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Pädagogisches Zentrum Schloss Niedernfels Marquartstein

Jubiläum zur Schulrettung: Wie sich rebellische Eltern und Lehrer vor 25 Jahren durchsetzten

So demonstrierten Schüler und Mitarbeiter 1997 gegen die geplante Schließung ihrer Schule.
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So demonstrierten Schüler und Mitarbeiter 1997 gegen die geplante Schließung ihrer Schule.
  • VonChristiane Giesen
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Rettung der Schule vor 25 Jahren: Pädagogisches Zentrum Schloss Niedernfels feiert heuer ein besonderes Jubiläum.

Marquartstein – Eine „entsprungene“ Nonne, wiederholte Demonstrationen – auch vor dem Erzbischöflichen Ordinariat in München, ein Rechtsanwalt mit seinem Schaf namens Seraphin, der Behörden und Öffentlichkeit in Atem hielt: So werden viele Bewohner des Achentals die Ereignisse vor 25 Jahren noch dunkel in Erinnerung haben.

Das heutige Pädagogische Zentrum Schloss Niedernfels will heuer und im kommenden Jahr bei mehreren Veranstaltungen an die Rettung der Schule vor einem Vierteljahrhundert erinnern.

Dieses Vorhaben stand im Mittelpunkt der gut besuchten Jahreshauptversammlung des Fördervereins der Schule im Lehrerzimmer. Die Vorsitzende, Mechtild Faller-Obermeier, gab einführend einen Rückblick über das hoch ereignisreiche Jahr 1997, wo die damalige „Franz von Sales Heimvolksschule Schloss Niedernfels“ durch den unglaublichen Einsatz von Eltern, Lehrern, Schülern und allen dort Beschäftigten einschließlich Gemeinde Marquartstein und Landkreis Traunstein schließlich doch noch gerettet werden konnte.

Oberin Angela war verschwunden

Höhepunkt der damals Skandal umwobenen Ereignisse war Ende April 1997, als die damalige Oberin Schwester Angela plötzlich verschwunden war und nicht nur von Polizei und ihrem Orden, den Schwestern von Mallersdorf, gesucht wurde. Hintergrund: Am 21. April war völlig überraschend die Schließung der Klosterschule bis zum Schuljahresende angekündigt worden.

Die völlig überraschten Eltern und Mitarbeiter der Schule wollten dies jedoch nicht akzeptieren, war die Heimschule doch schon damals nicht nur in der Region einzigartig mit ihren sozialen und integrativen Ganztagesangeboten.

Schon am 28. April des Jahres gab es eine große Demonstration gegen die Schulschließung vor dem Ordinariat in München mit anschließender Krisenkonferenz mit den damals Verantwortlichen im Ordinariat. Zwei Wochen später wurde der „Verein der Freunde und Förderer der Heimvolksschule Niedernfels“ im damaligen Gasthof Alpenrose in Marquartstein gegründet. Der Münchner Anwalt Bernhard Fricke – damals Stadtrat und Vorsitzender der Gruppierung „David gegen Goliath“ – stand den „Aufständischen“ von Anfang an mit Rat und Tat zur Seite.

Ende Mai 1997 Schließung angekündigt

Ende Mai verkündete das Ordinariat in einer Pressemitteilung die endgültige Schließung der Klosterschule, weil die Verhandlungen mit dem zunächst angedachten Träger St. Zeno gescheitert waren.

Es folgten Pressekonferenzen und Protestaktionen von über 200 Eltern und Lehrern, unter anderem bei der Fronleichnamsprozession in München und einem Bittgang von Niedernfels aus zum Grassauer Kurpark, wo Banner getragen und Fahnen geschwenkt wurden, so dass nicht nur die regionale Presse aktuell berichtete. Unterstützt wurden alle Aktionen von Achentaler Geschäftsleuten, da viele ihrer Kinder die damals noch einzige Ganztagesschule mit Hort und Kindergarten in der Region besuchten.

Kardinal Wetter wurde hellhörig

So wurde auch Kardinal Friedrich Wetter auf die „Causa Niedernfels“ aufmerksam. Am 11. Juli 1997 erklärte sich überraschend die Katholische Jugendfürsorge bereit, die Trägerschaft der Einrichtung zunächst für zwei Jahre zu übernehmen.

Das Organisationsteam der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen des Pädagogischen Zentrums Schloss Niedernfels (von links): geschäftsführender Leiter Christoph Cramme, die Erste Vorsitzende des Fördervereins, Mechtild Faller-Obermeier und Schulleiter Christian Auer.

Anliegen des Fördervereins ist es nun, 25 Jahre später diesen riesigen Einsatz zur Rettung der Schule angemessen zu würdigen. Geplant ist ein Ehemaligentreffen mit den noch lebenden „Kämpfern“ dieser Zeit.

Altbürgermeister Matthias Dögerl, der sich sehr für den Erhalt der Einrichtung einsetzte und den Kauf der Gebäude durch Gemeinde und Landkreis erreichte, starb Anfang 2021. Aber viele andere, wie der damalige Landrat Jakob Strobl und andere werden sich wohl gerne an die aufregende Zeit erinnern und sich freuen, Erinnerungen auszutauschen.

+++ Weitere Nachrichten aus dem Chiemgau finden Sie hier +++

Zum Auftakt der Feierlichkeiten am Freitag, 16. September, ist für morgens ein Schulgottesdienst geplant. Anschließend treffen sich ehemalige Eltern, Schüler und Schulmitarbeiter im Schlossinnenhof.

Im Frühjahr soll es ein Benefizkonzert im Alten Bad in Unterwössen mit Teacher’s Groove geben. Darüber hinaus wird 2023 hindurch mehrere Fachvorträge aus den Reihen der Pädagogen und Lehrer geben.

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