinen Bann: Nach 20 Jahren Pause feierte man zusammen beim Bauern in Gaishacken am Samstag wieder eine Faschingshochzeit (wir berichteten bereits kurz).

Atzing/Wildenwart – Die Faschingshochzeit veranstalteten die Trachtenvereine „Daxenwinkler“ Atzing und „Die lustigen Wildenwarter“ sowie der Förderverein Vereinshaus Atzing. Das mit alten Traktoren der Marken Eicher und Deutz und mit einem Balkenwagen „angelieferte“ Brautpaar „Vollbärta Schwenglstengl aus Rögerlingen“ und „Blasius Brieglbeisser aus Huberting“ gab sich zu mittäglicher Stunde vor einer großen Hochzeitsgesellschaft das Ja-Wort, annähernd 400 Zuschauer wohnten dem Heiratsspektakel bei. Ludwig Freund als Hochzeitslader hatte viel zu tun, um das Brautpaar in Zaum zu halten, denn der Bräutigam versuchte, noch kurz vor der Trauung durch Flucht dem Stand der Ehe zu entgehen.

Nachdem ihn mutige Burschen einfingen, brauchte es viel Kampf, Bräutigam und Braut zu überreden, sich das Ja-Wort zu geben. Doch bald wurden Florian Röger und Martina Huber ein Paar. Optisch zwar grundverschieden soll das Versprechen aber zumindest bis zum Aschermittwoch halten.

„...an Dir werd‘ ich nun hangen mit Grauen und mit Pein“

Der Festakt, mit allen gebührenden Ehren vollzogen, war ein Ereignis mit riesiger Strahlkraft, denn nur wenigen dürfte es wohl vorbehalten sein, das Ja-Wort vor so vielen Zeugen und im Beisein des Kranzlpaares Anna Boggusch und Martin Zettl zu sprechen. Die Hochzeitsgesellschaft und die Zaungäste verfolgten die Zeremonie, um zu sehen, ob beide ihr Kreuz als Unterschrift auf den „Zsammakemmavertrag“ setzen würden. Der Bräutigam erhielt die Bestätigung der Liebe seiner Braut mit den Worten: „Du hast mich nun gefangen, Herzallerscheußlichst mein, an Dir werd‘ ich nun hangen mit Grauen und mit Pein.“

Begleitet wurde die Verehelichung vom Standesbeamten Andi Stoib und seinem Gemeindeschreiber Matthias Stoib unter freiem Himmel von der Blaskapelle Wildenwart. Sie gab nach fünf eigens für die Faschingshochzeit angesetzten Proben musikalisch ihr Bestes, die Zeremonie würdig zu gestalten. Der mit großer Mannschaft angerückten Feuerwehr Atzing war es zu verdanken, dass trotz großen Menschenauflaufes und vieler Zaungäste die Zeremonie auf dem Misthaufen nicht außer Kontrolle geriet und Tumulte weitestgehend vermieden wurden.

Wie es sich für eine richtige Hochzeit gehört, gab es einen „Jungherrenlauf“, die als Preis ausgesetzte Flasche Wein bekam letztlich der langsamste und somit Letzte des Laufes. Lustig und „guad aufglegt“ stellte sich die Gesellschaft schließlich zum Hochzeitszug auf, der durch ein Spalier vieler Zaungäste unter vorbildlichem Geleitschutz durch die Feuerwehr Atzing gemütlich bis zum Vereinshaus in Atzing führte. Beim Festzug durch den Ort wurden manche Erinnerungen wieder wach an den Festzug, der vor einem halben Jahr anlässlich des Gautrachtenfest zu bewundern war. „Auch wenn es beim Gaufest mehr Leute waren und es sehr schön war, der heutige Festzug war auf alle Fälle lustiger“, so Trachtenvorstand Michael Schlosser bei der Ankunft am Vereinshaus.

Dort versammelten sich Hochzeitsleute und Draufgänger zunächst zu einem Gruppenbild, um anschließend in den festlich geschmückten Saal des Vereinshauses einzuziehen, wo man dann bis weit in die Nacht feierte und tanzte. Die Stimmung wurde letztlich noch durch die Auftritte der Aschauer Faschingsgilde mit Prinzenpaar und Hofstaat gesteigert. Auch eine Tanz-Einlage der Frauen vom Trachtenverein Wildenwart erheiterte zusätzlich.

Beim Hochzeitsmahl, das ebenso wie der Wurstkessel in Gaishacken von Richard Grosse vorbereitet wurde, musste der Bräutigam wegen zu lautem Schmatzen gemaßregelt werden. Mehrere Festredner gaben dem Brautpaar in ihren Ansprachen noch viele und völlig unbrauchbare, lebens- und ehefeindliche Ratschläge mit, was wiederum zur Zeremonie des „Schenkens“ passte. Alte Fernseher und sonst zu Hause im Weg liegendes „Sach“ wurde dem Brautpaar dabei gegeben. Anstelle von hochwertigen und wertvollen Hochzeitsgeschenken bat das Brautpaar um Geldspenden für soziale Hilfsprojekte in der Gemeinde. „In jedem Falle wird das Haus Leben mit Handicap in Prien von dieser Gaudi profitiert“ – so Ernst Reiter vom Förderverein.

Wegen der ärmlichen Verhältnisse des Brautpaares mussten sich die Hochzeitsgäste mit Mahlgeld am Mittag- und Abendessen beteiligen.

Viele fleißige Hände aus den Reihen der Vereine hatten beim Vereinshaus nicht nur für einen schönen Saal-Schmuck und für passende Bewirtung, sondern im Keller auch noch für eine Weinstube gesorgt. „Es ist wirklich zum Weinen, wenn ich drandenke, dass wir heute feiern und jetzt schon wissen, dass wir morgen nicht mehr verwandt sind“ – so Trachtenvorstand Peter Voggenauer von Wildenwart beim Nachhausegehen. hö

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