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Rettung vor Mähwerk

Rehkitz-Rettung: So viele Einsätze mit der Wärmebildkamera gab es rund um Grabenstätt

Teammitglied Sophia Biller mit einem vor der Mahd geretteten Rehkitz. Im vergangenen März wurde dem eingetragenen Verein die erhoffte Gemeinnützigkeit anerkannt.
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Teammitglied Sophia Biller mit einem vor der Mahd geretteten Rehkitz. Im vergangenen März wurde dem eingetragenen Verein die erhoffte Gemeinnützigkeit anerkannt.
  • VonMarkus Müller
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Verein „Rehkitzrettung Grabenstätt“ meistert erste Saison mit Erfolg: „Wir haben zahlreiche frisch gesetzte oder erst wenige Tage alte Kitze sichern und ältere Jungtiere vor der Mahd aus den Wiesen treiben können“, freut sich Theresa Biller.

Grabenstätt/Rupertiwinkel – Mit einigen Freundinnen hat die 24-jährige Grabenstätterin Theresa Biller Ende letzten Jahres den mittlerweile gemeinnützigen Verein „Rehkitzrettung Grabenstätt“ ins Leben gerufen. Bei diesem formalen Akt sollte es nicht bleiben, denn das junge Team wollte schnell seine wichtige ehrenamtliche Arbeit aufnehmen. Am 9. Mai war es soweit und erste Vorsitzende und Drohnenpilotin Biller ließ erstmals die vereinseigene Drohne mit Wärmebildkamera aufsteigen. Bis 25. Juni wurden dann über 300 Hektar Grünland im Chiemgau, aber auch im Rupertiwinkel abgeflogen, um Rehkitze und andere Wildtiere vor schweren, oft tödlichen Verletzungen durch Traktoren und Mähwerke zu schützen.

In Wäschekörben sicher verwahrt

Die Bilanz kann sich nach 20 Einsatztagen und 49 Einsätzen in den Bereichen Grabenstätt, Erlstätt, Vachendorf, Chieming, Haslach, Siegsdorf, Traunstein, Surberg und Petting sehen lassen. „Wir konnten zahlreiche frisch gesetzte oder erst wenige Tage alte Kitze sichern und ältere Jungtiere vor der Mahd aus den Wiesen treiben“, freut sich Biller.

Sie bleiben im hohen Gras liegen

Die gesicherten Kitze seien am Wiesenrand vorübergehend in Wäschekörbe eingesperrt und nach dem Mähen vom Jäger oder Landwirt wieder freigelassen worden. „Anders als ausgewachsene Rehe fliehen Kitze nicht, wenn sie laute Geräusche hören oder Gefahr droht“, erklärt Biller und fügt an: „Sie ducken sich und bleiben gut getarnt im hohen Gras liegen“. Für die Landwirte sei es dann fast unmöglich, die Tiere rechtzeitig zu entdecken und das Ausmähen von Jungwild zu vermeiden.

Weil die Suche mit Drohne und Wärmebildkamera aktuell die effizienteste und sicherste Methode beim Aufspüren von Rehkitzen ist, hat das eingerichtete „Bambi-Telefon“ der Rehkitzrettung Grabenstätt an manchen Tagen gleich mehrmals geklingelt. „Die Resonanz war äußerst positiv und unser Projekt und kostenloser Service wurde sehr gut angenommen“, so Biller. Da man die kleinen Rehe mit der Wärmebildkamera nur erkennt, wenn der Boden kühl ist, war sie mit ihrem Team besonders gegen Ende der Saison, als bei den einen Landwirten die erste Mahd und bei den anderen bereits der zweite Schnitt anstand, mehrere Tage am Stück teilweise bis spät abends und am nächsten Morgen schon wieder ab 3 Uhr unterwegs – getreu dem Motto „Der frühe Vogel fängt das Kitz“. Dazwischen hieß es Akkus aufladen, die nächsten Einsätze und Flugrouten planen und schließlich doch noch etwas Schlaf erwischen.

Sie flüchten bei Gefahr

Inzwischen sind die Kitze angesichts des fortgeschrittenen Sommers schon viele Wochen alt und längst aus dem Gröbsten raus. „Sie flüchten nun, wenn sich Gefahr nähert“, so Biller. Mit ihren Kolleginnen hofft sie nun, dass sich die Jungwildrettung mit der Drohne immer größerer Beliebtheit erfreut und die ehrenamtliche Rehkitzrettung Grabenstätt noch bekannter wird, damit sich in Zukunft noch mehr Landwirte bei ihnen melden. Grundsätzlich stünden diese selbst in der Verantwortung, geeignete Vorsorge-Maßnahmen zu ergreifen. „Das bloße Kontaktieren von Drohnenpiloten entbindet nicht von dieser Pflicht. Erst recht nicht, wenn der Pilot keine freien Kapazitäten mehr hat“, betonen die Rehkitzretter.

„Wir blicken zurück auf eine anstrengende, aber schöne Zeit, in der wir viele unbeschreibliche Momente bei traumhaften Kulissen erleben durften“, freut sich die gelernte Chemielaborantin Biller, die auch im Besitz eines Jagdscheins ist. Ein besonderer Dank gelte allen Helfern für ihr „unermüdliches Engagement“. Wer die Rehkitzrettung Grabenstätt aktiv unterstützen möchte oder Fragen und Anregungen hat, kann sich gerne unter Telefon 01575/2084159 melden. Auch über Spenden freut man sich sehr – IBAN: DE61 7105 2050 0040 8554 96.

Drohne kommt auch anders zum Einsatz

Für eine Spendenquittung muss die Adresse in der Überweisung angegeben werden. Mit ihrem Team fiebert Rehkitzretterin Biller, der Wildtiere schon als Kind sehr am Herzen lagen, nun bereits der nächsten Saison entgegen. Zudem wünscht sie sich, dass die vereinseigene leistungsfähige Wärmebildkamera-Drohne zukünftig auch außerhalb der Rehkitzsaison zum Einsatz kommt, beispielsweise zur Unterstützung von Hilfsorganisationen, bei Wildtier-Monitorings, zur Vorbeugung von etwaigen Tierseuchen und Ähnlichem.

Vereine unterstützen sich gegenseitig

Mittlerweile gibt es in der Region übrigens schon drei Rehkitzrettungs-Vereine. „Drohnen-Pionierin“ war Sabrina Augenstein vom Verein „Drohnenprojekt – Leben retten“ aus Piding. Sie startete bereits 2018 mit einer Drohne und ist nun mit ihrem Team mit drei vereinseigenen Drohnen in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land unterwegs. Des Weiteren gibt es seit dem Vorjahr den Verein „Kitzretter Gemeinschaft Vogling“ um Vorsitzende Verena Gatzenmeier, der in Vogling/Siegsdorf und Umgebung mit zwei Drohnen im Einsatz ist. Die drei Vereine unterstützen sich gegenseitig, wenn sie noch Kapazitäten frei haben und benötigen dringend weitere freiwillige Helfer und vor allem versierte Drohnen-Piloten.

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