Repair Cafe Prien fährt nach Corona-Zwangspause Sonderschicht

Josef Lechner und Peter Deller (rechts) wollen einer alten Stereoanlage wieder Töne entlocken. Archiv Berger
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Josef Lechner und Peter Deller (rechts) wollen einer alten Stereoanlage wieder Töne entlocken. Archiv Berger
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Seit Februar musste das Repair Cafe Prien pausieren. Jetzt dürfen die zwei Dutzend Ehrenamtlichen wieder schrauben und löten. Gleich an zwei Samstagen in Folge können Priener defekte Geräte zur kostenlosen Reparatur ins evangelische Gemeindezentrum bringen.

Prien – Aus der Kaffeemaschine kommt kein Kaffee mehr, aus dem Radio kein Ton und das Bügeleisen wird nicht mehr heiß: Solche Probleme beheben ab sofort wieder die technischen Spezialisten vom Repair Cafe. Und sie gehen nach der Corona-Zwangspause sogar noch weiter. Das Team um Initiator Georg Foraita ist auf der Suche nach einem Lagerraum. Künftig sollen auch große Geräte wie Kühlschränke und Waschmaschinen wieder flott gemacht werden, damit der Berg von Elektroschrott im Priener Wertstoffhof etwas kleiner wird.

Reparaturen bei gutem Wetter auch im Freien

Fünf Monate lang haben Foraita und Co. nichts mehr repariert. Weil die Zahl der defekten Geräte vielleicht größer ist als sonst, öffnet das Repair Cafe gleich an zwei Samstagen in Folge jeweils von 14 bis 17 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum.: am 18. und 25. Juli. Danach ist Sommerpause bis Samstag, 19. September.

„Es kann Wartezeiten geben“, beugt Foraita vor. Zwar dehnt sich das Repair Cafe auf beiden Säle im Gemeindezentrum aus, trotzdem muss Corona-bedingt penibel darauf geachtet werden, dass nicht zu viele Personen gleichzeitig im Raum sind. Das Wetter am Samstag soll gut werden. Deshalb kann es sein, dass einige Stände im Freien aufgebaut werden. Kaffee und selbst gebackenen Kuchen für die wartenden Kunden werden auch draußen serviert. Ums Maskentragen werden die Kunden nicht herum kommen.

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Das Priener Repair Cafe war von Anfang an eine Erfolgsgeschichte. Bei den monatlichen Öffnungstagen im ersten Jahr 2019 kamen Foraita zufolge meist zwischen 40 und 50 Hilfesuchenden. Bisheriger Rekord waren 60. Angenommen wird im Prinzip alles, was die Leute tragen können.

Zwei Dutzend technisch oder handwerklich versierte Ehrenamtliche, zum weit überwiegenden Teil im Rentenalter, bieten ihre Hilfe an. Und ihre Erfolgsquote kann sich sehen lassen. Zwei Drittel der Defekte können sie beheben, freut sich der Initiator. Und weitere zehn Prozent der kaputten Geräte bringen die Leute beim nächsten Mal wieder mit, weil bis dahin ein fehlendes Ersatzteil beschafft worden ist.

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Die große Masse der Problemfälle, die die Priener bringen, weil sie sie nicht einfach wegwerfen wollen, sind elektrische und elektronische Kleingeräte. Aber auch mit Textilien tauchen Bürger im Repair Cafe auf. Manche werden auch wieder weggeschickt. Denn wenn es im Ort einen gewerblichen Anbieter für den speziellen Einzelfall gibt, will das Repair Cafe ihm auf keinen Fall Konkurrenz machen. Das war von Anfang an das Credo. Die Zuständigkeit des Repair Cafes beginnt dort, wo sich eine Reparatur betriebswirtschaftlich nicht mehr rentiert“, umschreibt Foraita den Ansatz.

Jeder spendet, soviel ihm oder ihr die Hilfe Wert ist. „Die Leute haben da ein gutes Gespür“, hat der Initiator festgestellt. Im ersten Jahr im Chiemsee Saal ging der überwiegende Teil des Geldes noch für die Miete drauf. Im evangelischen Gemeindezentrum gastiert das Repair Cafe für Gotteslohn. Deshalb wird wohl ein Großteil der 150 bis 200 Euro, die pro Öffnungstag in der Spendenbox landen, für wohltätige Zwecke in der Gemeinde Prien übrig bleiben. Dahin soll das Geld am Jahresende fließen.

Suche nach Lagerraum für neues Angebot

Bis dahin haben Foraita und Co. vielleicht schon einen Lagerraum gefunden. Mit einem passenden Objekt mit 50 bis 100 Quadratmetern in Prien und Umgebung will das Repair Cafe noch mehr Abfall vermeiden und Elektroschrott und andere Haushaltsartikel vor dem Container bewahren. „Nach dem Muster einer belgischen Initiative wollen wir hier in Prien Altgeräte anschauen, untersuchen und wenn möglich reparieren oder zumindest brauchbare Ersatzteile entnehmen, bevor die Geräte in den Schrottcontainer wandern“, erklärt Foraita. Die so wieder hergerichteten Geräte sollen dann auf geeigneten Wegen bedürftigen Mitbürgern zu günstigen Konditionen angeboten werden.

Sobald ein Lagerraum gefunden ist, der ganzjährig auch als kleine Werkstatt genutzt werden kann, will sich das ehrenamtliche Team über weitere Schritte Gedanken machen geht es dann darum, ein Fahrzeug zum Gerätetransport aufzutreiben und einen Vertriebskanal für die instand gesetzten Großgeräte zu finden. Wer helfen kann meldet sich unter kontakt@repaircafe-prien.de oder 0 80 51/64 01 606.

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