Viele Absagen wegen Corona

Rettungsschirm in letzter Minute: Pandemie bringt Chieminger Eltern-Kind-Klinik in Not

Direkt am Chiemseeufer liegt die Klinik Alpenhof, die Platz für 105 Familien zur Kur bietet und 120 Mitarbeiter beschäftigt. Alpenhof
+
Direkt am Chiemseeufer liegt die Klinik Alpenhof, die Platz für 105 Familien zur Kur bietet und 120 Mitarbeiter beschäftigt. Alpenhof
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
    schließen

Um sich zu erholen, kommen viele Eltern nach Chieming in die Kurklinik Alpenhof. Doch in der Corona-Zeit sagen viele Patienten ihre Kur ab. Das stellt die Leitung vor enorme Probleme. Vom drohenden Aus für das Haus war zwischenzeitlich die Rede. Doch nun gibt es finanzielle Unterstützung.

Chieming – Ausgerechnet jetzt sagen viele Patienten ihre Eltern-Kind-Kur aus Sorge vor Corona oder weil sie selbst in Quarantäne sind, ab. Das bringt die Klinik Alpenhof in Chieming finanziell an die Grenzen. „Heuer haben wir Ausfälle von 50 Prozent unserer Buchungen“, berichtet Gabriele Letschert, Geschäftsführerin der Klinik Alpenhof in Chieming. Nun macht ein neuer Rettungsschirm des Bundes der Vorsorge-Klinik Hoffnung.

Lesen Sie auch:

Im Interview: Elisabeth Keihl ist neue Chefin beim Achental Tourismus

„Wir waren eigentlich immer sehr gut gebucht“, sagt Letschert. Platz für 105 Familien bietet die Klinik. „Drei Viertel der Mütter sind mindestens 20 Stunden in der Woche berufstätig, schultern meist auch noch den Großteil im Haushalt. Hinzu kommt die Pflege von Angehörigen“, sagt die Geschäftsführerin. Diese Mehrfachbelastung führe zu somatischen Störungen, ein großer Teil der Patienten komme mit psychisch verursachten Erschöpfungszuständen in Chieming an.

Patienten können Therapieziele erreichen

Schon der erste Lockdown habe in den Haushalt ein großes Loch gerissen. Wie hoch der Verlust ist, sei derzeit noch schwer zu beziffern. „Der erste Rettungsschirm, der Ende September auslief, kompensierte bei weitem nicht alle Ausgaben“, berichtet Letschert. Im Gegensatz zu Reha-Kliniken erhielten Vorsorge-Kliniken zunächst keine weiteren Hilfen des Bundes mehr. Vier Monate lang waren die 120 Mitarbeiter der Klinik in Kurzarbeit, erst Ende Juli kamen wieder Patienten in den Alpenhof, nachdem dieser kurzfristig wieder öffnen durfte.

Mehr Personal trotz weniger Gäste

„Das war ein enormer logistischer Aufwand für uns“, sagt Letschert. Unter Corona-Bedingungen sei zudem der Personaleinsatz höher, um den Anforderungen an den Infektionsschutz gerecht zu werden: „Das fängt bei kleineren Gruppen und häufigeren Terminen an.“ Zwischen Oktober und November verzeichnete die Klinik ein knappes Drittel weniger Buchungen.

-

+++ Mit der diesjährigen Weihnachtsaktion unterstützten die OVB-Heimatzeitungen das Haus Christophorus in Brannenburg. Hier finden Sie unsere Themenseite zur OVB-Weihnachtsaktion. Alle Informationen zur Aktion gibt es hier. Sie wollen für die OVB-Weihnachtsaktion spenden? Hier geht‘s zum Spendenformular. +++

Die Patienten müssen keine Angst haben, meint Letschert: „Wir haben ein sehr gutes Konzept. Die Patienten reisen mit einem negativen Test an oder lassen sich vor Ort testen und auch unsere Mitarbeiter werden regelmäßig getestet.“

Kurziele können erreicht werden

Die Patienten können sich trotz Corona erholen und einen sehr guten Kuraufenthalt erwarten. „Jeder Patient vereinbart zu Beginn seiner Kur Therapieziele und die Chancen stehen sehr gut, diese momentan zu erreichen“, sagt die Leiterin. Dennoch räumt sie ein, dass es kleine Einschränkungen für Patienten gebe. „Wir haben aber sehr viele positive Rückmeldungen von den Menschen, die bei uns zur Kur sind.“

Das OVB auf Facebook: Folgt uns und diskutiert mit anderen Lesern über Themen, die die Region bewegen.

Mit dem neuen Rettungsschirm werden immerhin 50 Prozent der Ausfälle zwischen 18. November und 31. Januar finanziell kompensiert. „Das hilft auf jeden Fall. Ein Jahr mit Minus geht, aber langfristig wird es schwierig“, sagt die Geschäftsführerin. Sie hofft auf eine Verlängerung der Hilfen, weil die Pandemie bis Ende Januar noch nicht ausgestanden sei.

Klinik ist großer Arbeitgeber

Der Landtagsabgeordnete Klaus Steiner (CSU) wird sich am Freitag vor Ort ein Bild der Lage am Alpenhof machen. „Wir haben zwar die Problematik der Ausfälle in vielen Wirtschaftsbereichen, aber ich kenne die Klinik in Chieming schon sehr lange und weiß, wie wichtig sie ist“, sagt Steiner im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Ob der aktuelle Rettungsschirm ausreiche, davon will er sich selbst überzeugen und möglicherweise zusätzlich aktiv werden.

Vom 1. bis 24.12. jeden Tag ein neues Türchen: Der singende OVB-Adventskalender

Auch Chiemings Bürgermeister Stefan Reichelt (CSU) sorgt sich um die Klinik: „Es sollte alles getan werden, dass sie erhalten werden kann.“ Bislang habe er noch keinen Kontakt zur Klinik-Leitung gesucht, er sei aber sehr daran interessiert, zu erfahren, wie es weiter gehe. „Die Klinik ist kein unbedeutender Arbeitgeber in Chieming“, sagt Reichelt. Er könne verstehen, wie wichtig Eltern-Kind-Kuren seien. „Corona ist sicherlich für viele Familien schwierig“, sagt der Bürgermeister, der selbst Vater von drei Kindern ist.

Stichwort: Eltern-Kind-Kuren

Rund 100.000 Mütter und Väter machen pro Jahr eine vom Arzt verordnete Pause vom Alltag. Mutter-Kind-Kuren, Vater-Kind-Kuren sowie reine Mütter- und Väterkuren sind Pflichtleistungen der Krankenkassen, auf die jeder gesetzlich Versicherte, der Kinder erzieht, Anspruch hat, wenn er medizinische Voraussetzungen erfüllt. Dies können beispielsweise Erschöpfungszustände oder Rückenschmerzen sein. Nach medizinischer Indikation und Genehmigung tragen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für den dreiwöchigen Aufenthalt – auch für mitreisende Kinder. Kinder können ihre Eltern zur Kur begleiten, wenn sich zu Hause niemand um sie kümmern kann. Sie müssen keine Gesundheitsprobleme haben. Ist dies doch der Fall, können auch sie vor Ort behandelt werden. Für die Dauer der Kur beurlauben Schulen die Kinder. Damit keine Lücken entstehen, erhalten sie in der Klinik schulbegleitenden Unterricht. Privatpatienten können im Nachteil sein, wenn Eltern-Kind-Kuren nicht Bestandteil der Leistungen sind.

Mehr zum Thema

Kommentare