Alternative zu teurem Stroh

Holzeinstreu statt Stroh: Pferd & Co. sanft auf Holz gebettet

Die Stute Walhalla von Christine Schütz aus Bernau steht auf Holzeinstreu: Für die Besitzerin hat es gegenüber Stroh viele Vorteile und rechnet sich daher.
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Die Stute Walhalla von Christine Schütz aus Bernau steht auf Holzeinstreu: Für die Besitzerin hat es gegenüber Stroh viele Vorteile und rechnet sich daher.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Die Strohpreise sind in jüngster Zeit stark gestiegen – das betrifft weniger Landwirte als Privatverbraucher, die Stroh für ihre Tiere benötigen, etwa als Einstreu für Pferdeboxen. Doch für Groß- und Kleintierbesitzer gibt es eine Alternative: Einstreu aus Holz. Welche Vorteile hat das?

Rosenheim/Grassau/Bernau – Im vierten Quartal 2020 befand sich der durchschnittliche Strohpreis in Deutschland auf dem höchsten Stand seit knapp eineinhalb Jahren: 85 Euro je Tonne für den Großballen war in Bayern zu zahlen, meldet das Landwirtschaftsportal agrarheute. Nur im März 2018 war der Preis mit rund 118 Euro noch höher.

Nebenprodukt von Holzverarbeitern

Schuld am Preisanstieg sind einerseits regional veränderliche hohe Niederschlagsmengen, die die Ernte verdarben, so die Agrarexperten. Andernorts konnte wegen zu großer Hitze und Trockenheit weniger geerntet werden. In Oberbayern sind teils auch die Ackerflächen zu klein, um auf Dauer große Ausbeute zu machen – im Gegensatz etwa zu Niederbayern oder norddeutschen Gegenden.

Nicht nur die Landwirtschaft – die laut Maschinenring Rosenheim häufig Mengenrabatte bei Bestellungen nutzen kann – braucht Stroh für die Viehhaltung: Auch Pferdehöfe und zahlreiche private Pferdebesitzer sowie Kleintierhalter benötigen es als laufend frische Einstreu für Boxen und Käfige. Feuchte Einstreu begünstigt das Wachstum von Keimen und unangenehmen Geruch, was Mensch und Tier gleichermaßen schadet, warnen Tierärzte.

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Dabei wissen findige Pferdebesitzer schon länger, dass es eine hygienische Alternative zum Stroh gibt: Holzeinstreu. Auch im Kleintierbereich setzt man schon länger auf Weichholzspäne. Vielerorts setzen daher Sägewerksbesitzer und Hackschnitzelproduzenten auf das Nebenprodukt Holzeinstreu.

Unter anderem vertreibt der Biomassehof Achental aus Grassau solche Einstreu. „Meine Frau und meine Töchter reiten selbst und verbringen viel Zeit bei ihren Pferden“, erzählt Geschäftsführer Wolfgang Wimmer, nur das einstige Ausmisten des Strohs habe weniger Spaß gemacht.

Leicht zu transportieren

Der große Vorteil der Holz-Einstreu liege darin, dass er länger in der Box verbleiben könne. Bezog man bis vor einiger Zeit den Rohstoff Holz direkt aus dem Raum Mühldorf, kommt dieses nach einer Fusion nun nicht mehr aus der Region, aber zumindest aus Bayern, aus Wilburgstetten im Kreis Ansbach.

Das Standard-Produkt mit 500 Liter Streuvolumen kosten zehn Euro pro Gebinde. Komprimiert wiegt ein solcher Packen nur 20 Kilogramm, ist also leicht zu transportieren. Wie Wimmer erklärt, sind die Späne nahezu keim- und staubfrei, „und die Ammoniakbildung wird deutlich gehemmt.“ Die Folge: Ein gesundes Boxklima für die Tiere. Das Holz ist zu 100 Prozent naturbelassen, wird lediglich wärmebehandelt.

Vorteil für tierische Allergiker

Das bestätigt Christine Schütz aus Bernau: Die begeisterte Reiterin tut viel für die Gesundheit ihrer Stute Walhalla, „denn sie ist allergisch und hat empfindliche Atemwege. Die Box muss also möglichst staubfrei sein.“ Sie verwendet schon länger Holzeinstreu, die sie vom Biomassehof bezieht. Damit streut sie die Box als Matratze ein. Das bei Reitern gern verwendete Sägemehl streut sie seitdem nur noch geringfügig unter die Holzeinstreu, um Feuchtigkeit sofort aufzusaugen: „Sägemehl hat den Nachteil, dass man es in großen Mengen kaufen muss, man braucht dazu also einen Anhänger und einen Lagerplatz, das ist als privater Pferdebesitzer gar nicht so einfach“, erklärt sie. Stroh verwendet die Chiemgauer Reiterin schon deshalb nicht mehr für die Box, „weil mein Pferd es über Nacht auffressen würde, so wie viele Tiere auch die Strohpellets fressen, die es als Einstreu gibt.“

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Das Entsorgen ist anders als bei Stroh: Späne sollten nicht pur auf den Acker kommen, sondern mit Mist vermischt, weiß man beim Dienstleister Raiffeisenmarkt.

Die Nachfrage steigt spürbar

Beim Maschinenring Rosenheim, wo man stets über die aktuellen Rohstoffpreise informiert ist, rät man Nicht-Landwirten, beim Strohpreis genau hinzuschauen und auf die unterschiedlichen Verkaufsmengen zu achten, die einen Vergleich komplizierter machen: So gebe es kleinere, dafür schnell verbrauchte 30-Kilo-Ballen, die für zirka fünf Euro zu haben seien Großpacken kosteten das Zwei- bis Dreifache.

Beim Grassauer Biomassehof jedenfalls verzeichnet man eine steigende Nachfrage nach Holzeinstreu: Laut Geschäftsführer Wimmer setzte man 2020 rund 1 000 Großballen ab, „das entspricht gegen über dem Vorjahr einer Steigerung um acht Prozent.“

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