Reduziertes Corona-Konzert von Django3000: Leicht-Kultur auf dem Flugplatz von Unterwössen

Auf der Landebahnstanden in gebührendem Corona-Abstand die Stühle für die Zuhörer eines besonderen Ausnahmekonzerts in Unterwössen. Die Hälfte von Django 3000 trat auf. Flug
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Auf der Landebahnstanden in gebührendem Corona-Abstand die Stühle für die Zuhörer eines besonderen Ausnahmekonzerts in Unterwössen. Die Hälfte von Django 3000 trat auf.
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Corona-Konzert auf der Landebahn des Unterwössener Flugplatzes. Grüne Natur rundum, ein strahlend blauer Himmel und auf der Landebahn zwei Musiker der Gruppe Django 3000 und ein paar ausgewählte Zuschauer - in gebührendem Abstand.

Unterwössen – Django 3000, reduziert auf ein Duo aus Kamil Müller mit Gitarre und Gesang, Florian Starflinger mit Violine, sitzen auf der 800 Meter langen Landebahn, die sich noch weit hinter ihnen erstreckt. Beide musizieren engagiert und fein. Kamera- und Tonleute umkreisen die beiden Musiker wie Satelliten, immer wieder neue Szenen einzufangen.

35 Leute auf Stühlen, im Freien und mit viel Platz

Wo sonst die Auftritte in Hallen und Stadien legendär sind, das Publikum ausgelassen feiert, sind es jetzt auch nur ein paar Meter zum Zuhörer, doch der Abstand fühlt sich völlig anders an. Das Publikum aus 35 Leuten beobachtet und hört zu. Sie sitzen gegenüber den beiden Musikanten in vier tiefen Reihen.

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Jeder hält einen Abstand von rund vier Metern zum Vordermann, jede Reihe ist ähnlich weit von der anderen entfernt. Helfer haben den Bereich mit Flatterband abgegrenzt. Jetzt stehen sie in ihren leuchtenden Warnwesten am Rande und haben ein waches Auge auf die Szene. Alle bis auf die beiden singenden Musiker tragen Masken.

Im Beifall des einstündigen Erlebnisses zeigen sich die Zuhörer begeistert. Sie applaudieren fleißig, gehen mit, wenn sie den Takt klatschen. Dazu trägt auch die Auswahl der Stücke bei, ein Querschnitt mit passenden Themen zur Corona Krise. Da hieß es „Zusammenhalten“ oder „Zeit fia ois“. Am Ende erfahren wir, dass die Zuhörer die Mischung aus feiner Musik und wunderbarer Landschaft als einmaliges Erlebnis empfanden.

Tatsächlich ist so etwas ein anderes Konzert. Strenge Regeln, kein Vorglühen, Stühle auf einem festen Punkt, entfernt zum nächsten Nachbarn. Die Polizei mit 10 bis 20 Kräften vertreten, hielt sich aber weit im Hintergrund. Sie hatte den Zugang zum Flugplatzgelände überwacht und sich gegen einen eventuellen Fan-Ansturm gewappnet. Doch Versammlungstermin und Ort waren im Vorfeld geheim geblieben.

Für die Bandkollegen in Stuttgart und München war die Anreise in Corona-Zeiten nicht vertretbar. So blieb es bei Florian Starflinger und Kamil Müller. Sie sahen sich als Leiter einer Versammlung „Rettung der Kultur in Corona-Zeiten“. Versammlungen von bis zu 50 Personen sind zulässig. „Das ist keinesfalls als Provokation gegenüber Corona-Vorschriften oder Versammlungseinschränkungen gemeint“, unterstreicht Florian Starflinger nachdrücklich.

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Dahinter stehen vielmehr Ideen, die auch die Behörden rund um das Landratsamt um die Gemeinde überzeugten. „Wir sind da auf überraschend offene Ohren gestoßen. Das Landratsamt mit seinen Fachleuten hat uns mit Tipps und eigene Ideen unterstützt.

Die Idee ist, „auf kreative Weise zu zeigen, dass lebendige Leicht-Kultur auch in diesen Zeiten stattfinden kann“, so Starflinger wörtlich. Wenn Live-Kultur mit dem wenig differenzierten Begriff „Großveranstaltung“ gleichgesetzt werde, helfe das niemandem. So pauschal verunsichert das die gesamte Branche. „Das zieht den Künstlerinnen und vielen anderen den Boden unter den Füßen weg.“

Kunst als Vorreiter und Aufdecker von Missständen

Starflinger möchte auch in anderen Richtungen ein Zeichen setzen. Es wendet sich gegen ein pauschales „Kunst ist in diesen Zeiten doch wirklich nicht so wichtig.“. Er vertritt das Gegenteil. „Kunst deckt Missstände auf, Kunst ist oft direkt am Menschen, Kunst ist ein Vorreiter in vielen philosophischen und politischen Themen. Kunst ist genau das was viele Menschen zum Denken anregt. Und Denken ist im Moment wichtiger denn je und darf nicht unterbunden werden“, sieht Starflinger vor der anwachsenden Flut von Gerüchten und Theorien rund um die Corona Pandemie.

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