Reine Kopfsache: Fußballer des TuS Prien trainieren zum ersten Mal unter Corona-Auflagen

Immer schön auf Abstand: Trainer Maixi Nicu (Fünfter von rechts, mit weißem Dress) dirigiert seine Spieler beim ersten Training nach der Corona-Pause.
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Immer schön auf Abstand: Trainer Maixi Nicu (Fünfter von rechts, mit weißem Dress) dirigiert seine Spieler beim ersten Training nach der Corona-Pause.

Kopfball ist verboten und der Ball darf nicht in die Hand genommen werden. Die Corona-Auflagen sind streng für die Amateur-Fußballvereine. Seit ein paar Tagen dürfen sie wieder trainieren. Die Chiemgau-Zeitung war bei der ersten Übungseinheit der Herren des TuS Prien dabei.

Von Dirk Breitfuß

Prien – Der Ball fliegt von der rechten Seitenlinie halbhoch in den Strafraum. Auf Höhe des Elfmeterpunkts baut Torjäger Julian Boddeutsch Körperspannung auf – und zieht seinen Kopf im letzten Augenblick zurück. Kopfball ist ja verboten.

„Wir werden im Herbst wohl einiges verlernt haben“, nimmt es Kapitän Nicolai Estermann mit Galgenhumor. Im September, so hoffen sie beimKreisligisten TuS Prien wie bei tausenden anderen Amateurvereinen in Bayern, soll die Saison fortgesetzt werden. Bis dahin könnten die Spieler das Kopfballverbot verinnerlicht haben.

Ein Satz neue Bälle extra fürs Ballgefühl

Vielleicht sind dann auch weite, hohe Bälle ein taktisches Standardrepertoire. Denn wegen der Abstandsregeln lässt Trainer Maxi Nico bei der ersten Übungseinheit nach der monatelangen Zwangspause viele weite Pässe schlagen und hält die Spieler untereinander so auf Abstand,

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+++Damit die 15 Aktiven der ersten Mannschaft nach langer Abstinenz endlich wieder einen Ball am Fuß spüren können, hat Abteilungsleiterin Andrea Fischer extra noch 20 nagelneue Lederbälle angeschafft. Die müssen vor den ersten Ballkontakten noch nicht desinfiziert werden. Danach schon.

Das ist eine der vielen Auflagen, unter denen der bayerische Fußballverband seit einigen Tagen Training wieder erlaubt. Die Abteilungsleitung hatte aus dem langen Katalog ein Hygienekonzept entwickelt. Auf dem Trainingsgelände im Sportpark ist Mundschutz Pflicht, Zuschauer dürfen nicht kommen. Die Spieler dürfen die Bälle nicht in die Hand nehmen. Umkleidekabinen und Duschen müssen geschlossen blieben, nur die Toilette wird aufgesperrt.

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Das alles sind Rahmenbedingungen, die beim ersten Training seit Monaten in den Hintergrund rücken. „Wahnsinn“ sei das Gefühl, endlich wieder auf den Platz stehen und gegen den Bll treten zu dürfen, grinst Boddeutsch bei einer kurzen Pause im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung übers ganze Gesicht – und bedauert im Nachsatz die Kameraden von der zweiten Mannschaft. Denn die müssen nebenan auf dem Kunstrasen trainieren und können das Gras nicht so intensiv riechen wie die Erste. Noch dazu, wo der Platz nach so langer Pause in einem Top-Zustand ist.

„Laufen können sie jetzt wie Weltmeister“

Trainer Nicu hatte seine Truppe während der Zwangspause über eine Trainingsapp mit einem Fitnessprogramm versorgt, das er zusammen mit Manfred Düring zusammengestellt hatte. Der Fitnessexperte von „Sports innovated“ arbeite unter anderem auch für den österreichischen Meister RedBull Salzburg, erzählt die Abteilungsleiterin nicht ohne Stolz. Manche TuS-Spieler haben sich oft im Eichental beim Joggen getroffen. „Laufen können sie jetzt alle wie die Weltmeister“, lacht die Abteilungsleiterin. In der Zwangspause haben die Priener Fußballer auch bei der Tafel ausgeholfen und für ein Altenheim mehrmals Hygieneartikel bei der zentralen Ausgabestelle in Heufeld geholt. Wenn es nach Fischer geht, soll das soziale Engagement mit der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs nicht beendet sein.

Nicu, Ex-Profi von Hertha BSC und Unterhaching, der die Priener Kreisligakicker auf Tabellenplatz zwei gebracht und zum sensationellen Triumph im Sparkassenpokal Anfang des Jahres geführt hatte, will jetzt von Woche zu Woche das Trainingsprogramm gestalten. Langfristige Planung macht in diesen unsicheren Zeiten wenig Sinn. Auch Nicu ist die Freude anzumerken, endlich wieder auf dem Platz zu stehen. Da nimmt er auch Unannehmlichkeiten gern in Kauf. „Ich hab Klamotten zum wechseln im Auto“, erzählt der 37-jährige gebürtige Priener, der jetzt in München wohnt und zweimal pro Woche ungeduscht nach dem Training zurück in die Landeshauptstadt fahren muss.

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Nach der langen Pause geht es Nicu darum, dass seine Spieler erstmal wieder Ballgefühl entwickeln, erklärt er, warum bei der ersten Übungseinheit viel Schuss- und Passtraining auf dem Programm stehen. „Von der ersten 20 Schuss aufs Tor sind, glaub ich, 19 daneben gegangen“, hat er am Anfang festgestellt.

Dabei war die Truppe nach der Winterpause so gut in Schuss. Sie hatte nicht nur beim Sparkassenpokal triumphiert, sondern auch in Testspielen gegen Ligakonkurrenten zum Teil hohe Siege eingefahren. Dann kam Corona.

„Wir sind genauso motiviert wie vor der Pause“, versichert Boddeutsch und sein Kapitän Estermann, der mit Sicherheitsabstand drei Meter entfernt seht, nickt. Der TuS will Platz zwei verteidigen und in die Relegation um den Bezirksliga-Aufstieg, bestätigt die Abteilungsleiterin. Spitzenreiter Westerndorf scheint mit neun Punkten Vorsprung zu weit enteilt in der Tabelle.

„Wir müssen auch die Trainer schützen“

Andrea Fischer ist zufrieden mit dem, was sich da auf dem Platz abspielt. Die Herren sind nämlich auch die Versuchskaninchen. Nach den Pfingstferien möchte die Fußballabteilung auch die über zehn Nachwuchsmannschaften wieder vorsichtig an den Trainingsbetrieb heranführen. Die Verunsicherung bei vielen Eltern ist derzeit noch groß, weiß Fischer.

Und die Abteilungsleiterin möchte möglichem Leichtsinn bei den jüngeren Kickern beim Umgang mit den Hygienevorschriften vorbeugen. „Wir müssen auch unsere Trainer schützen, damit die das dann nicht ausbaden müssen.“

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