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Hochwasserschutz in den Bergen

Exkursion in Reit im Winkl: Bei Starkregen kommt es auf den Wald an

Fachkundige Erläuterungen bei der Exkursion gaben Dipl. Ingenieur Andreas Baumer vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein (am Megafon) und Revierförster Sven Bussemer von den Bayerischen Staatsforsten, Forstbetrieb Ruhpolding (Mitte links).
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Fachkundige Erläuterungen bei der Exkursion gaben Dipl. Ingenieur Andreas Baumer vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein (am Megafon) und Revierförster Sven Bussemer von den Bayerischen Staatsforsten, Forstbetrieb Ruhpolding (Mitte links).
  • VonJosef Hauser
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Reicht der Hochwasserschutz? Eine von der Hanns-Seidel-Stiftung organisierte Exkursion in Reit im Winkl mit einem Experten vom Wasserwirtschaftsamt und dem Revierförster klärte zahlreiche interessierte Teilnehmer auf. Und es gab wertvolle Erkenntnisse.

Reit im Winkl – Die erste Erkenntnis: Der teuerste Schutz im Ort hilft wenig, wenn nicht auch der umliegende Bergwald in seiner Struktur Wassermassen auffangen kann. „Als ich diese Veranstaltung geplant habe, wusste ich noch nicht, welche Brisanz die Thematik haben wird.“ Mit diesen Worten begrüßte Alfred Janzik, Regionalbeauftragter der Hanns-Seidel-Stiftung, die Teilnehmer zur Exkursion rund um den Reit im Winkler Hausberg. Das hochaktuelle Thema: „Die Natur und der Hochwasserschutz im Gebirge“. Fachkundige Erläuterungen gab es dazu von Diplom-Ingenieur Andreas Baumer vom Wasserwirtschaft Traunstein und von Revierförster Sven Bussemer vom Forstbetrieb Ruhpolding.

Teilnehmer von jung bis alt

Die Exkursion der Teilnehmer führte über den alpinen Hausbachsteig entlang des Hausbach-Wasserfalls bis zum Glapfweiher und zur Glapfalm. Die jüngste Teilnehmerin der Exkursion war acht Jahre alt, der älteste 78. Bei der Wanderung entlang des Hausbachs erklärte Baumer den derzeit im Bau befindlichen Hochwasserschutz für die Gemeinde: „Schadensereignisse in der Vergangenheit haben gezeigt, dass das aus Naturstein gemauerte Trapezgerinne am Hausbach, das im Ort teils durch Straßen und Häuser überbaut ist, die geforderte Sicherheit gegen Hochwasserereignisse nicht gewährleisten kann“.

Aufstieg am Hausbach-Wasserfall: Die Wanderer ließen sich vom Wasserschutzexperten und Förster

Nach dem Hochwasser 2005 wurde in diesen und weiteren gefährdeten Bereichen nachgebessert. Bis 2023 soll der noch fehlende Teil des Gerinneneubaus und damit der Hochwasserschutz am Hausbach abgeschlossen sein. Die Baumaßnahme wird voraussichtlich 7,7 Millionen Euro kosten, wovon die Gemeinde rund 30 Prozent selbst tragen muss.

Zu viel Material staut sich im Bach

Im Verlauf der Wanderung kamen die Teilnehmer auch an alten, aber noch funktionsfähigen Wildbachsperren oberhalb des Hausbach-Wasserfalls vorbei. An diesen konnten sie sich ein Bild von der harten Arbeit in der Wildbachverbauung machen, wo keine Zufahrt mit Maschinen möglich ist.

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Die Sperren wurden vom Wasserwirtschaftsamt errichtet, um die Sohle des Wildbachs zu stabilisieren und damit ein Abrutschen der oft labilen Seitenhänge zu verhindern. Würde, so Andreas Baumer, zu viel Material aus den Böschungen durch den Wildbach ins Tal transportiert, käme es im bebauten Bereich zu Ablagerungen und Verklausungen und damit sehr oft zu immensen Hochwasserschäden an Häusern und Infrastruktur.

Waldverluste gefährlich

„Hochwasserschutz beginnt in einem gesunden, gemischten Wald“, so Revierförster Bussemer. Der geländebedingt rasche Abfluss des Regenwassers in den Alpen könne nur durch den Bergwald gebremst werden. „Bei größerflächigen Waldverlusten durch Sturm oder Insektenbefall steigen der Oberflächenabfluss und die Bodenerosion deutlich an“, führte der Förster aus. Eine auf Hochwasserschutz ausgerichtete Waldbewirtschaftung schütze den Boden vor Abtrag und erhalte seine Struktur.

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„Es ist wichtig, Bäume unterschiedlichen Alters auf der Fläche zu haben. Wenn eine Altersstufe ausfällt, rücken die jüngeren nach, ohne dass der Boden längere Zeit ungeschützt ist“, erklärte Bussemer den interessierten Exkursionsteilnehmern.

Lärche, Kiefer, Ulme – die Vielfalt macht´s

Der Boden unter Mischwäldern sei locker aufgebaut und erlaube eine höhere Durchfeuchtung und eine verzögerte Abgabe von Regenwasser, was Hochwasserspitzen mildern könne. „Im Gebirge stehen uns mit Fichte, Tanne, Buche, Bergahorn, Lärche, Kiefer und Bergulme verschiedene Baumarten für einen gemischten, stufigen Aufbau zur Verfügung, die auch viele Standortangebote wie Wärme, Bodenstruktur oder Niederschlagsangebot nutzen können“, so der Revierförster. Die Waldbewirtschafter in Bayern würden durch eine aktive Bewirtschaftung der Bergwälder steuernd in natürliche Abläufe eingreifen, die Anteile bestimmter Baumarten erhalten und eine dauerhafte Waldbestockung unterstützen.

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