Wegen Corona

Raus der Kirche, rauf auf Youtube: So sehen alle Priener doch noch ihr Weihnachts-Musical

Film-Set am Herrnberg für das Weihnachtsmusical: Einen Mordsschreck bekommen die Hirten, als ihnen auf dem Feld ein Engel erscheint und die Weihnachtsbotschaft verkündet… Berger
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Film-Set am Herrnberg für das Weihnachtsmusical: Einen Mordsschreck bekommen die Hirten, als ihnen auf dem Feld ein Engel erscheint und die Weihnachtsbotschaft verkündet… Berger
  • Ulrich Nathen-Berger
    vonUlrich Nathen-Berger
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Es wäre heuer der 20. Aufführungstag für das Weihnachtsmusical in der Christuskirche gewesen – wenn nicht die Corona-Pandemie einen Strich durch die Planung der Evangelischen Kirchengemeinde Prien gemacht hätte. Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth hat sich aber eine ganz besondere Variante der Aufführung ausgedacht

Prien – Die mittlerweile schon traditionellen Aufführungen des Weihnachtsmusical in der Christuskirche mit Chor, Solisten und Kirchenband am Heiligen Abend in der evangelischen Christuskirche in Prien wird es in diesem Jahr nicht geben. Die gute Nachricht: Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth, aus dessen Feder das Stück stammt, hat seine zeitkritische Weihnachtsbotschaft in digitaler Form verpackt und wird sie an Heilig Abend als Film präsentieren. Über Idee und Produktion des Streifens sprachen die OVB-Heimatzeitungen mit dem evangelischen Seelsorger.

Was gab den Anstoß, das Musical heuer Corona bedingt nicht ausfallen zu lassen und statt dessen als Film zu produzieren?

Pfarrer Wackerbarth: Das Musical an Weihnachten ausfallen lassen – das geht gar nicht. In den drei Veranstaltungen am Heiligen Abend haben wir bislang pro Jahr zwischen 1200 bis 1500 Besucher gehabt. Es war Corona bedingt völlig aussichtslos, die Aufführungen in irgendeiner Weise in geschlossenen Räumen darzustellen, und für eine Außenaufführung wäre der technische Aufwand viel zu groß gewesen. Deshalb fiel der Entschluss, einen Film zu produzieren. Da mein Schwiegersohn Yannic professioneller Kameramann ist, war diese Entscheidung eigentlich logisch. Wir haben diese Form jetzt gewählt, damit alle, für die das Musical zum Weihnachtsritus gehört, es auch erleben können. Ab Heilig Abend 14 Uhr steht der Film im Internet auf unserem YouTube-Kanal „Christuskirche Prien“ bereit.

Pfarrer WackerbarthAutor des Musicals.

Welche Überzeugungskraft haben Sie bei den Protagonisten aufbringen müssen, vor einer Kamera zu stehen?

Pfarrer W.: Es war nicht schwierig. Ich hatte mich entschlossen, das Projekt mit der Evangelischen Jugend zu realisieren. Der Kinderchor ist zu groß, ich hätte einige Kinder ausschließen müssen. Das wäre für die Betroffenen zu traurig gewesen. Der Jugendchor ist sehr viel kleiner. Zudem: Einige Mitglieder kommen erst Weihnachten vom Studium zurück, somit reduzierte sich für die Produktion die Zahl auf zehn Mitglieder, was Corona bedingt dann auch in der Kirche darstellbar war.

Wie ist das Drehbuch entstanden?

Pfarrer W.: Die Skizze dazu habe ich entworfen, das heißt, ich habe die Songs festgelegt und die Moderationen geschrieben. (Schmunzelnd) Der Dreh und die Filmsets sind aber in Yannic‘s Kopf entstanden.

Worauf können sich die Priener freuen?

Pfarrer W.: Die Filmversion wird völlig anders sein als die Aufführungen in der Kirche. Es sind nur Außenaufnahmen, und wir spielen das Stück mit einer Prise Humor. Ich will nicht zu viel verraten, aber es gibt zum Beispiel einige kleine Szenen, die hoffentlich die Menschen zum Lachen bringen, nicht über das, was passiert, sondern wie es geschieht. Vor allem ist zu sehen, mit welcher Freude die Rollen gespielt werden.

Wie lässt sich die Weihnachtsbotschaft des Musicals in dem Film verankern?

Pfarrer W.: Es gibt einen Erzähler. Ich glaube, dass seine Sätze die notwendige Ernsthaftigkeit der Weihnachtsgeschichte mit ins Spiel bringen werden.

Wie wurde der Dreh technisch umgesetzt?

Pfarrer W.: Wir haben an einem Wochenende in der Kirche mit Chor, Solisten und Piano die Songs eingespielt. Die mehrspurige Audioproduktion für die Film-Playbacks hat Ulli Nathen-Berger ehrenamtlich übernommen. Am folgenden Wochenende wurde dann gedreht unter der Prämisse: Raus aus der Kirche, rein ins normale Leben des Ortes, mit Sets an der Kirche und auf dem Herrnberg an einem Schafstall der Familie Aufenanger. Den Abschluss haben wir in der herrlichen Kulisse des Priener Winterwaldes auf dem Wendelsteinplatz aufgenommen.

Was wird das für ein Gefühl sein für Sie im Jubiläumsjahr? Ausgerechnet die 20. Aufführung fällt am Heiligen Abend aus…

Pfarrer W.: Alle Beteiligten am Musical sind schon verunsichert, wie sie den Heiligen Abend verbringen sollen, weil sie eigentlich frei haben – das wird für alle ein seltsames Gefühl sein, wie sie mir versichert haben. Einerseits wird‘s völlig entspannt sein, andererseits wird uns was fehlen. Dennoch freuen wir uns auf Weihnachten: Vor der Kirche werden wir im 20-minütigem Wechsel Andachten mit Musikbegleitung haben, und das digitale Format des Musicals sorgt für ein anderes aber besonderes Erleben.

Weitere Stimmen am Filmset

Mathilda Simon (12) und Greta Wruck (13) aus Prien:Die Cousinen singen beim Hirten-Rap zusammen einen Solo-Part. Für beide steht fest: „Das Musical gehört zum Fest. Es ist schön, mitzumachen, ein tolles Gefühl.“

Mathilda Simon (12) und Greta Wruck (13) aus Prien.

Lauritz-Laurin Kaschner (14) Rosenheim: „In ‚Jesus kam für Dich’ singe ich den Solopart. Das Musical ist eine schöne Erinnerung mit der Kirche und zudem organisierte Freizeit. Ich bin zum dritten Mal dabei.“

Lauritz-Laurin Kaschner (14) Rosenheim.

Lea Voderholzer (17) aus Prien:„Ich singe seit zehn Jahren den Solo-Part der Maria. Nach der letzten der drei Aufführungen ist Weihnachten. Die Stimmung danach ist einfach unvergleichlich.“

Lea Voderholzer (17) aus Prien.

Malte Hoop (24) aus Rosenheim:„Heuer bin ich solistisch beim Hirten-Rap dabei; das war vor vielen Jahren mein erster Kontakt zur HipHop-Musik. Es ist so schön, anderen eine Freude zu bereiten.“

Malte Hoop (24) aus Rosenheim.

Yannic Schwerdtfeger (32) aus München arbeitet als professioneller Kameramann (Kino- und TV-Filme, unter anderem für die ARD „Himmelswillen“):„Ich habe mich auf dieses Projekt gefreut. Es ist schön, mal wieder in solch einem kleinen Rahmen zu arbeiten. Eine spannende Aufgabe, das Musical in dieser neuen Form zu inszenieren. Der Film soll von den Jugendlichen sein und nicht von mir.“

Yannic Schwerdtfeger (32) aus München.

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