Regen und Gülle vermasseln Honigernte für Priener Imker

Vielfach mussten die Imker den Bienenvölkern Futter besorgen. Dann war vor dem Einlass allerhand los. Hötzelsperger
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Vielfach mussten die Imker den Bienenvölkern Futter besorgen. Dann war vor dem Einlass allerhand los. Hötzelsperger

Das Jahr 2020 ist kein besonders gutes Bienenjahr. Die Erträge halten sich in der Priener Region in Grenzen – wenn überhaupt Honig geerntet werden kann. Gründe für die karge Imker-Bilanz sind die Witterungsverläufe zur Blütezeit, viel Regen und – stark bewirtschaftete Wiesen ohne Blumen, so Experten.

Von Anton Hötzelsperger und Ulli Nathen-Berger

Prien – Ein Jahr nach dem Artenvielfalt-Volksbegehren „Rettet die Bienen“ ein Grund für eine Bilanz: Aus politischer Sicht der Bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) „ist die Umsetzung mit den entsprechenden Gesetzen weitgehend erfolgreich abgeschlossen“, wie sie unlängst mitteilen ließ. Anders beurteilen das die Imker: Sie sehen noch nicht mehr Blüten auf den intensiv bewirtschafteten Wiesen und Feldern, die nach wie vor mit Gülle gedüngt werden, und spüren auch nichts Positives beim Honigertrag,

Die Blühstreifen um Felder bringen nicht mehr Honigernte

„Es wird zwar schon Einiges gemacht in der Landwirtschaft mit weniger Maht und mehr Blühstreifen um die Felder ‘rum, aber das bringt nicht unbedingt auch mehr Honig“, macht der Vorsitzende des Imker-Ortsverbandes Prien, Josef Bauer auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung deutlich. „Die Blühstreifen sind generell gut für die Insekten, auch für die Bienen, aber alles, was zum Beispiel jetzt Anfang August blüht, bringt für den Honigertrag nichts mehr,“

„Der ist heuer schlecht“, klagt Imker Leopold Schlosser senior aus Prien-Stetten auf Nachfrage unserer Zeitung ohne lange Überlegung. Grund für diese negative Bilanz seien vor allem auch die heurigen Witterungsverhältnisse während der Blühzeiten. „Im Frühjahr waren die Nächte kalt, weil es Anfang Mai nochmals gefroren hatte, und durch schweren Regen ab Juni fiel die Waldblüte aus. Lediglich in der Nähe des Bienenhauses hatte der Spitzahorn ein paar Tage gehonigt, aber das ergab nur eine ganz geringe Ernte“, so Schlosser.

Völker haben heuer mehr geschwärmt

Auf einen weiteren Grund verweist Josef Bauer. „Im Frühjahr haben auch nur die Imker Honig bekommen, die starke Völker haben“, erklärt er. „Imker, die ohne große Beeinträchtigung ihrer Bienen durch die Vaora-Milbe aus dem Frühjahr ‘rausgekommen sind, haben eine Ernte, bei den anderen sieht’s eher schlechter aus.“ Zudem hätten heuer die Völker mehr geschwärmt als in normalen Jahren. Auch dann gibt’s in der Regel wenig Honig, weil sie einfach zu schwach seien, so der 62-jährige Experte, der seit seinem zweiten Lebensjahr „in Bienenhäusern ein und ausgeht“.

Auch Leopold Schlosser blickt auf eine jahrzehntelange Imker-Erfahrung zurück. „Seit meiner fünften Schulklasse bin ich mit den Bienen vertraut, bereits mein Großvater und natürlich auch mein Vater pflegten auf unserem Huberhof in Stetten die Imkerei, da wuchs ich unweigerlich hinein.“ Mit diesen Erinnerungen haben sich viele Erkenntnisse ergeben für den Senior-Imker, der derzeit noch elf Bienenvölker aktiv betreut, das meiste an Völkern war einmal 45 Stück.

Für Schlosser sind kein Bienenjahr und keine Honig-Bilanz gleich. „Jedes Jahr ist anders. Wer das Verhalten der Bienen gänzlich verstehen möchte, müsste wohl 200 Jahre alt werden“, so der 85-Jährige.

Rekordernten gibt es seit vielen Jahren schon nicht mehr

Rekordernten gebe es seit vielen Jahren schon nicht mehr. Auch der Priener erklärt dies unter anderem mit der Einschätzung, dass es zu wenig Blumen auf den intensiv bewirtschafteten Wiesen gibt. „Froh bin ich, dass in der Nähe meines Bienenhauses kein Maisfeld ist, denn bei diesen wird gewöhnlich Chemie gespritzt, und das ist für die Bienen schlecht.“

All seine Erfahrungen gab und gibt Schlosser an seinen Enkel Florian Hötzelsperger weiter, der in Prien-Prutdorf selbst drei Völker betreut. Im Gegensatz zu den Völkern von Leopold Schlosser am Waldrand waren seine „gut mit dem Nachwuchs dabei. Zweimal sind zwei neue Völker ausgeschwärmt, die wir aber gemeinsam einholen konnten.“ Sein Honigertrag ist heuer gleich Null, wie er sagt. „Ich musste bereits im Juli zufüttern, damit meine Völker überhaupt überleben konnten.“

Vor diesem Hintergrund ist dem Imker-Vereinsvorsitzenden Bauer ein Appell an Gartenbesitzer wichtig: „Züchtet keinen englischen Rasen, lasst besser besonders viele Blumen blühen, weil das nicht nur den Bienen gut tut, sondern auch den Insekten.“

Leopold Schlosser senior (links) und Enkel Florian Hötzelsperger haben ein Volk wieder eingefangen.
Geht bei der Honigernte heuer leer aus:Jung-Imker Florian Hötzelsperger vor seinen Bienenkästen.

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